Made in München

Diese Münchnerin macht Mode nach Baukastenprinzip

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Klare Linien bevorzugt Miriam Aimée Kubeng bei ihrer aktuellen Kollektion – quadratisch und bunt. 

Miriam Aimée Kubeng designt Stücke nach dem Baukastenprinzip – und verfolgt einen nachhaltigen Weg. Eine neue Folge unserer Serie „Made in München“. 

München - Kreativ und vielseitig wie Miriam Aimée Kubeng sind die Unholzer-Ateliers am Anfang der Feldmochinger Straße. Hier in Moosach, in der ehemaligen Lodenfabrik, hat die Modedesignerin ihr kleines Studio. Die 29-Jährige hat einen Bachelor of Arts, studierte romanische Sprachen, Literatur, Linguistik und Rechtswissenschaften. Ihre Leidenschaft aber ist Design. Deshalb entschied sich Kubeng nach der Uni für die Mode, gründete vor drei Jahren das Label Aimée Couture.

„Baukasten“ heißt ihre erste Kollektion. Bunte Quadrate sind ihr Steckenpferd, klare Muster- und Schnittführung ihr Markenzeichen. Die Farben können die Kundinnen individuell auswählen. Dazu gibt es farblich passende Rucksäcke in verschiedenen Materialien, knautschig in Baumwolle oder massiv mit Lastwagenplanen.

Wichtiges Ziel: Nachhaltigkeit

Neben dem individuellen Design hat sich Kubeng noch einem anderen Ziel verschrieben: Nachhaltigkeit. „Wer sein Modell nicht mehr möchte, kann es zurückgeben und schreddern lassen.“ In einer Schwabinger Werkstatt werden aus den Designerkleidern dann wieder Baumwollfetzen. Ein Teil neue Baumwolle kommt dazu und dann entsteht an der Spinnmaschine ein neuer Stoff, der mit Industriefarben wieder bunt wird. „Der gesamte Produktionsprozess findet in München statt, wo im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auch die Wasserklärung sehr gut funktioniert“, erklärt die 29-Jährige. Voraussetzung ist allerdings Stoffreinheit: 100 Prozent Baumwolle ohne Polyester, Nylon oder andere Materialien. Für ihre Art des Recyclings hat Miriam Aimée Kubeng immerhin schon eine Auszeichnung für Jungunternehmerin eingeheimst.

Die Kleider gibt‘s über den Blog

Ihre Baukastenkleider kann man derzeit nur über den Blog www.aimeecoutures.tumblr.com beziehen. Je nach Material kosten sie zwischen 180 und 230 Euro. Es gibt sie in den Konfektionsgrößen 34 bis 44. Leben kann die Münchnerin davon zwar noch nicht, aber sie verfolgt unaufgeregt ihren Plan: Aktuell arbeitet sie als Vollzeit-Angestellte bei COS in München. Bei dem schwedischen Damen-Label kümmert sie sich ums Kundenservice-Management. „Das ist die andere Seite und ebenfalls sehr spannend“, findet Kubeng. „Dort erlebe ich, was die Kundinnen brauchen und welche Modelle besonders gefragt sind.“ Und: Die Arbeit gibt ihr finanzielle Sicherheit sowie Freiraum für ihre Projekte.

In den Unholzer-Ateliers findet sie ein großartiges Umfeld. „Das Atelier hat mich durch die Gemeinschaft mit den anderen rund einhundert Kreativen ungemein weitergebracht“, sagt Kubeng. Neben ihr haben andere Schneider, Tonstudios, Fotografen und Videokünstler kleine, offene Räume. „Jeder kann den anderen beim Arbeiten sehen oder einfach seine Werke und Arbeitsmittel anschauen.“ Und bezahlbar sind die Räume auch. So wird gerade ein 115 Quadratmeter großer Raum im Souterrain angeboten – für 780 Euro warm.

Eine Hommage an die Großmutter

Kubeng hat aktuell ein Fotoprojekt gestartet – eine Hommage an ihre verstorbene Großmutter. Diese war Kostümbildnerin und hat die Enkelin stark beeinflusst. „Mode verbindet mich mit meiner Familie“, sagt die 29-Jährige. Mitte Oktober soll die Ausstellung in der Galerie Weltraum, Rumfordstraße 26, zu sehen sein. „Ich hab die Kleider meiner Oma mit Models an historischen Münchner Plätzen neu in Szene gesetzt, zum Beispiel im Alten Botanischen Garten.“ Einzelstücke aus den zugeknöpften 60er-Jahren in einer frischen Ansicht. Die alten Stücke kann Kubeng auch selbst tragen. „Meine Oma hatte in jungen Jahren exakt die gleiche Kleider- und Schuhgröße.“

Wie ihr Weg weitergeht? „Ich kann mir gut vorstellen, mit dem Baukastendesign weiterzumachen und auch Bettwäsche oder Möbel zu gestalten“, sagt Kubeng. Ihr Traum: eine eigene Boutique – womöglich in Frankreich. Doch zuvor könnte ein Umzug in München anstehen. Wenn die Unholzer-Ateliers einer neuen Immobilie Platz machen müssen, muss sich Kubeng etwas Neues suchen.

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