Viele Bürger verunsichert

Mit Coronavirus infiziert: Patienten liegen in Münchner Klinikum - viele Bürger verunsichert

Der Coronavirus ist in der bayerischen Landeshauptstadt angekommen. Vier Fälle sind bekannt. Bei vielen Bürgern geht jetzt die Angst um.

  • In München geht die Angst wegen des Coronavirus um.
  • Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg liegt im Klinikum Schwabing.
  • Immer mehr Bewohner der Landeshauptstadt tragen einen Mundschutz.

München - Das Coronavirus breitet sich in Asien rasend schnell aus. Das wissen wir seit Tagen – aber das ist weit weg… Doch seit bekannt ist, dass der Krankheitserreger nun auch in München angekommen ist, geht die Angst um. 

Die Nachricht von Dienstagvormittag, dass sich ein 33-jähriger Mann aus Kaufering (Landkreis Landsberg) mit dem Coronavirus* angesteckt hat, hat sich in München wie ein Lauffeuer verbreitet. Am Dienstagabend wurde bekannt, dass sich noch drei weitere Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt sich im öffentlichen Leben. In Bussen, Trambahnen, U-Bahnen sowie bei großen Veranstaltungen sieht man vermehrt Passanten mit Mundschutz. „Hierher kommen Menschen aus der ganzen Welt. Deswegen trage ich eine Maske“, sagt etwa eine Besucherin der Sportmesse ISPO, die gerade in Riem stattfindet. In mehreren Apotheken in Bayern sind Schutzmasken bereits ausverkauft, das bestätigte ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes. „Wir haben jetzt schon die Hersteller selbst angefragt“, so Natalie Maciej von der Internationalen Ludwigs-Apotheke in der Neuhauser Straße.

Coronavirus: München im Alarmzustand - Viele Bürger verunsichert

Die Behörden sind in Alarmbereitschaft. Am Flughafen gibt es eine „Task Force Infektiologie“, die rund um die Uhr einsatzbereit ist. Das städtische Gesundheitsreferat versucht aber zu beruhigen. Man sei auf eine eventuelle Ausbreitung des Virus „gut vorbereitet“ und stehe mit den Behörden des Freistaats Bayern in einem „kontinuierlichen fachlichen Austausch“. Man habe die Kliniken in München, die niedergelassene Ärzteschaft und den Rettungszweckverband München über das Virus informiert und berate diese in Fachfragen.

Die Rettungsdienste sind vorbereitet. Andreas Zapf vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt, alle geplanten Dienstreisen nach China zu verschieben. 

Coronavirus in Bayern: So nehmen Besucher die mögliche Gefahr auf

Ich bin nur zu Besuch in München. Verwandte haben mich heute Morgen angerufen und gewarnt, dass ein Fall von Corona in München bestätigt wurde. Deshalb habe ich mir heute Morgen einen Mundschutz in der Apotheke gekauft. Da hatte ich wohl sogar Glück, dass die nicht ausverkauft waren. Ich habe Angst, mich anzustecken, und befürchte auch, dass ich die Krankheit mit in die Türkei einschleppen könnte.

Gökae D. (28), Touristin aus der Türkei

Das Coronavirus verbreitet sich ja aktuell vor allem in Regionen in China. Wir kommen zwar aus Taiwan, aber so weit weg ist das ja leider nicht! Wir gehen lieber auf Nummer sicher. Wir wollen einfach nicht riskieren, dass wir das Virus vielleicht mit in andere Länder bringen. Gerade, wenn so viele Menschen auf einem Haufen sind, sollte man aufpassen.

Aristo Chen (24) und Jay Chiu (20), Ingenieur und Student aus Taiwan

Wir tragen den Mundschutz nur, um uns vor der Kälte zu schützen. Wir kommen aus Taiwan, dort gibt es große Temperaturschwankungen. Wenn es kälter wird, dann ziehen wir eben einen Mundschutz an. Und heute ist es auch in München ziemlich kalt. Mit dem Mundschutz bleiben Nase und Wangen schön warm. Angst vor dem Virus haben wir eigentlich nicht.

Hank (6) mit seiner Mutter Kim Lien, Touristen aus Taiwan

Hier auf die ISPO-Sportmesse kommen Menschen aus der ganzen Welt. Auch aus Gebieten, in denen sich dieses gruselige neue Virus verbreitet. Da bin ich lieber etwas zu vorsichtig, selbst wenn das vielleicht etwas übertrieben wirken mag! Deswegen trage ich eine Maske. Um mich vor den Erregern zu schützen, die sich bei solchen Menschenansammlungen ja schnell mal verbreiten.

