Auszeichnung in München

Ehrenmedaille für Zivilcourage: So sehen Helden aus

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Legte einem dreisten Dieb das Handwerk: Georg Weinhart (M.)

Sie haben dem Begriff Zivilcourage ein Gesicht gegeben und anderen Menschen unter Einsatz ihres Lebens geholfen. Gestern hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann 33 Bürgern aus ganz Bayern die Ehrenmedaille für Zivilcourage verliehen.

Im zehnten Jahr in Folge sei es für ihn schon eine „liebgewonnene Tradition geworden, couragierte Bürgerinnen und Bürger mit der Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit auszuzeichnen“, verkündete Herrmann bei der Laudation in der lichtdurchfluteten Säulenhalle des Odeons anerkennend.

Einer der 33 Helden, denen Herrmann am Montag seinen „größten Respekt“ entgegenbrachte, ist der Münchner Georg Weinhart, der einem dreisten Dieb das Handwerk gelegt hat: Zwölf Mal hatte ein bis dahin unbekannter Täter den Opferstock in der Kirche St. Benno in der Maxvorstadt ausgeräumt. Beim 13. Mal schnappte sich Weinhart den Frevler. „Wir haben eine Kamera installiert, im Prinzip wusste ich genau, auf wen ich warten musste“, erzählt der Mesner. Also verständigte der 65-Jährige die Polizei, legte sich auf die Lauer und wartete, bis der Dieb tatsächlich kam. Als der Mann mit seinem Mountainbike flüchten wollte, schwang sich Weinhart ebenfalls auf sein Radl und düste los. „Ich hab den Kerl einmal um die halbe Stadt gejagt“, erinnert er sich. Immer mit dabei: die Polizei. Per Funk hatte Weinhart den Beamten minütlich seinen Standort durchgegeben. Bei so viel Mut hatte der Täter keine Chance.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann würdigte außerdem die ungeheure Hartnäckigkeit des Mesners, mithilfe derer die Polizei schließlich eine ganze Diebstahlserie aufklären konnte.

„Wie in einem Krimi“

„Wie in einem Krimi“ hat sich Renate Thalhammer-Herrmann gefühlt. Die Bankdirektorin hatte im August 2016 einen Betrug aufgedeckt – und musste daraufhin für die Polizei den Lockvogel spielen. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie sich ein mir unbekannter Mann als Sohn eines Kunden ausgegeben hat“, erzählt sie.

Renate Thalhammer-Herrmann deckte einen Betrug auf.

Mithilfe der angeblichen Sterbeurkunde seines Vaters wollte der Schurke einen siebenstelligen Betrag abheben. Weil der Bankdirektorin die Sache „irgendwie komisch vorkam“, fing sie an zu recherchieren und stellte fest: „Die Dokumente waren gefälscht.“ Wie aber sollte sie dem vermeintlichen Erben einen Betrug nachweisen? In Absprache mit der Polizei verwickelte Thalhammer-Herrmann den Täter in ein beweiskräftiges Gespräch und ermöglichte dadurch seine Festnahme.

Was sich nur wenige Monate zuvor an der S-Bahn-Station Heimeranplatz ereignet hatte, ist der Alptraum einer jeden Frau – auf dem Nachhauseweg vom Frühlingsfest war eine junge Frau von einem Unbekannten sexuell belästigt worden. Sleman Mohammed beobachtete, wie die Frau vor ihrem Peiniger davonlief und dabei laut um Hilfe schrie.

Sleman Mohamme rettete eine Frau vor ihrem Peiniger.

Ohne zu zögern, eilte ihr der Münchner entgegen und schlug den Täter in die Flucht. „In solchen Momenten überlegt man nicht – da handelt man einfach“, erzählt der 23-jährige Familienpapa stolz.

Unheimlich stolz auf sich ist auch Peter Ilgner. Der 59-jährige Münchner hat seine Zivilcourage im Mai 2016 gleich zweimal an einem Tag unter Beweis gestellt: Zuerst hatte der Hausmeister seinen Kollegen „durch beruhigende Worte“ davon abgehalten, einen anderen Mann mithilfe einer Schere zu verletzen.

Peter Ilgner gibt zu: „Natürlich hatte ich Angst“

Als der Wildgewordene später noch einmal versucht hatte, seinem Gegenüber ein Messer in den Oberschenkel zu rammen, ging der Münchner unter Einsatz seines Lebens dazwischen. „Natürlich hatte ich Angst“, gibt Ilgner zu, „trotzdem würde ich jederzeit wieder so handeln.“ Die „Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit“ soll nun einen Ehrenplatz in Ilgners Wohnzimmer bekommen.

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