Ein Beschluss macht Hoffnung

Münchner Mediziner warnt vor Corona: „Dramatische Folgen, wenn wir uns nicht an dieses Gebot halten“

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Turbo-Stress in der Notaufnahme: Ärzte behandeln einen Corona-Patienten.

Ärzte und Pfleger sind in Corona-Zeiten besonders gefordert. Die Münchner Kliniken fühlen sich bestens gerüstet für die anstehenden Wochen. Auch wegen der besonderen Konkurrenzsituation.

  • Wegen des grassierenden Coronavirus* richtet sich der Blick besonders auf die Kliniken.
  • Ein neuer Beschluss des Bayerischen Gesundheitsministeriums erleichtert die Arbeit der Ärzte und Pfleger.
  • In München dürfte sich der große Konkurrenzkampf der Kliniken nun auszahlen.

München - In Münchens Kliniken laufen die Vorbereitungen für eine weitere Verschärfung der Corona-Krise auf Hochtouren. Planbare Operationen werden abgesagt, ganze Stationen für Patienten mit der Lungenerkrankung Covid-19 freigeräumt bzw. eigens eingerichtet. Gleichzeitig arbeiten die Krankenhausmanager fieberhaft daran, genügend Mitarbeiter für die Versorgung der Corona-Patienten aufzutreiben.

Das Bayerische Gesundheitsministerium lockerte am Montag die Quarantäneregel* für medizinisches Personal: „Für Beschäftigte, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben und keine Krankheitssymptome aufweisen, ist ein Ausschluss von der Arbeit nicht geboten“, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bayerische Krankenhausgesellschaft. Eine Entscheidung, die viele Münchner Chefärzte und Pflegedirektoren händeringend herbeigesehnt hatten.

Corona-Krise erwischt München: Klinik-Alarm: „Mitarbeiter fehlen an allen Ecken und Enden“

Der Hintergrund: Viele Pflegekräfte und Ärzte sind momentan außer Gefecht, weil sie beispielsweise in Österreich im Urlaub waren. Für sie alle galt bislang wie für alle Bürger, dass sie zwei Wochen zu Hause bleiben sollen. „Diese Mitarbeiter fehlen an allen Ecken und Enden“, berichtet der Chefkardiologe des Isarklinikums, Professor Dr. Alexander Leber.

Indes schießt die Zahl der bestätigten Corona-Fälle weiter in die Höhe. „Die exponentielle Zunahme der Fälle wird bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in Deutschland bis Ende dieser Woche führen“, prognostizierte die Deutsche Gesellschaft für Infektiogie am Montag.

Prof. Alexander Leber, Chefkardiologe des Isarklinikums.

Corona-Krise erwischt München: Immer wieder infizieren sich Ärzte mit Virus

Immer öfter sind auch Ärzte betroffen - beispielsweise im Deutschen Herzzentrum an der Lazarettstraße. Dort wurden zwei Mediziner positiv getestet. Alle Kontaktpersonen befinden sich Quarantäne. Auch unter Münchner Hausärzten gibt es mehrere bestätigte Infektionen.

„Umso wichtiger ist es, jetzt Menschenansammlungen unbedingt zu vermeiden“, betont Prof. Leber. „Wenn wir uns nicht an dieses oberste Gebot halten, kann das dramatische Folgen haben.“ Das kristallisiere sich beispielsweise an der besonders hohen Ansteckungsrate in den beiden Tiroler Skigebieten St. Anton am Arlberg und Ischgl im Paznauntal heraus. „Ich kenne alleine über ein Dutzend Skiurlauber persönlich, die sich dort mit dem Virus infiziert haben“, berichtete der Münchner Herz-Professor im tz-Gespräch.

Corona-Krise erwischt München: „Wir können selbst Schwerstkranken effektiv helfen“

Aber bei aller Sorge über eine weitere Verschärfung der Pandemie gibt es auch ermutigende Nachrichten - unter anderem aus aus dem Uniklinikum Großhadern, Deutschlands zweitgrößten Universitätskrankenhaus. „Gott sei Dank zeigen momentan in Deutschland noch nicht so viele Patienten lebensbedrohliche Symptome wie in Italien. Doch auch für solche Fälle sind wir hervorragend gewappnet. Wir haben mehr Beatmungsplätze und können zudem selbst Schwerstkranken effektiv helfen“, sagte der Chef der Herzchirurge, Professor Dr. Christian Hagl, unserer Zeitung.

So haben die Großhaderner Herzspezialisten zusammen mit der Klinik für Anästhesiologie bis zu 30 Mini-Herz-Lungen-Maschinen zur Verfügung. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn ein Patient infolge von Herz-Lungen-Versagen nicht mehr beatmet werden kann. „Diese Geräte versorgen das Blut mit Sauerstoff und transportieren CO2 aus dem Körper - ähnlich wie bei einer großen Herz-Lungen-Maschine während einer Herz-OP“, erklärt Prof. Hagl. „Bei diesen Mini-Herz-Lungen-Maschinen sind wir in Bayern mit am besten ausgestattet und haben ein hervorragendes Team von Kardiotechnikern, die für einen reibungslosen Betrieb sorgen können. Zudem haben wir noch genügend Schlauchsets auf Lager, die anderswo bereits knapp werden.“

Corona-Krise erwischt München: „Machen im wesentlichen nur noch Eingriffe zur Notfallversorgung“

Um die Behandlungskapazitäten für Corona-Patienten zu erhöhen, sind auch in Großhadern planbare Operationen stark eingeschränkt worden. Prof. Hagl: „Wir machen im Wesentlichen nur noch Eingriffe zur Notfallversorgung.“

In vielen Kliniken werden bereits eigene Stationen für Corona-Patienten vorbereitet. „In den Asklepios Fachkliniken in Gauting können wir bis zu 30 Patienten unterbringen und auch in Großhadern sind wir für eine Steigerung der Patientenzahl gewappnet“, sagte Professor Dr. Jürgen Behr, der in Personalunion als Chefarzt an beiden Häusern fungiert.

Prof. Christian Hagl, Chef der Herzchirurgie in Großhadern.

Corona-Krise erwischt München: Großer Konkurrenzkampf unter Kliniken könnte Stadt zugute kommen

Auch am Uniklinikum rechts der Isar, wo derzeit elf Corona-Patienten behandelt werden, werden gerade zusätzliche Kapazitäten geschaffen. „Wir können sie bei Bedarf schrittweise erhöhen“, sagte Sprecherin Eva Schuster.

Dass der Ballungsraum München besser gerüstet ist als viele andere Regionen, liegt auch am großen Konkurrenzkampf der Kliniken. „Die viel kritisierte Überkapazität der Krankenhausbetten kommt uns jetzt zugute“, erklärte ein Klinikmanager im tz-Hintergrundgespräch.

Ministerpräsident Markus Söder ruft für Bayern den Katastrophenfall aus. Kanzlerin Angela Merkel fordert derweil ganz Deutschland zu einer „Vollbremsung“ auf. Die Staatschefin richtet knallharte Forderungen an die Bevölkerung.

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Andreas Beez

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