Münchner Personal-Karussell

Seppis Erben: Wer Bürgermeister, Wiesn-Chef und OB-Kandidat wird

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Geht in den Landtag: Josef Schmid bekleidete im Rathaus das Amt des OB-Vize und das des Wirtschaftsreferenten.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl will als Nachfolger von Josef Schmid für das Amt des 2. Bürgermeisters kandidieren. Auch der Posten des neuen Wiesn-Chefs ist vakant, sowie die OB-Kandidatur.

München - Union ist für die CSU kein Fremdwort, die Vereinigung ist schließlich schon im Parteinamen enthalten. Auf Bundesebene gibt es außerdem die Union mit der Schwesterpartei. Und fernab dessen hat sich auch die Partei im Münchner Rathaus schon die ein oder andere Personalunion geleistet. Ex-Bürgermeister Josef Schmid etwa bekleidete zusätzlich noch das Amt des Wirtschaftsreferenten. „Als Bürgermeister bist du ja nur in der Delegation des OB tätig“, sagte Schmid im Interview mit unserer Zeitung. „Zusammen mit dem Amt des Wirtschaftsreferenten kann man viel bewirken – als Wirtschaftsbürgermeister.“ Schmid ist nun weg, seit 5. November Mitglied des Bayerischen Landtags. Und bei der Lösung seiner Nachfolge wird es eine weitere Union geben.

Bürgermeister und Fraktionschef: Manuel Pretzl.

Die CSU-Fraktion hat am Montag einstimmig entschieden, dass Fraktionschef Manuel Pretzl für das Amt des 2. Bürgermeisters kandidieren soll. Seine Wahl gilt als sicher, da CSU und SPD die Stimmenmehrheit im Rathaus haben – obgleich unlängst Grünen-Fraktionschefin Katrin Habenschaden ebenfalls ihre Kandidatur angekündigt hatte. Zudem hat Pretzl mitgeteilt, Fraktionschef zu bleiben. Das überrascht insofern, als stets gemutmaßt worden war, der 43-Jährige werde sich für eines der beiden Ämter entscheiden und das andere könnte dann von einem seiner Stellvertreter, Evelyne Menges oder Hans Theiss, übernommen werden. Beiden werden durchaus Ambitionen nachgesagt, offenbar hätte jeder in etwa gleich viele Stimmen aus der Fraktion erhalten. So mag für Pretzl auch eine Rolle gespielt haben, der Partei eine Zerreißprobe zu ersparen.

Seine Entscheidung, nun beide Ämter ausüben zu wollen, ist sicher in erster Linie strategisch zu sehen. Im Kommunalwahlkampf wird es darauf ankommen, einen starken Widerpart gegen die politischen Schwergewichte OB Dieter Reiter (SPD) und SPD-Fraktionschef Alexander Reissl zu etablieren. Pretzl kann attackieren, ist seit 2002 Mitglied des Stadtrates und wäre nun der neue starke Mann der CSU, der gleichwohl für eine Fortsetzung des von Josef Schmid eingeführten liberalen Großstadtkurses steht. Zudem wäre er als 2. Bürgermeister besser in die Abläufe Verwaltung und das Tagwerk im Rathaus eingebunden.

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Wer von der CSU steigt gegen OB Dieter Reiter in den Ring?

In einer ersten Reaktion ließen die Grünen kein gutes Haar an Pretzls Entscheidung. Fraktionschef Florian Roth sprach von einem „unauflöslichen Rollenkonflikt, der die Debattenkultur im Stadtrat unweigerlich beschädigen würde.“ Ein Fraktionsvorsitzender habe schließlich die Aufgabe, die Ziele seiner Partei eindeutig und mit besonderer Klarheit darzustellen. „Ein Bürgermeister dagegen ist Repräsentant der ganzen Stadt und hat dies im politischen Alltag auch zu berücksichtigen.“ OB Reiter sprach von einer interessanten Entscheidung. „Leicht wird es sicher nicht, als Fraktionschef die Interessen der CSU kantig zu vertreten und gleichzeitig als Bürgermeister neutraler Teil der Stadtverwaltung zu sein.“

Kristina Frank ist eine mögliche OB-Kandidatin.

Unbeantwortet ist nach wie vor die Frage, wer von der CSU nun 2020 gegen Dieter Reiter antritt. Dass Pretzl diese Aufgabe auch noch übernehmen wird, darf bezweifelt werden. Vieles deutet darauf hin, dass Kommunalreferentin Kristina Frank gegen Reiter in den Ring steigen und gemeinsam mit Pretzl die CSU in die Kommunalwahl führen wird.

Für das Amt des Wiesn-Chefs und Wirtschaftsreferenten wird die CSU den Chef des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, Clemens Baumgärtner, vorschlagen. „Ich freue mich über das Vertrauen“, sagte der 42-Jährige auf Anfrage unserer Zeitung. „Und ich würde mich auch über das Vertrauen der anderen Fraktionen freuen. Ich biete an, mich in jeder einzelnen vorzustellen.“ 

Neuer Wiesn-Chef? Baumgärtners Wahl gilt als sicher, die CSU hat das Vorschlagsrecht, die SPD wird mitstimmen.

Auch Baumgärtners Wahl gilt als sicher, die CSU hat das Vorschlagsrecht, die SPD wird mitstimmen. Baumgärtner ist selbstständiger Wirtschaftsanwalt, verheiratet und hat zwei Kinder, gehört seit 1996 dem Bezirksausschuss an, seit 2012 ist er dessen Vorsitzender – und würde dies auch bleiben wollen. Er betont: „Die Aufgabe macht mir großen Spaß und gibt eine gewisse Bodenhaftung.“ Eine weitere Personalunion.

Sascha Karowski

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