Nach Drama von Unterföhring

Worte der Reue, die keiner will: Angeklagter entschuldigt sich

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Ob Alexander B. dauerhaft in die Psychiatrie muss, entscheidet das Gericht am 23. April.

Alexander B. (38) nahm einem Polizisten die Pistole ab und schoss dessen Kollegin in den Kopf. Seitdem liegt sie im Wachkoma. Vor Gericht entschuldigt sich der Täter.

Er fleht um Vergebung – aber er kann die Wunden nicht mehr heilen. „Ich möchte mich entschuldigen, was Ihnen und Ihrer Kollegin passiert ist“, sagt Alexander B. zu Hans-Jürgen I. (31). Ihm hatte er im Juni 2017 die Dienstwaffe entrissen und Polizistin Jessica Lohse (27) in den Kopf geschossen. Seither ist sie ein Pflegefall. B. steht wegen Mordversuchs vor Gericht. „Die Entschuldigung wird nicht angenommen“, sagte Hans-Jürgen I. in ruhigem Ton. Mit seinem Hemd hatte er die blutende Wunde seiner Kollegin gestillt und wirkt bis heute belastet. „Jessi, Jessi, bleib hier“, hatte er ihr am Bahnsteig in Unterföhring immer wieder zugeflüstert.

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Polizist: „Es war wie im Film, die Situation kam mir ewig vor“

Rund eine Stunde lang sagte der Polizist aus – und musste den Schrecken noch mal durchleben. Mit Jessica Lohse war er am 13. Juni zum Einsatz gerufen worden, weil Alexander B. einen Fahrgast attackierte. Hans-Jürgen I. nahm die Personalien auf. „Wie aus dem Nichts wurde ich umgestoßen, fiel auf die Bahnsteigkante und sah schon die Lichter des Zuges.“ Ein Gerangel mit Alexander B. entsteht, der ihm die Pistole entreißt. Laut Zeugen „ein ganz gezielter Griff“. Der Polizist: „Ich verstand gar nicht, wie das passieren konnte. Jessi rief nur noch: ‚Der hat deine Waffe.‘“ Und weiter: „Mir war klar, wenn ich jetzt an ihm dranbleibe, schießt meine Kollegin nicht. Es war wie im Film, die Situation kam mir ewig vor. Ich wusste, jetzt muss ich mich lösen – und habe mich hinter dem Fahrstuhl abgeduckt.“

Mihail C. wurde von einem Querschläger getroffen.

Der Täter verfolgt ihn. Mehrere Schüsse fallen. Doch Hans-Jürgen I. hat Glück, wird nicht getroffen. Im Gegensatz zu Jessica Lohse. „Ich rannte zu ihr, aber hatte kein Verbandszeug. Die Mittel, ihr zu helfen, waren sehr eingeschränkt. Ich fühlte mich hilflos.“ Minuten später trifft der Notarzt ein und muss auch Mihail C. (31) versorgen, dem ein Querschläger in den linken Arm schoss.

Während Lohse im Wachkoma liegt, kehrte Hans-Jürgen I. nach sechs Wochen in den Dienst zurück: „Meine Kollegen stehen voll hinter mir.“ Ob Alexander B. dauerhaft in die Psychiatrie muss, entscheidet das Gericht am 23. April.

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Andreas Thieme

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