“Respektieren dein Feedback“

Mitarbeiter per Videocall gefeuert: Münchner Unternehmen rechtfertigt drastisches Vorgehen während Corona-Krise

Es sind schwierige Zeiten - Die Corona-Krise hat ganz Bayern infiziert. Viele Unternehmen melden Kurzarbeit an. Doch ein Münchner Start-up zieht wohl Kündigungen vor. 

Update vom 4. April 2020: Nachdem ein Mitarbeiter eines Münchner Unternehmens über Kündigungen in Folge derCorona-Krise berichtet hatte, hat sich das Unternehmen selbst, der Fitnessgeräterhersteller EGYM, zu den Vorwürfen geäußert. Allerdings nicht als Reaktion auf die von unserer Redaktion erbetene Stellungnahme.

Grund dafür war die Bewertung eines anonymen Mitarbeiters auf der Arbeitgeber Bewertungsplattform „Kununu“, die das Unternehmen als „unmenschlich“ betitelt. In der Bewertung wirft der Mitarbeiter EGYM vor, dass die Corona-Pandemie ein „gefundenes Fressen für Massenentlassungen“ wäre, um „später günstige Mitarbeiter einzustellen“. Den Vorwürfen zufolge würde das Unternehmen weiterhin wie gewohnt Umsätze machen, nun aber trotzdem rund Prozent der Belegschaft kündigen. „Arbeiter mit Familien und Kindern wurden gekündigt, Menschen mit Kranken in der Familie und vieles mehr wurde ignoriert“, schreibt der Mitarbeiter weiter. Ob es sich dabei um denselben Mitarbeiter (siehe Erstmeldung) handelt oder einen anderen, ist nicht bekannt.

Das Münchner Unternehmen hat daraufhin auf die Anschuldigungen reagiert. „Wir respektieren dein Feedback und während solche Entscheidungen immer extrem schwierig zu treffen sind, so sind sie auch eine direkte Folge der beispiellosen Pandemie und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft“, schreibt eine Vertreterin. Mit der Entscheidungen wolle man die verbliebenen Arbeitsplätze sichern und sich auf den Kundenservice sowie „operative und technologische Exzellenz“ konzentrieren. Weiter bedankte sich die Vertreterin für einige wenige Aspekte wie den Zusammenhalt unter den Kollegen, die der Mitarbeiter immerhin mit drei von fünf Sternen ausgezeichnet hatte.

„Wie in einem amerikanischen Film“: Münchner Firma feuert Mitarbeiter während der Corona-Krise

Erstmeldung vom 2. April 2020:

München - Es sind schwere Zeiten für Wirtschaft, Gesellschaft und die Politik. Aufgrund der Corona-Pandemie muss sich jeder einschränken. In Bayern gelten die Ausgangsbeschränkungen* vorerst bis zum 19. April. Das diese Maßnahmen* vor allem Firmen stark belasten, ist offensichtlich. 

Viele müssen Kurzarbeit anmelden und Hilfen vom Staat beantragen. Kündigungen kommen oft erst einmal nicht in Frage. Ein Münchner* Start-up sieht das offensichtlich anders: Ohne Vorankündigung und ohne einen Versuch der Kurzarbeit entlässt das Unternehmen25 Prozent seiner Angestellten. Nach Angaben eines Mitarbeiters könnten das rund 100 Menschen sein. 

Corona-Krise: Start-up aus München entlässt Mitarbeiter - „Wie in einem amerikanischen Film“

„Es war wie in einem amerikanischen Film“, berichtet ein Mitarbeiter, der von den Kündigungen betroffen ist. Demnach soll der Fitnessgerätehersteller eGym seine Angestellten ohne wirkliche Vorwarnung gekündigt haben. Zum Schutz befanden sich diese schon im Home-Office. Per Mail bekamen sie dann eine Einladung zu einem Videocall. In diesem virtuellen Meeting verkündete die Geschäftsleitung am vergangenen Mittwoch die schockierende Nachricht.

Es seien keine Hilfen vom Staat zu erwarten, das Unternehmen* müsse sich auf anderem Wege retten - die Lage sei kritisch. Deshalb seien Kündigungen der einzige Ausweg, berichtet der Mitarbeiter von diesem Gespräch. Alle Betroffenen würden innerhalb der nächsten Stunde eine E-Mail zugesandt bekommen. Gesagt, getan. „Es ging alles sehr schnell. Ich war fassungslos“ beschreibt der Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte, das Geschehene. Das schlimme für ihn: Offenbar waren die Kündigungen ohne strengen Sozialplan. Auch langjährige Mitarbeiter und solche mit Familie wurden gekündigt. 

Kündigung während der Corona-Krise: „Es ging alles sehr schnell; ich war fassunglos“ 

Auch er hat eine Mail bekommen. Darin eine Einladung zu einem „Folgegespräch“ mit der Personalabteilung und dem Manager. Es sei ein kurzes Gespräch gewesen. Die sofortige Kündigung kam schnell. Die dreimonatige Kündigungsfrist könne er zu Hause verbringen - es sei nicht nötig, dass er noch für die Firma arbeite. „Mit sofortiger Wirkung bis zum 30. Juni freigestellt.“ Fünf Tage haben die Mitarbeiter Zeit, ihre Sachen abzugeben. 

Zum jetzigen Zeitpunkt steht eine Stellungnahme des Unternehmens noch aus. Der Mitarbeiter macht sich nun Sorgen um seine Lage. In dieser „mehr als schweren wirtschaftlichen Situation“ müsse er sich jetzt einen Job suchen - und weiter für Tochter und Frau sorgen. 

Die Ausgangsbeschränkung wurde verlängert und Restaurants, Einzelhändler und Dienstleister müssen weiter ihre Läden geschlossen halten. Nun sind viele in Zeiten der Corona-Krise kreativ geworden und bieten Abholung- oder Lieferservice an. Auf der interaktiven Landkarte* finden Sie alle Anbieter in Ihrer Region.

mak/nz

*merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerkes.   

„Corona-Treff“ in München: Ein Mann beobachtet seltsame Szenen, ruft die Polizei - und knöpft sich dann auch die Beamten vor. Der Handelsriese Galeria Karstadt Kaufhof hat zum Rettungsschirm gegriffen. Welche Folgen hätte ein Aus des Warenkonzerns für München? Ein Experte gibt Auskunft. Und welche Auswirkungen könnte das Coronavirus auf die Wiesn haben?

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen belasten die Menschen in München. Doch viele sorgen mit rührenden Aktionen für Hoffnung - so auch Lukas (9) aus Schwabing, der täglich seine Nachbarschaft begeistert.

Rubriklistenbild: © dpa/Zacharie Scheurer

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