Notarzt und Polizei auf Flughafen-S-Bahn im Einsatz - Strecke total gesperrt

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Besonders bei kleinen Firmen geht es um die Existenz

„So teuer kommt uns die Krise“: Riesige Verluste vom Kleinunternehmer bis zum Weltkonzern

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„Flexibel der Nachfrage anpassen“ will BMW seine Produktion – und die Nachfrage ist derzeit eher gering.

Die Corona-Krise bedeutet große Verluste für die Wirtschaft. In München sind davon Kleinunternehmer ebenso gebeutelt wie der Weltkonzern BMW.

  • Die Staatsregierung hat die Corona*-Regeln etwas gelockert.
  • Die Corona-Krise bedeutet große Verluste für die Wirtschaft vom Kleinunternehmer bis zum Weltkonzern.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus*. Außerdem finden Sie hier aktuelle Fallzahlen in Deutschland als Karte*. Derzeit gibt es die folgenden Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen*.
  • Die Ausfälle für Kleinunternehmer betragen tausende Euro, die Umsatzeinbußen für den Münchner Weltkonzern BMW Milliarden – die Liste der Verluste wegen Corona ist lang. Besonders bei den Kleinen geht es um Existenzen, die Großen müssen sich von fetten Jahren und – zumindest vorübergehend – auch von Mitarbeitern verabschieden. Besonders hart trifft es diejenigen, die nicht von öffentlichen Hilfen profitieren oder auch noch durch hohe Fixkosten – zum Beispiel durch Gebäudemieten – belastet sind.

    Keine Gäste: Für die Hotelchefinnen Petra (li.) und Carola Strohoff ist die Situation schlicht „eine Katastrophe“.

    Hotel

    Für Petra Strohoff ist die Situation schlicht „eine Katastrophe“. Gemeinsam mit ihrer Schwester Carola betreibt sie das „Bed and Breakfast Mülller Inn“ an der Müllerstraße (Glockenbachviertel). Ihr Betrieb ist seit Mitte März geschlossen. In einem normalen bis guten April liegt der Umsatz bei 15 000 Euro, in diesem Monat: null. Und: „90 Prozent unserer Gäste haben schon für den weiteren Jahresverlauf storniert“, sagt Petra Strohoff.

    Die Betreiber des kleinen Hauses mit rund 20 Betten haben schon eine 450-Euro-Kraft entlassen müssen, eine weitere wurde auf 450 Euro zurückgestuft. Soforthilfe haben die Geschwister im März beantragt, Geld ist jedoch noch nicht geflossen. Was die Situation zusätzlich erschwert: Das Gebäude ist nur gemietet, die laufenden Kosten sind auf Dauer wohl kaum noch zu stemmen. Das Geld reicht noch für höchstens einen Monat. Die Aussichten nennt Petra Strohoff „furchtbar“.

    Keine Patienten: Zahnarzt Steffen Weimann macht kaum Umsatz.

    Zahnarzt

    Steffen Weimann (39) ist Zahnarzt in Trudering. Er sagt: „Wir haben etwa 80 Prozent Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie. Patienten haben etliche Termine abgesagt, aber wir haben auch von uns aus Behandlungen verschieben müssen.“ Alle vier von Weimanns Mitarbeitern sind in Kurzarbeit. 5000 Euro Soforthilfe gab es vom Freistaat, „dadurch konnten wir die Miete für die Praxis zahlen“, sagt der Zahnarzt. Wirtschaftlich sei die aktuelle Situation dennoch sehr schwierig. „Allein im April haben wir Umsatzeinbußen von 30 000 bis 40 000 Euro. Noch ist mein Konto im Plus, aber nächsten Monat nicht mehr, wenn es so weitergeht.“ Seine Patienten sollen wissen: „Wir behandeln weiterhin, niemand muss Angst haben, zum Zahnarzt zu gehen. Wir sorgen für professionelle Hygiene.“ Am 4. Mai will Weimann wieder vollständig öffnen.

    Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung hat finanzielle Hilfen versprochen, aber nur rund 30 Prozent werden Zahnärzte behalten dürfen – der Rest muss wohl im nächsten Jahr verrechnet oder zurückgezahlt werden.

    Weltkonzern BMW

    Die BMW Group hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres weltweit 477 111 Fahrzeuge ausgeliefert – 128 222 weniger als im ersten Quartal 2019, ein Minus von gut 20 Prozent. Im ersten Quartal 2020 ergibt sich für den Automobilkonzern bei einem Durchschnittspreis von 50 000 Euro pro Fahrzeug ein Umsatzverlust in diesem Bereich von gut sechs Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Lage wirkt sich auf die Belegschaft aus. „Wir reagieren auf die weltweit herausfordernde Absatzsituation aufgrund der Corona-Pandemie und passen unser Produktionsvolumen flexibel der Nachfrage an“, sagt Pieter Nota, Mitglied des Vorstands der BMW AG. Die Konsequenz, so Unternehmenssprecherin Christina Hepe: „Wir haben für den Monat März knapp 20 000 Mitarbeiter für Kurzarbeit angemeldet, im Wesentlichen in den Werken Dingolfing, München, Regensburg und Leipzig.“

    Bordell

    „Die Situation ist eine Katastrophe“, sagt Jürgen G., Betreiber des Laufhauses „Caesar’s World“ und des „Leierkasten“. Insgesamt 25 Mitarbeiter sind dort in Kurzarbeit. „Die Soforthilfe beim Freistaat haben wir beantragt, aber noch nichts erhalten“, sagt G. Stattdessen wird er weiterhin von der Polizei und vom Kreisverwaltungsreferat kontrolliert, um zu überprüfen, dass die Prostituierten nicht arbeiten. „Was sie natürlich nicht tun.“ Im Gegenteil: „Wir lassen sie jetzt mietfrei bei uns wohnen.“ Im Gegensatz zu anderen Branchen hat das Rotlicht-Gewerbe noch keine Perspektive. „Wann wir wieder öffnen können, ist leider völlig unklar. Die einen sagen im September, die anderen Ende des Jahres, und manchmal heißt es, erst wenn es einen Impfstoff gibt.“ Sollte es so weit kommen, prognostiziert G., „liegen die Umsatzeinbußen in Millionenhöhe“.

    Das Museum

    Anfang des Jahres freute man sich im Deutschen Museum noch über leicht steigende Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr – trotz Baustelle. Im März griffen die behördlichen Beschränkungen, da sank die Zahl an den drei Standorten Museumsinsel, Flugwerft Schleißheim und Verkehrszentrum schon von den üblichen gut 100 000 auf gut 20 000. Im April wird es voraussichtlich null Besucher geben (statt sonst 110 000 bis 120 000). Die lukrativen Ostertage sind komplett weggebrochen. Insgesamt rechnet Museumssprecher Gerrit Faust mit verlorenen Eintrittsgeldern von mehreren Millionen Euro. „Internationale Besucher, vor allem aus Asien und Italien, werden uns auch noch länger fehlen.“

    Keine Konjunktur: Autohändler Thomas Radlmaier.

    Autohändler

    „Wir haben 23 Angestellte, 17 sind jetzt in Kurzarbeit“, sagt Thomas Radlmaier (55), der das gleichnamige Autohaus in Neuperlach leitet. „Der Schaden lässt sich in den vergangenen Wochen auf rund 75 000 Euro beziffern – wir wurden mitten im Frühjahrsgeschäft erwischt.“ Die Werkstatt hat zwar noch offen, aber das Autohaus konnte jetzt einen Monat lang im Grunde keine Autos ausliefern. Die Aussichten sind nicht besser: „Ich glaube eher nicht, dass die Leute sofort wieder viel kaufen, wenn sie rausgehen dürfen.“ Viele sind ja selbst finanziell schwer gebeutelt. „Was wir jetzt bräuchten, wäre ein Konjunktur-Belebungspaket für den stationären Handel.“

    Stadtführerin

    Zu den Olympischen Spielen kam Barbara Schöne nach München. Sie verliebte sich und blieb. Als Stadtführerin machte sie sich seither einen Namen – doch die Corona-Krise „ist für mich ein Totalausfall“, sagt sie. Vergangenen Freitag kam das letzte Storno. „Seit 43 Jahren bin ich im Geschäft, aber so was habe ich noch nicht erlebt.“ Die Touristik könne man dieses Jahr komplett knicken. „Als Kleinunternehmerin verliere ich 15 000 bis 18 000 Euro. Vor allem, wenn die Wiesn jetzt auch noch abgesagt wird.“ Denn Schönes Kunden sind vorwiegend Amerikaner und Asiaten, die Landeshauptstadt vermittelt sie an die Schwabingerin. Insgesamt gibt es 250 offizielle Gästeführer in München. „Zum 30. Juni gebe ich mein Büro auf“, sagt Schöne. Erst 2021 wird es wohl wieder Aufträge geben. „Das ist bitter. Denn ohne diese Einnahmen lebe ich von 398 Euro Rente.“

    Massagesalon

    „BuaSiam“ ist der größte Thaimassage-Anbieter in München und hat neun Studios in der ganzen Stadt. Seit dem 18. März musste Geschäftsführer Detlef Hoffmann sie alle schließen. „Wir haben 90 Mitarbeiter, 60 sind jetzt in Kurzarbeit, der Rest sind Mini-Jobber.“ Pro Tag gingen 6500 Euro an Netto-Einnahmen verloren, rechnet Hoffmann vor.

    Vom Freistaat hat der Massage-Betreiber bereits 30 000 Euro Soforthilfe bekommen, „davon können wir gerade mal die Miete bezahlen“. Einige Vermieter haben aber bereits eine Stundung angeboten. Ab dem 11. Mai soll der Geschäftsbetrieb wieder anlaufen. „Hoffentlich“, sagt Hoffmann. „Wir arbeiten gerade an einem Hygieneplan, denn die Masseurinnen müssen ihre Kunden ja anfassen.“

    Keine Kunden hat derzeit Friseurin Petra Ehrlenspiel.

    Friseur

    „Es trifft meinen Friseursalon natürlich, aber zum Glück ist unsere Existenz nicht bedroht“, sagt Petra Ehrlenspiel (49), Geschäftsführerin von „Tête à porter“ Friseure, Versailler Straße 21. „Meine fünf Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.“ Sie habe Soforthilfe beantragt und hoffe auf 9000 Euro. „Für meinen 80 Quadratmeter großen Salon zahle ich eine Miete im vierstelligen Bereich, dazu kommen natürlich noch allerlei sonstige Kosten wie Strom, die weiterhin bezahlt werden müssen. Eigentlich würden wir uns pro Tag um rund 15 Kunden kümmern und 800 bis 1000 Euro einnehmen. Das Geld fällt nun komplett weg.“

    Klavierlehrer

    Peter Wegele unterrichtet seine Schüler derzeit online. Weil er bei der Musikschule Geretsried arbeitet, hat der Münchner Anspruch auf Kurzarbeitergeld. In Kombination mit dem Videounterricht pendelt sich sein Verlust auf 20 bis 30 Prozent ein. Härter treffen ihn die fehlenden Auftritte. So fiel unter anderem sein Engagement beim Singspiel auf dem Nockherberg ins Wasser, dazu mehrere Konzerte. Unterm Strich bleiben seit Mitte März null Einnahmen im freiberuflichen Bereich – und der macht 50 Prozent seines Unterhalts aus. „Das merkt man dann schon“, sagt Wegele. Er hofft, im Herbst wieder vor Publikum spielen zu können. „Die Interaktion fehlt ganz klar“, sagt er – auch mit Blick auf den Musikunterricht.

    ANDREAS THIEME, NICO RADING UND LAURA FELBINGER

    Lesen Sie auch: Städte-Trip durch Europa: Bayerische Polizei stoppt französische Familie - und fördert Erschreckendes zutage

    *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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