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Keine Flüge wegen Corona

Von Einheimischen angefeindet: Münchner Urlauber in Südamerika gefangen - „Drehen ein bisschen am Rad“

Ausgangssperre verhängt und Flüge gestrichen. Peru hat das ganze Land unter Quarantäne gestellt. Auch Münchner sind auf ihrer Reise in Südamerika gestrandet und sitzen fest.

Cusco/ München - Ein Traumurlaub sollte es werden, ein Ausgleich zum stressigen Alltag daheim. Doch für den Münchner Jan Kising und seine Freunde wurde der Trip nach Peru (Südamerika) zum Albtraum – denn jetzt hängen sie in der Andenstadt Cusco fest. „Wir sind verzweifelt“, sagt der 35-Jährige gegenüber der tz. Er und seine drei Freunde haben nur einen Wunsch: zurück nach Deutschland! Doch selbst das Auswärtige Amt scheint das vor große Probleme zu stellen.

Jan Kising und seine Freunde Annika (29), Anja (26) und Dominik (30) brachen Anfang März zu ihrem Urlaub auf: Geplant hatten sie einen dreiwöchigen Aufenthalt. Die erste Woche verlief nach Plan. Sie buchten Touren, machten das obligatorische Bild in Machu Picchu. Danach ging es in den Dschungel – die Tortur nahm ihren Anfang. Denn der peruanische Präsident Martín Vizcarra machte innerhalb von 24 Stunden die Grenzen dicht, stellte das Land für 15 Tage unter Quarantäne.

In Machu Picchu war noch alles gut: Jan Kising (2.v.r.) mit seinen Freunden Annika, Dominik und Anja (v.r.).

Kising und seine Freunde machten sich sofort auf den Weg zurück nach Cusco. Hier angekommen, waren sie für zehn Tage quasi in ihrem Hostel eingesperrt: Die Regierung hatte strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Keiner darf mehr raus, nur zum Supermarkt und dann alleine und mit Maske. Wer dagegen verstößt, dem droht eine Haftstrafe!

Coronavirus: Keiner will die Münchner als Nachbarn haben

Die nächste Hiobsbotschaft für die Münchner: Das Hostel muss überraschend schließen, angeblich wegen eines Coronafalls in der Nähe. Mit Glück finden sie zusammen mit vier weiteren Deutschen eine Airbnb-Wohnung. Doch auch hier ist die Lage angespannt. „Die Nachbarn sind sehr gegen uns“, sagt Jan Kising. „Unser Vermieter schreibt uns ständig, dass wir leise sein und uns ja nicht im Freien aufhalten sollen.“ Die Nachbarn beschweren sich über die Deutschen, wollen sie nicht mehr im Land haben.

In dieser AirBnB-Wohnung sind die Münchner untergekommen. Die Nachbarn wollen sie schnell loswerden.

Peru: Spannungen zwischen Bevölkerung und Urlaubern

Das Auswärtige Amt weiß um die Spannungen zwischen Bevölkerung und Urlaubern. Auf tz-Anfrage heißt es: „Das Auswärtige Amt arbeitet mit Hochdruck und unter Einsatz größtmöglicher personeller Ressourcen daran, die noch etwa 2700 deutschen Reisenden in Peru zu unterstützen.“ Für die besondere Lage in Cusco wird ein Konsular-Team aus ­Lima in die Andenstadt geschickt, um die Landsleute vor Ort zu unterstützen.

Doch warum können Jan Kising und die anderen nicht ausgeflogen werden? Schuld sei die sehr strenge Vergabe von Landegenehmigungen, da die peruanische Regierung die Flughäfen geschlossen und dem Militär unterstellt habe. Letzte Woche konnten zwei Flieger aus Lima starten. Für Cusco sind für Mittwoch und am Donnerstag vier Flüge geplant. Aber auch dafür könnte die Regierung die Landeerlaubnis noch entziehen.

Münchner in der Corona-Krise: „Wir drehen ein bisschen am Rad“

Jan Kising und seine Freunde können bis dahin nur abwarten und hoffen. Auch, dass sie überhaupt einen Platz bekommen – denn die Flieger werden nicht für alle reichen. Da keine Busse mehr fahren, gibt es auch keine Möglichkeit, in die Hauptstadt Lima zu kommen. „Wir drehen ein bisschen am Rad, versuchen aber, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Kising. Sie lenken sich mit Kochen und Kartenspielen ab. Dazwischen immer der Griff zum Handy – in der Hoffnung, endlich gute Nachrichten zu bekommen.

Auch in diesen Ländern gibt es Probleme bei der Rückholung

Seit dem Start der Rückholaktion der Bundesregierung sind laut des Auswärtigen Amtes rund 160.000 von mehr als 200.000 im Ausland vermuteten Deutschen zurückgekehrt. 24.000 von ihnen wurden mit gecharterten Flügen nach Hause gebracht. Doch ähnlich wie in Peru gibt es auch in einigen ­anderen Ländern Probleme. Wie in Neuseeland, wo noch mehr als 10.000 Deutsche festsitzen. Nach einem ersten Rückholflug untersagte die neuseeländische Regierung weitere geplante Flüge bis einschließlich heute. Ebenso wurde der Luftraum über Marokko und Tunesien gesperrt. In Kamerun sitzen rund 300 ­Deutsche fest, nachdem das Land ohne Vorwarnung die Grenzen schloss. Auch auf den Philippinen warten viele Deutsche auf eine Möglichkeit, heimzukommen. „Diejenigen, die noch im Ausland sind, bitten wir weiter um Geduld“, twitterte ­Außenminister Heiko Maas (SPD).

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