Streit um Wiesn-Sanitätsdienst

Nach dem Wiesn-Aus: BRK-Mitglieder verlangen Aufklärung

+
Rettungskräfte auf dem Oktoberfest.

Nach dem Aus auf der Wiesn-Wache rumort es weiter beim BRK. Die ehrenamtlichen Helfer wollen nun über die Vorgänge um die Ausschreibung des Oktoberfest-Sanitätsdienstes aufgeklärt werden.

Für den Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) war es eine Frage des Selbstverständnisses: Die medizinische Versorgung auf dem größten Oktoberfest der Welt konnte nur ihre Sache sein. Mehr als 130 Jahre lang waren sie dafür zuständig. Der Auftrag galt als gesetzt. Bis im April erstmals der Privatanbieter Aicher Ambulanz den Zuschlag bekam – für 2018 bis 2021. Das Rote Kreuz war ausgebootet, intern löste das ein mittelschweres Erdbeben aus.

Viele Mitglieder rätseln, wie die Ausschreibung so enden konnte. Die Reaktionen waren eine Mischung aus Wut und Enttäuschung. Nach Informationen unserer Zeitung lag das finanzielle Angebot des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wohl mehr als ein Drittel über jenem des Konkurrenten Aicher. Die Stadt, so hieß es, habe aus wirtschaftlichen Gründen gar keine andere Wahl gehabt, den Auftrag an Aicher zu vergeben. Zumal auch der Privatanbieter seine Leistungsfähigkeit nachgewiesen habe.

Lesen Sie auch: Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Wiesn-Sanitäter? Aicher kontert BRK

Mitgliederversammlung beantragt

Nun wollen die BRK-Mitglieder, dass Licht ins Dunkel gebracht wird. In einer Petition an den Vorstand wird eine Mitgliederversammlung beantragt. Wörtlich heißt es: „Die Vorgänge um die Ausschreibung des Wiesn-Sanitätsdienstes geben großen Anlass zur Sorge, ob die Amtsgeschäfte durch den Vorstand ordnungsgemäß ausgeführt werden.“ Mit dem Verlust des Auftrags sei ein Kernstück der Betätigung und Motivation Ehrenamtlicher im BRK-Kreisverband verloren gegangen. In der Petition ist sogar von einer Abberufung des Vorstandes die Rede, weil das erforderliche Vertrauen nicht mehr gegeben sei. Die Verantwortlichen hätten bisher nur darauf verwiesen, dass bei dem Angebot hohe Gemeinkosten einzurechnen seien, die die Effekte der günstigen Kosten eines ehrenamtlichen Einsatzes überdecken. Im Gegensatz zum BRK will Aicher seine Helfer vergüten. Dies wirft bis heute die Frage auf, wie das BRK-Angebot um einiges teurer sein konnte.

Bei der Mitgliederversammlung soll nach dem Willen der Petenten beschlossen werden, dass künftig „kostentreibende ausschreibungsrelevante Positionen kleiner gehalten werden“. Extern solle geprüft werden, ob diese Ziele durch die Gründung einer Tochtergesellschaft oder Stiftung für Sanitätsdienste des BRK erreicht werden können. In dem Schreiben an den Kreisvorstand wird moniert: „Offenbar fließen beim BRK mehr Kosten in die Verwaltung als bei einem Privatanbieter. Dieses Verhältnis ist zu optimieren und die Organisation des Kreisverbandes dahingehend zu prüfen.“

„Viele haben Angst“

Unklar ist noch, ob das erforderliche Quorum von 350 aktiven Mitgliedern erreicht wird, um eine Versammlung einberufen zu können. Ein Helfer sagte unserer Zeitung, man merke schon jetzt, „dass viele Angst haben, sich zu äußern und gutgläubig sind, wenn der Vorstand behauptet, dass es nur am Dumpingpreis des Wettbewerbers liegt, während unser Angebot seriös durchkalkuliert sei“. Bei vielen Mitgliedern herrsche aber Enttäuschung.

BRK-Sprecher Martin Prankl sagte unserer Zeitung: „Es gibt nichts zu verbergen.“ Man bespreche das Thema heute bei einer Hauptausschusssitzung. „Wir gehen mit höchster Sorgfalt vor, weil viele Gremien eingebunden werden müssen. Die Information der Mitglieder ist uns sehr wichtig.“

Klaus Vick und Sascha Karowski

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann packt vor 30-Jähriger in Bus sein Geschlechtsteil aus - damit geht das Grauen erst los
Mann packt vor 30-Jähriger in Bus sein Geschlechtsteil aus - damit geht das Grauen erst los
Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Drahtesel-Wahnsinn am Marienplatz: Wer hält sich wirklich an das Verbot?
Drahtesel-Wahnsinn am Marienplatz: Wer hält sich wirklich an das Verbot?

Kommentare