„Ging nur um die weißen Punkte“

Böses Erwachen auf der Freischankfläche: Strenge KVR-Vorgaben lassen Münchner Wirte zürnen

Wegen der andauernden Corona-Auflagen ist der Frust unter Münchens Wirten groß - heftig diskutiert werden vor allem die Freischankflächen.

  • Auch für die Wirte in München wurden die Corona-Auflagen gelockert.
  • Unter den Gastronomen herrscht unter anderem wegen der Bürokratie weiter Unmut.
  • Dem KVR liegen nun etwa 220 Anträge vor.
  • Mehr München-News erhalten Sie in unserer App*.

München - Für die arg gebeutelte Gastronomie schien die Freischankfläche ein Weg zur Verbesserung ihrer Situation. Der Stadtrat hatte in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, hier entgegenkommend zu sein und eine Erweiterung der Freischankflächen* schnell zu prüfen und zu genehmigen.

Bei den Gastronomen ist der Unmut* derweil groß. „Ich habe die Tische meines Cafes extra mit größerem Abstand aufgestellt und darauf geachtet, dass Fußgänger noch ausreichend Platz haben“, sagt Suzana Nadj, Inhaberin des Cafes Tante Emma in der Schwabinger Destouchesstraße. 

Das böse Erwachen kam schnell – Kontrolleure des KVR beanstandeten, dass die Tische außerhalb der weißen Markierungen standen, Nadj musste sie wieder anders hinstellen. „Niemand hat geschaut, ob wir ausreichend Desinfektionsmittel vorhalten oder die Masken* richtig getragen werden, es ging nur um die weißen Punkte“, ärgert sich Nadj.

Temporärer Sicherheitsmann Florian Stanescu an der Freischankfläche des „Tante Emma“. 

Corona-Krise in der Gastronomie München: Die Auflagen gelten weiterhin

Das Problem: Auch wenn die Politik ihr Entgegenkommen angekündigt hat, gelten die Begrenzungen* vorerst weiter. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle stellt klar: „Natürlich wollen wir hier ermöglichen, was vertretbar ist. Aber wir müssen auch das gesamte Miteinander im Blick haben.“ 

Deshalb will Böhle keinen Wildwuchs dulden. „Dazu gehört, dass Gehwege nicht in erster Linie für die Gastronomie gebaut wurden, sondern dass man auch noch mit einem Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl durchkommen muss. Ähnliches gilt für die Feuerwehr, Rettungswege und Einfahrten“, so der Kreisverwaltungsreferent.

Corona-Gastro-Krise in München: „Wir werden nicht jeden Stuhl diskutieren“

Gastronomen, die ihre Freischankflächen erweitern wollen, müssen dies zunächst beantragen. „Wir prüfen Anträge für neue oder erweiterte Freischankflächen – über die bekannten weißen Bodenmarkierungen hinaus – so schnell es möglich und verantwortbar ist. Aber wir werden nicht jeden einzelnen Tisch und Stuhl medial diskutieren.“

Stattdessen sollen die zuständigen Bezirksinspektionen mit den Wirten über jeden einzelnen Stuhl diskutieren. Und bei Anträgen auf Ausweitung der Freischankflächen will das KVR schneller reagieren als bisher. Das sei gelungen, findet Böhle. Die ersten Anträge seien an diesem Montag genehmigt worden, eine Woche nach Öffnung der Außengastronomie*. 

Freischankflächen-Ärger in Corona-Krise: KVR München liegen 220 Anträge vor

Bei dem bisher üblichen Verfahren hat es im Schnitt zwei Monate bis zu einer Entscheidung gedauert. Möglich wurde diese Beschleunigung dadurch, dass die Frist für Einwände anderer Fachdienststellen auf eine Woche verkürzt und das Entscheidungsrecht der Bezirksausschüsse zeitweise ausgesetzt wurde.

Bisher liegen dem KVR 220 Anträge auf Erweiterung oder Neuschaffung von Freischankflächen vor, wie die Behörde auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt. Davon betreffen 70 Anfragen die Umwandlung von Parkplätzen in Freischankflächen.

Um die finanzielle Not der Wirte zu lindern, will Böhle ihnen finanziell entgegenkommen. Bereits beschlossen: die Stadt zahlt den Wirten die Gebühren für die Zeit, in der keine Außengastronomie erlaubt war, zurück. Auch künftig sollen die Gebühren niedriger sein. Böhle: „Ich habe vor, dem Stadtrat im kommenden Kreisverwaltungsausschuss am 16. Juni eine Gebührenreduzierung von 75 Prozent vorzuschlagen, solange die Gastronomie Einschränkungen zum Infektionsschutz hinnehmen muss.“ 

*tz.de und Merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Ein Jugendtrainer des TSV Maccabi München wird bei einem Spaziergang übel antisemitisch beleidigt. IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch ist nicht nur aufgrund dieses Vorfalls sehr besorgt.

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sensations-Fund in München sorgt für Aufsehen: „Ergebnisse sind beeindruckend“
Sensations-Fund in München sorgt für Aufsehen: „Ergebnisse sind beeindruckend“
München: Jährlich bis zu 30 Sommertage mehr? Es wird immer heißer - DWD-Experte warnt: „wird sich in Zukunft noch verstärken“
München: Jährlich bis zu 30 Sommertage mehr? Es wird immer heißer - DWD-Experte warnt: „wird sich in Zukunft noch verstärken“
„Der schlimmste Virus ist ...“: Unbekannter verbessert Corona-Graffito - viele Münchner dürften ihm zustimmen
„Der schlimmste Virus ist ...“: Unbekannter verbessert Corona-Graffito - viele Münchner dürften ihm zustimmen
Widerliche Attacke auf Münchner Kinder? Giftmischerin hat wohl öfter zugeschlagen als gedacht
Widerliche Attacke auf Münchner Kinder? Giftmischerin hat wohl öfter zugeschlagen als gedacht

Kommentare