Hört der Vandalismus nun auf?

Bekannte Wirtschaft am Marienplatz führt Biesel-Maut für Touristen ein

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Im Keller des Donisl erklärt Nico Federle den Münzautomaten.

Ein stilles Örtchen war der Donisl ja noch nie: Täglich strömen Hunderte Gäste und Touristen in das beliebte Wirtshaus im Herzen von München. Doch nun sorgt eine Neuerung für Staunen.

München - Viele Besucher der Gaststätte Donisl wundern sich derzeit: Denn nach Brezn und Bier ist der Zugang zur Toi­lette plötzlich durch ein Drehkreuz versperrt – ähnlich wie an Tankstellen und Autobahn-Raststätten. Bieseln beim Donisl: Das läuft jetzt anders. Touristen müssen einen Euro bezahlen, um die sanitäre Anlage im Keller nutzen zu dürfen. Im Gegenzug erhalten sie einen Wertgutschein über 50 Cent, den man im Restaurant einlösen kann. Gäste hingegen dürfen weiterhin kostenlos aufs Klo. Sie müssen sich aber eine Goldmünze vom Personal besorgen, die man am Drehkreuz einwirft. Damit ist der Eintritt frei.

„Wir testen diese Maßnahme seit dem 6. Dezember“, sagt Alexandra Maierhofer, Marketingleiterin beim Donisl. Die Gäste – das ist ihr wichtig – werden mit Aushängen und Stickern über die neue Biesl-Maut informiert: „Demnächst steht der Hinweis dann auch in der Speisekarte.“ Ein halbes Jahr lang soll das Drehkreuz vor der Toilette mindestens bleiben.

Bieseln beim Donisl: Das läuft jetzt anders.

Der Hintergrund: „Wir hatten in der Vergangenheit täglich Hunderte Toiletten-Touristen bei uns“, sagt Nico Federle, stellvertretender Betriebsleiter. „Leider ist es dabei auch zu Vandalismus gekommen.“ Mehrere tausend Euro habe der Schaden betragen – deshalb das Drehkreuz. „Es ist auch als Service für unsere Gäste zu sehen“, sagt Federle. Denn die Einnahmen der Toilettengänge will man beim Donisl vor allem in die Sauberkeit der WCs investieren.

Das eigentliche Problem: Am Marienplatz gibt es kaum öffentliche Toiletten

„Während Demonstrationen, Konzerten oder vor Fußballspielen war die Situation oft sehr unübersichtlich“, sagt Federle. Denn am Marienplatz gibt es kaum öffentliche Toiletten – und vor allem fast keine kostenlosen. Die Folge: Viele gingen zum Bieseln in den Donisl. „Die Kosten für Wasser, Seife und Papier haben natürlich wir selbst getragen“, sagt Federle. Dass man Geld für sein Geschäft bezahlen muss: in München längst normal. Am Marienplatz verlangen etwa auch der Ratskeller und das Rathaus Gebühren, im Sperrengeschoss der S-Bahn und bei Rischart kostet es ebenfalls. Eine Ausnahme bildet das Café Wildmosers. „Wir sind ja im Prinzip schon eine öffentliche Toilette“, sagt Inhaber Karl-Heinz Wildmoser und lacht. Kein Drehkreuz, kein Münzeinwurf. Nur ein Schild, auf dem um Trinkgeld gebeten wird. „Das funktioniert gut“, sagt er. „Die meisten Menschen geben 50 Cent bis einen Euro.“

Ingeborg Staudenmeyer vom Seniorenbeirat kämpft derweil schon seit 15 Jahren um mehr öffentliche Toiletten. „Wir Senioren brauchen sie oft dringender als junge Menschen. Das sollte auf jeden Fall kostenlos sein.“ Dass der Donisl nun Geld verlangt, versteht sie aber: „Es kann ja nicht sein, dass in ein Wirtshaus am Marienplatz täglich 1500 Leute zur Toilette gehen müssen, weil sich die Stadt nicht um mehr WCs kümmert.“ 

Mehr dazu: Der Donisl am Marienplatz ist eines der bekanntesten Gasthäuser Münchens. Doch kürzlich wurde erst am Konzept geschraubt – und mehr Schwung gebracht.

Ein kurioses und auch sperriges Dekorationsstück hatten Touristen 2017 aus dem Donisl nahe dem Marienplatz geklaut. Dort hätte man das gute Stück gerne zurück.

Andreas Thieme, Kathrin Braun

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