Eon-Tochter „E wie einfach“: Mitarbeiter ergaunert Kundendaten

München - Ein ehemaliger Werkstudent der Eon-Tochter „E wie einfach“ wollte den Konzern zusammen mit drei Komplizen mittels sensibler Kundendaten erpressen. Jetzt mussten sie sich vor Gericht verantworten.

Es war so einfach gewesen. Als Werkstudent bei der Eon-Tochter „E wie einfach“ hatte Simon B. (30) Zugriff auf sensible Daten der Kunden: Name, Anschrift, E-Mailadresse, Telefonnummer, Geburtsdatum und teilweise sogar die Bankverbindung. Der heutige Projekt-Manager aus Köln kopierte die 600 000 bis 700 000 Kundendaten auf ein USB-Stick. Zusammen mit drei Komplizen wollte er damit den Energiekonzern um 750 000 Euro erpressen. Jetzt sitzt das Quartett auf der Anklagebank des Landgerichts.

In der Münchner Konzernzentrale arbeitete auch Diplom-Kaufmann Andreas N. als freier Mitarbeiter, der mit Simon B. öfter beim Bier zusammen saß. Beide heckten dabei die Erpresser-Pläne aus. „Es war reine Abenteuerlust“, so Andreas N. vor Gericht. „Wenn es funktioniert ist es schön, wenn nicht, ist ja nicht viel verloren.“ Für Simon B. war das Geld da schon wichtiger: „Nach dem Studium habe ich viele Bewerbungen losgeschickt. Es kam eine Absage nach der anderen. Ich war finanziell in einer prekären Situation.“

Andreas N. weihte den Event-Manager David M. (34) und den Marketing-Kaufmann Christian B. (33) aus Berlin in die Pläne ein. Die beiden hatten Zugriff auf das Konto des ahnungslosen Alexander L., auf das das erpresste Geld überwiesen werden sollte.

Von einem Anonymisierungsdienst getarnt schickte Simon B. von Internetcafés aus die Erpresser-Mails an „E wie einfach“: „Wir sind international agierende Experten, die sich auf das Auffinden von datenbezogenen Sicherheitslücken großer, börsenorientierter Unternehmen spezialisiert haben.“ Als Beweis schickte er Auszüge der geklauten Dateien und drohte: „Wir gehen davon aus, dass Sie kein Interesse daran haben, dass Informationen über die gravierenden Sicherheitslücken an die Öffentlichkeit bzw. die Daten an die Konkurrenten geraten. Der Skandal und der Imageverlust für ,E wie einfach‘ und dem zufolge auch für Eon wären in einem solche Fall kaum zu beziffern…“

Doch der Konzern hielt die Erpresser immer wieder hin, obwohl die Täter ständig neue Drohungen nachsetzten und schließlich sogar 800 000 Euro forderten. Am 22. März war Schluss: Verhaftung! Die Angeklagten, die sich wieder auf freiem Fuß befinden, geben alles zu. Nur den Daten-Diebstahl bestreitet Simon B.: „Ich habe den USB-Stick aus Versehen mit nach Hause genommen.“ Warum gab er den Datenträger nicht zurück? Simon B. weicht aus: „Eine gute Frage…“ Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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