Sie gehören zu keinem Orden

Falsche Bettelmönche in München! So sollten Sie reagieren

+
In München gibt es immer mehr Rechtsverstöße von sogenannten Bettelmönchen.

Sie tragen weite Kutten, haben Gebetsketten und verteilen Amulette: sogenannte Bettelmönche. Sie sorgen für Ärger und bringen echte Ordens-Mitglieder in Verruf. 

München - In München tauchen immer mehr falsche Bettelmönche auf. Und damit hat die Polizei jede Menge Arbeit: Bis Anfang Juni dieses Jahres verzeichnete die Polizei in München 63 Ordnungswidrigkeiten, bei denen es um falsche Bettelmönche ging. Das sei ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum letzten Jahr, sagt Polizeisprecher Michael Riehlein. Er geht für dieses Jahr von einem weiteren Anstieg aus. 

Die Männer, die sich als Anhänger buddhistischer oder hinduistischer Orden aus Asien ausgeben, streifen durch die Innenstadt. Sie bitten die Menschen um Almosen für ihr Kloster, das es in Wahrheit gar nicht gibt. 

Sie diskreditieren echte Mönche

Damit bringen sie echte Mönche in Verruf, denn in Teilen Asiens ist es eine gängige Lebensform der Mönche, arm zu leben und auf Spenden zu hoffen. Das Essentielle dieser Bettelorden in Asien erklärt Robert Zydenbos, Professor am Institut für Indologie und Tibetologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Bettelmönche betteln, weil sie möglichst viel auf Weltliches verzichten.“ Am deutlichsten machten das Mönche des Digambara-Jainismus, einer antiken asketischen Minderheitsreligion. 

Dass in München asiatische Bettelmönche auftauchen, „sollte an sich schon als suspekt gesehen werden“, sagt der Experte. Es sei nicht so gemeint, dass man die ganze Welt bettelnd touristisch bereise und auf Münchner Straßen herumwandere. Wer in München Bettelmönche entdeckt, kann also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese nichts mit echten Bettelorden zu tun haben. 

Gekleidet sind die falschen Mönche in München mit hellbraunen weiten Gewändern, haben meist eine Gebetskette in der einen und billige Amulette in der anderen Hand. Ihr Ziel: Geld unter einem Vorwand erbetteln. Dazu können sie auch zu offensiven Mitteln greifen und gezielt auf Menschen in Fußgängerzonen oder Bürgersteigen zugehen. Erlaubt ist das nicht. Wer ihnen Geld gibt, bekommt als Gegenleistung eine kleine Kette mit Holzperlen oder silberne oder goldene Plaketten.

Solche Plaketten verteilen die falschen Mönche in München und wollen dafür Geld haben. 

2016 habe es im gesamten Jahr noch „nur“ 41 Rechtsverstöße von Bettelmönchen gegeben. Meistens ist der Grund dafür offensives Betteln, das in München verboten ist. Eine Gefahr gehe von den falschen Ordensmännern laut Polizei nicht aus. Und: Alle bisher kontrollierten Mönche stammen aus der Provinz Zhejiang im Osten Chinas und sprechen nur wenig Englisch.

Sie wollen Mitleid, um an Geld zu kommen

Die Polizei hat seit Monaten verstärkt ein Auge auf die Bettelmönche - daher kommt es zu der höheren Zahl an registrierten Rechtsverstößen. Vor allem rund um den Hauptbahnhof seien die Bettelmönche aktiv, die „keinem Orden angehören“, wie Sprecher Riehlein sagt. Auch in anderen deutschen Städten wurden falsche Mönche gesichtet. 

Sie erwecken lediglich den Eindruck, ein Mönch zu sein, um Mitleid und damit Geld zu bekommen. Ähnlich wie die Bettler, die mit schlafenden Hunden in der Fußgängerzone am Straßenrand sitzen. Das alleine sei nicht verboten, solange die Männer nicht auf die Menschen „aktiv zugehen oder ihnen etwas in die Hand drücken“, sagt Riehlein. 

Das rät die Polizei, wenn Sie einem falschen Bettler begegnen

Sollte es dennoch zu der verbotenen offensiven Form des Bettelns kommen, empfiehlt Michael Riehlein, die Polizei zu rufen. Dazu habe jeder ein Recht, wenn er sich belästigt oder bedrängt fühlt. Wichtig sei, dass der Anrufer vor Ort bleibe und den Bettelmönch den Beamten zeige. 

Die Polizei rät den Bürgern dennoch, erst positiv zu denken. Denn: „Defensives Betteln ist in München generell nicht verboten“, sagt Michael Riehlein. 

Schwierig auch für die Polizei: Wenn zwischen Betteln, Beten, Meditieren und Musik nicht unterschieden werden kann. Zum Beispiel bräuchten die „Mönche“ eine Genehmigung, wenn sie Musik in der Stadt Musik machen, für eine Mediation nicht. Das müssten auch Bürger sensibel unterscheiden. 

ch

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
Münchner Hotelbesitzerin in der Türkei: „Die Krise macht uns kaputt“
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare