Krimineller Busfahrer fälscht MVV-Karten

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Mit Original-Papier fälschte Sebastiano F. MVV-Tickets, auch Isar-Cards (hier eine echte) waren darunter.

München - Sie haben MVV-Monatstickets im großen Stil gefälscht und damit einen Schaden von mehr als 100 000 Euro angerichtet. Am Montag hat das Landgericht München die Drahtzieher einer Bande, allen voran einen Busfahrer, verurteilt.

Der Prozess vor der 2. Strafkammer am Landgericht München dauert am Montag nur wenige Stunden. Um eine langwierige Beweisaufnahme zu vermeiden, einigen sich die Beteiligten schnell: Die fünf Angeklagten gestehen über ihre Verteidiger, tausendfach MVV-Karten gefälscht zu haben, und bekommen dafür zuvor ausgehandelte Strafen: Haupttäter Sebastiano F., ein 46-jähriger Busfahrer, muss wegen Unterschlagung und Geldwäsche für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, sein Komplize Antonio V., 34 und Pizzabäcker, für drei Jahre. Zwei weitere Männer und eine Frau kommen mit Bewährungsstrafen davon. „Ich bereue, was ich getan habe“, sagt einer von ihnen. Die anderen sprechen gar nicht.

Neben den gestern Verurteilten warten noch fast 20 weitere mutmaßliche Täter auf ihre Prozesse. Mehr als 300 Bundespolizisten hatten am 29. Juni 2011 nach monatelanger Observation gegen die Fälscherbande zugeschlagen. Bei einer Großrazzia durchsuchten die Beamten 27 Wohnungen und Geschäftsräume.

Den Tipp auf die Fälscher hatte die Bundespolizei im Februar 2011 von einem Informanten bekommen. Es gebe da einen Italiener, der am Münchner Hauptbahnhof und am Omnibusbahnhof gefälschte MVV-Tickets verkaufe, hieß es. Und: Für eine Monatskarte, die sonst 54 Euro kostet, würden Abnehmer der Falsifikate 35 Euro zahlen.

„Der Zeuge gab uns die Beschreibung eines Italieners durch und sein Kfz-Kennzeichen“, berichtet ein Kriminalhauptkommissar vor Gericht. Dann habe die Polizei einen Testkäufer losgeschickt, um eine der gefälschten Karten kriminaltechnisch untersuchen zu können. Für den Laien seien die Fälschungen nicht von einer echten Karte zu unterscheiden gewesen, sagt der Kommissar. Und: „Es handelte sich um Original-Papier.“

Das Papier, stellte sich später heraus, hatte Sebastiano F., der als Fahrer bei einem für den MVV tätigen Omnibus-Betrieb arbeitete, bei seinem Arbeitgeber geklaut. Offensichtlich konnten sich die Fahrer, die Blanko-Papier brauchen, um in den Bussen Karten verkaufen zu können, die Ticket-Rollen einfach nehmen. Auf diese Blanko-Karten druckte Sebastiano F. mit einem Tintenstrahldrucker Tarife mit verschiedenen Zonenringen. Gegen Bares gab er die gefälschten Tickets an seine Komplizen ab, die diese an den Bahnhöfen anboten.

Um an Sebastiano F. zu kommen, ermittelte die Polizei mehrere Monate. Über den Verkäufer am Bahnhof seien die Fahnder an dessen Lieferanten gekommen, erklärt der Kriminaler. Die Kollegen hätten die Verdächtigen dann weiter observiert und deren Telefone überwacht. „So haben wir uns auf die nächste Ebene hochgeschlängelt.“

Ende Juni dann die Razzia. Dabei stellten die Polizisten Geld und jede Menge gefälschter MVV-Karten sicher. Beim Haupttäter fanden sie rollenweise Blanko-Papier. Einen Teil seiner Fälschungen wollte Sebastiano F. noch verschwinden lassen und warf ein Mäppchen aus dem Fenster. Allerdings landete es direkt vor den Füßen der Staatsanwältin.

Bettina Link

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