Selene Irving (45), Modedesignerin aus Kanada

Schamlos oder gewitzt? Eine Münchnerin macht sich im Netz über die Corona-Angst ihrer Mitmenschen lustig.

Coronavirus: Sorge an den Börsen Reise-Branche unter Druck 

Das Coronavirus verursacht gewaltige wirtschaftliche Verwerfungen. Die Lungenkrankheit wird von Marktbeobachtern vor allem als Risiko für die Luftfahrt- und Tourismusindustrie eingestuft. Im Aktienindex EuroStoxx 600 zählten die Lufthansa mit minus 2,7 Prozent oder Air France-KLM mit minus 2,4 Prozent zu den Verlierern. 

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, dem Spitzeninstitut der deutschen Sparkassen, sagte zur tz, dass die Börsianer „Konjunktureinbußen in noch nicht absehbarem Ausmaß“ fürchten: „In China kommt durch die Maßnahmen gegen das Virus das öffent­liche Leben und damit das Wirtschafts­leben in Teilen zum Erliegen. Und China ist neben den USA der größte Motor der Weltwirtschaft…“ Allerdings zeigten die Erfahrungen mit dem SARS-Virus 2003, dass es nur eine vorübergehende Kursschwäche geben dürfte, die nicht mehr als ein paar Wochen anhält. 

Das Coronavirus breitet sich auch in Bayern immer weiter aus. Münchner Ärzte kritisieren das Gesundheitsamt. Das Vorgehen sei „amateurhaft“.

Coronavirus: Rotes Kreuz - Sonder-Trupps stehen bereit 

Aufgrund der zunehmenden Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bereitet sich das Bayerische Rote Kreuz vor: Zwölf Schnelleinsatzgruppen stehen bereit. ­Diese Sondereinheiten seien auf die ­Behandlung, Betreuung und den fachgerechten Transport von beispielsweise hochinfektiösen Patienten spezialisiert. Bereits am Wochenende sind laut BRK standardisierte Prozeduren für den Ernstfall entwickelt worden, die allen Einsatzdiensten zur Verfügung stünden. „Im Vorgehen für die Einsatzkräfte ändert sich zunächst nichts“, sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Auf ­allen Rettungsfahrzeugen wird ohnehin Schutzausrüstung mitgeführt. 

Coronavirus: Hotlines der Krankenkassen - Die Experten am Telefon 

Angesichts der ersten bestätigten Corona-Virus-Fälle in Deutschland haben die Barmer-Krankenkasse und die ­DAK-Gesundheit kostenlose Telefon-Hotlines eingerichtet. Medizin-Experten geben Infos darüber, wer besonders ­gefährdet ist, wie man sich schützen und ­einen Verdachtsfall erkennen kann. Die Hotlines sind unter Telefon 0800/84 84 111 (Barmer) sowie 0800/11 11 841 (DAK) erreichbar. 

Coronavirus: Auswärtiges Amt - Reisewarnung für Wuhan 

Das Auswärtige Amt hat eine Reise­warnung für die chinesische Provinz ­Hubei ausgesprochen. Dort liegt die Stadt Wuhan, in der das Coronavirus zum ­ersten Mal aufgetreten ist. „Verschieben Sie nach Möglichkeit nicht notwendige Reisen nach China“, rät die Behörde. Wer dennoch fliegt, wird angehalten, sich in der Krisenvorsorgeliste der Behörde (www.auswaertiges-amt.de) registrieren zu lassen. Bei Reisen auf der Nordhalbkugel sollte man sich vorab gegen Influenza impfen lassen: „Das kann zur Vermeidung unnötiger Verdachtsfälle beitragen.“ Wer einen Flug nach China umbuchen will, kann seine Airline kontaktieren. Lufthansa ermöglicht zum Beispiel kostenlose Stornierung. Laut der Nachrichtenagentur AFP wird dieses Angebot ­bislang allerdings kaum genutzt.

Wie hoch ist die Coronavirus-Ansteckungsgefahr am Hauptbahnhof München, wo täglich Züge aus Italien angekommen? Für die Sicherheit dort ist die Bundespolizei zuständig.

Eine Kinderärztin aus München schlägt währenddessen Alarm - das Coronavirus könnte dazu führen, dass die Praxis bald schließen muss. Schuld sind allerdings nicht etwa eine hohe Anzahl an Infektionsfällen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

Ein Zug mit zwei deutschen Frauen, die Coronavirus-Symptome aufzeigten, wurde auf dem Weg von Italien nach München gestoppt.

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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