Lajos Sarkany ist Administrator

Facebook-Gruppe „München verschenkt“ rettet gut erhaltene Dinge vor dem Müll

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In Lajos Sarkanys Facebook-Gruppe „München verschenkt“ passiert etwas Seltenes: Hier gibt es tatsächlich Dinge umsonst.

Manches in unserer Wohnung erscheint uns wertlos, überflüssig oder gefällt uns nicht mehr. Raus damit, aber bitte nicht auf den Müll, sagt Lajos Sarkany. Er rettet gut erhaltene Dinge. Mehr als 20.000 Menschen gehören seiner Facebook-Gruppe „München verschenkt“ an.

Hinter den Türen der Facebook-Gruppen ist ein spannender Mikrokosmos entstanden, der die Menschen dieser Stadt auf einem digitalen Marktplatz zusammenbringt. Merkur.de und tz.de werden Ihnen in den kommenden Wochen einige Gründer und Administratoren dieser Gruppen vorstellen. 

In Lajos Sarkanys Facebook-Gruppe passiert etwas Seltenes: Hier gibt es tatsächlich Dinge umsonst. Statt dass die Münchner ihre Möbel, Gardinen, Kühlschränke oder Teller bei Ebay-Kleinanzeigen verkaufen, verschenken sie hier ihr Zeug. Es gibt immer jemanden, der etwas gebrauchen kann, das andere nicht mehr haben wollen, ist Lajos Sarkany überzeugt.

„Hallo zusammen, ich verschenke Aktenordner. Abholung in Moosach“, schreibt Alicia in der Facebook-Gruppe „München verschenkt“.

„VERSCHENKE einwandfreie und funktionsfähige Nintendo DS inkl. Zubehör und drei Spielen an einen lieben Menschen“, bietet Mishelle aus Taufkirchen an.

„Wer ist spontan?“, schreibt Alina und postet ein Foto von zwei Karten für den Rennrodel-Weltcup am 6. Januar.

„Braucht jemand ein Katzenklo (neu, nie benutzt) und einen Kratzbaum (benutzt)?“, fragt Andrea.

In Sarkanys Facebook-Gruppe dürfen auch Suchende schreiben, was ihnen fehlt.

„Hallo Leute, ich suche Pfannen, Besteck und Geschirr. Vielen Dank!“, schreibt Jessica.

Sarkany ist Administrator und Gründer der Facebook-Gruppe „München verschenkt“. Mehr als 20.000 Mitglieder bieten Dinge an oder suchen nach ihnen. An ein bestimmtes Posting erinnert sich Sarkany gerne zurück: Eine Berlinerin fragte neulich, ob jemand zufällig seinen Spiegelschrank aussortieren und ihrer Oma in München schenken würde. Es hat geklappt! 

Und Sarkany erzählt von einer zweiten Geschichte, an die er immer denken muss: „Eine Frau aus Wolfratshausen trat der Gruppe bei, weil sie viele Dinge abgeben wollte, die für sie nach ihrer Chemotherapie nutzlos waren. Und weil es für die Frau umständlich gewesen wäre, für jeden einzelnen Gegenstand in eine andere Straße in München zu fahren. und weil viele der Nutzer meinten, sie wollten nicht nach Wolfratshausen fahren, gründete die Frau damals eine eigene Facebook-Gruppe: Wolfratshausen verschenkt.“

„München verschenkt“ ist Lajos Sarkanys Hobby, eigentlich ist er Lagerist.

In einer Gruppe, der mehr als 20.000 Menschen angehören, verläuft nicht alles astrein. Es sei nicht auszuschließen, dass Menschen ein Geschenk annehmen, nur um es weiterzuverkaufen. „Ich mache mir deswegen aber keine großen Sorgen“, sagt Sarkany. „Wenn es einmalig ist, kriegen wir das nicht mit, das ist klar. Aber jemand, der ständig nach etwas Bestimmtem sucht, fällt auf.“ Ungefähr einmal in der Woche melden Mitglieder dem Admin, dass ihnen ein Posting oder Kommentar verräterisch vorkommt. Das und die Probleme mit Werbung kosten Zeit, sagt Sarkany. Doch Facebook habe die Funktionen für Gruppen-Admins in den vergangenen Monaten „sehr gut“ verbessert, lobt der 59-Jährige. Zum Beispiel müsse er als Admin sehr viel weniger Spam löschen. 

Einmal habe eine Organisation versucht, Geschenke zu sammeln, das habe ihn und andere Mitglieder geärgert. Die Organisation habe ihn nach dem Rausschmiss beleidigt und beschimpft. „Die Gruppe ist für Privatleute gedacht und auch nicht ausschließlich für Bedürftige, sondern für jeden, der etwas sucht“, stellt Sarkany klar.

Gruppen-Admin Sarkany: „Schon als Kind konnte ich nichts gut wegschmeißen“

„München verschenkt“ ist sein Hobby, eigentlich ist der Mann mit der schwarzen Brille und dem grauen Bart Lagerist. „Schon als Kind konnte ich nichts gut wegschmeißen, selbst dann nicht, wenn die Dinge nicht mehr richtig funktionierten“, erzählt er. Er besaß zum Beispiel 28 Jahre lang denselben Fernseher. Erst 2008 tauschte er ihn gegen einen Flachbildfernseher aus. „Sie werden es nicht glauben, aber ich musste erst beide Fernseher stapeln, sie gleichzeitig einschalten und mich davon überzeugen, dass das Bild des alten TVs wirklich so viel schlechter war.“ Mit Tränen in den Augen habe er seinen alten Apparat nach 28 Jahren aus dem Zimmer getragen. Dass Sarkany die Facebook-Gruppe „München verschenkt“ gegründet hat, verwundert deshalb kein bisschen.

Sie leiten eine Facebook-Gruppe? Werden Sie Mitglied unserer nützlichen Admin-Gruppe

Hier gelangen Sie zur Facebook-Gruppe „München verschenkt“. Merkur.de und tz.de haben für Gruppen-Administratoren in München und Umgebung eine Gruppe gegründet. Darin tauschen sich die Mitglieder über ihre Erfahrungen aus, teilen Ideen und unterstützen sich – denn Tipps sind wertvoll. Haben auch Sie eine Facebook-Gruppe in München und Umgebung? Dann werden Sie jetzt Mitglied.

Lesen Sie hier Portraits der Facebook-Gruppe „Pokémon Go München“„Mamis München“, „Verkaufe/Suche München & Umgebung“ und „Ausflugs-Tipps für/mit Kindern in und um München drum rum“.  

Merkur.de und tz.de haben Gruppen für S-Bahn-Pendler gegründet

Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein.

Nutzen Sie die Gruppe Ihrer S-Bahn-Linie auch, um sich und andere darüber zu informieren, bis wann ungefähr mit Zug-Ausfällen und -Verspätungen zu rechnen ist. Hier gelangen Sie zur Liste aller S-Bahn-Gruppen auf Facebook

sah

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