Klartext von den Beamten

E-Scooter in München: Die unerfreuliche Bilanz der Polizei

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E-Tretroller im Visier der Polizei.

E-Scooter in München: Die Elektroroller erobern die Stadt. Allerdings halten sich viele Fahrer nicht an die Promille-Grenze. Das hat auch ein Kontrolltag mehr als deutlich gezeigt. 

Update vom 9. August, 14.50 Uhr: Ein großangelegter Aktionstag am Donnerstag hat gezeigt: Bei E-Scootern wissen die meisten Nutzer noch nicht, dass es sich bei den Modellen von Tier und Co. laut Gesetz um Kraftfahrzeuge handelt. Dementsprechend gelten auch hier nicht nur die Regeln der Straßenverkehrsordnung, sondern auch die Promillegrenzen. Insgesamt wurden am Donnerstag 123 E-Scooter von der Polizei kontrolliert. Die ernüchternde Bilanz: Fahrer nutzen reihenweise ihr Handy, fuhren nicht auf dem Radweg und missachteten rote Ampeln. Insgesamt gab es mehr als zwei Dutzend Verstöße. 

Und wie uns die Polizei auf Anfrage berichtet: das kann richtig teuer werden. So kostet das Überfahren einer roten Ampel mit einem E-Scooter zwischen 60 und 180 Euro.  

Ursprüngliche Meldung vom 5. August: E-Scooter halten Münchner Polizei in Atem - „Schon heftig!“

München - Elektroroller halten die Münchner Polizei in Atem. Wie sehr, das erklärt Sprecher Werner Kraus im tz-Interview:

Herr Kraus, wie viele Unfälle hat die Polizei registriert?

Werner Kraus: Wir haben 22 Unfälle mit neun Leicht- und drei Schwerverletzten. Zwei Unfälle waren unter Alkoholeinfluss, einer unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Aber uns wurden sicher nicht alle Unfälle angezeigt.

Wie viele Fahrer hatten zu viel Alkohol?

Kraus: Es gab bis heute in der Früh 418 Anzeigen wegen Alkohol. Es hat sich anscheinend noch nicht rumgesprochen, dass die selben Grenzwerte gelten wie beim Auto. Ab 0,5 Promille ist man im Bereich einer Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille ist es eine Straftat. Wir hatten bisher 251 Ordnungswidrigkeiten und 167 Straftaten. Das ist schon heftig!

Was kann man zum Alter der Unfallfahrer sagen?

Kraus: Das haben wir bisher noch nicht im Einzelnen ausgewertet. Die Roller gibt es ja erst seit 15. Juni.

E-Scooter in München: Polizei geschockt - 418 Anzeigen wegen Alkohol 

Fehlt es an Aufklärung?

Kraus: Definitiv. Beim Pkw ist sich jeder bewusst, dass man nicht alkoholisiert fahren darf. Beim E-Roller scheint es noch nicht in den Köpfen zu sein. Die stehen so rum – und viele haben wohl nicht das Gefühl, sich aktiv am Straßenverkehr zu beteiligen.

Wie gefährlich schätzen Sie die E-Scooter ein?

Kraus: Das ist schwierig zu sagen. Aber unsere Erfahrung ist schon, dass viele sich schwer tun, damit umzugehen. Das Fahrgefühl fehlt.

Müssten die Roller-Verleiher mehr aufklären?

Kraus: Ich appelliere vor allem an die Fahrer. Wenn ich so ein Gefährt benutze, muss ich schon wissen: Wie geht das, was muss ich beachten? Natürlich wäre es von Vorteil, wenn die Anbieter noch mehr aufklären, aber letztlich ist es die Selbstverantwortung des Nutzers.

Video: Nicht erlaubt und sehr sehr gefährlich:

München und die E-Scooter: Wie soll das beim Oktoberfest werden?

Ist die derzeitige Gesetzeslage ausreichend?

Kraus: Die relevanten Dinge sind geregelt. Die Aufklärung ist unser oberstes Anliegen.

Wie soll das beim Oktoberfest werden?

Kraus: Da sind wir mit der Stadt München im Gespräch. Unser Wunsch ist natürlich, dass die Gefahren so gering wie möglich gehalten werden. Wenn viele Leute unterwegs sind, und das angetrunken, ist es schon gefährlich, wenn sich Leute auf E-Scootern durchschlängeln. 

Interview: wh

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