Brienner Straße

Brienner Straße wird zur Einbahn: Vorfahrt für den Radverkehr

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Einbahnstraße: Autos dürfen künftig nur noch vom Odeonsplatz in Richtung Amiraplatz verkehren.

Die Brienner Straße wird in einem Teilbereich zur Einbahnstraße. Dies wird die Vollversammlung des Stadtrats heute beschließen. Profitieren werden die Radfahrer.

München - Platz statt PS – darüber waren sich in der gestrigen Sitzung des Kreisverwaltungsausschusses im Prinzip alle einig. Einziger Streitpunkt: Sollen auch die 17 Kurzzeitparkplätze auf Höhe des Wittelsbacherplatzes geopfert werden? Die Grünen hätten sich das vorstellen können. Doch die Rathaus-Regierung aus CSU und SPD will zunächst vom Baureferat überprüfen lassen, ob die Parkplätze nicht an anderer Stelle ersetzt werden können – womöglich in Richtung Wittelsbacherplatz.

Zeit für Veränderungen: Mélanie Bastien findet jede Maßnahme zum Vorteil von Radfahrern gut.

Die Verkehrssituation auf der Brienner Straße zwischen Altstadtring und Odeonsplatz ist meist chaotisch. Radler und Autofahrer teilen sich die knapp bemessene Fläche. Bis zu 12 000 Autos täglich und 1900 Radfahrer zu Spitzenzeiten nutzen die Strecke, was den Straßenabschnitt zur höchstfrequentierten Münchner Fahrradstrecke macht, noch vor der Kapuzinerstraße und der Isarparallele. Weil aber eine durchgängige Radspur fehlt, weichen Pedalritter oft auf die Fußgängerwege aus – was wiederum für Passanten gefährlich ist. Geschäftsleute beklagen seit Langem die untragbaren Zustände. Nun sollen breite Radstreifen kommen. Die Fahrtrichtung vom Amira- bis zum Odeonsplatz bleibt für Autos künftig gesperrt, ausgenommen Stadt- und Sightseeing-Busse. Der Verkehr vom Maximiliansplatz mit dem Ziel Ludwigstraße, also in Fahrtrichtung Osten, wird künftig über den Oskar-von-Miller-Ring geleitet.

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Reiter: Entscheidung für mehr Sicherheit

OB Dieter Reiter (SPD) steht zu dem Beschluss: „Das ist eine klare Entscheidung für mehr Sicherheit für die vielen Radler und Fußgänger in diesem Bereich. Der Zunahme des Radverkehrs müssen wir Rechnung tragen und dürfen in der Konsequenz unbequeme Entscheidungen nicht scheuen.“ Ganz so unbequem soll die Entscheidung aus Sicht der Autofahrer aber dann doch nicht sein. CSU-Stadträtin Evelyne Menges erklärte am Dienstag im Ausschuss: „Die Parkplätze haben eine große Bedeutung für die Geschäftsleute in der Innenstadt.“ Dies sei der Hintergrund für den Prüfauftrag an das Baureferat.

Nicht ideal: Optiker Klaus Böhm sagt, viele Kunden seien auf die Kurzzeitparkplätze angewiesen.

Den Wegfall der Parkplätze kritisiert zum Beispiel Klaus Böhm, Eigentümer von Söhnges Exklusiv Optik an der Brienner Straße 7, deutlich: „Unsere Kunden sind auf die Kurzzeitparkplätze angewiesen. An der Brienner Straße liegen außerdem viele Arztpraxen. Wo sollen die Kunden künftig parken?“ Auch der Verein Brienner Quartier, in dem sich etwa 100 Anlieger zusammengeschlossen haben, hatte zuletzt auf die Wichtigkeit der Parkplätze hingewiesen. Prinzipiell befürwortet Böhm aber die neue Regelung. „Die Verkehrsberuhigung ist wichtig, schließlich soll die Straße eine Einkaufsstraße bleiben.“

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Umwandlung in Fußgängerzone?

Anna Michalak, Filialleiterin von Slowear, hätte sogar eine Umwandlung in eine Fußgängerzone befürwortet: „Hier ist so viel Verkehr, dass wir die Tür nicht offen lassen können, weil man sich dann nicht mehr unterhalten kann“, sagt die Geschäftsfrau. „Aber die Einbahnstraßenregelung ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.“ Das Thema Einbahnstraße könnte nach der Sanierung des Altstadtrings im Jahr 2023 aktuell werden. Das Kreisverwaltungsreferat rechnet nämlich dann damit, dass sich der Verkehr auf der Brienner Straße um bis zu 50 Prozent reduzieren wird.

Einbahnstraße: Autos dürfen künftig nur noch vom Odeonsplatz in Richtung Amiraplatz verkehren.

Die Münchnerin Mélanie Bastien ist in der Stadt nur mit dem Fahrrad unterwegs. „Hier in der Brienner Straße ist nur auf einer Seite ein markierter Radweg – höchste Zeit, dass sich etwas ändert“, sagt die 37-Jährige und fügt an: „Ich finde jede Maßnahme gut, die Radfahrern Vorteile bringt.“

Klaus Vick und Christina Meyer

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