Prozess um verbrannte Leiche am Feringasee

Münchner Manager lügt Geliebte bereits im Vorfeld an und erzählt ihr von „verstorbener Freundin“

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In der Nähe des Feringasees im Münchner Norden wurde die verbrannte Leiche von Beatrice F. gefunden. Konstantin V. soll sie mit Benzin übergossen haben

Fast genau ein Jahr ist es her, dass die verkohlte Leiche von Beatrice F. (35) am Feringasee gefunden wurde. Im Prozess hat die Geliebte des Täters eine verstörende Aussage gemacht.

Angeklagter führt wochenlanges Doppelleben: Geliebte plante Zukunft

Update, 13. September, 20.26 Uhr: In seinem Haus in Denning soll er Beatrice erdrosselt haben, während die Geliebte vor der Tür stand und klingelte. Das Aufeinandertreffen der beiden Frauen stand unmittelbar bevor. Offenbar zu viel für V., der die Leiche nach der Tat im Keller versteckte, die Nacht noch mit der Geliebten verbrachte und Beatrice F. später am Feringasee verbrannte. „Morgens war er sehr still und wirkte traurig“, sagt Margareta R. gestern. „Ich ahnte, dass etwas nicht stimmt, aber wir machten den geplanten Ausflug nach Neuschwanstein.“

Gleich danach reiste sie zurück nach Prag - und las am nächsten Tag von der Mordermittlung: „Ich war geschockt und ging zur Polizei.“ Der Killer hält die Hände vors Gesicht, als seine Ex-Geliebte drei Stunden lang aussagt. „Ich habe Konstantin in Prag kennengelernt“, sagt Margareta. „Aus einem One-Night-Stand wurden mehrere Treffen. Wir waren in einer Beziehung.“ Von seiner langjährigen Partnerin Beatrice wusste sie nichts. „Er sagte mir, er ist Single.“ Tatsächlich führte der mutmaßliche Mörder wochenlang ein Doppelleben. „Ich fand Frauensachen in seinem Haus. Doch er erklärte, die seien von seiner verstorbenen Freundin.“

Diese lebte aber noch - und rief V. an, weil sie früher von einer Dienstreise kam, während er mit der Geliebten essen war. „Er war sehr nervös, sagte, in seinem Haus gebe es einen Feueralarm und er müsse schnell heim.“ Die Geliebte wollte der Killer nicht mitnehmen, doch sie bestand darauf. „Von der U-Bahnstation joggte er, ich ging hinterher und wartete vor dem Haus. Er schrieb mir, dass alles okay sei.“ Doch V. öffnete nicht, als sie klingelte.

Später hörte Margareta R. gellende Schreie und ein dumpfes Krachen. „Es hörte sich an, als wäre jemand zu Boden gefallen. Ich bekam Angst und lief weg“, sagt sie. Erst Stunden später kam es zur Aussprache: „Konstantin behauptete, seine Ex-Freundin habe ihn attackiert, weil er jetzt mich liebt.“ Doch die Wunden an seinen Händen und am Hals kamen ihr verdächtig vor. Im Prozess stellt sich heraus: Margareta hatte Zukunftspläne mit Konstantin V. „Wir wollten zusammenziehen.“ Für den 17. September hatten sie Flüge nach Amsterdam gebucht. Dazu kam es nicht.

Geliebte hörte das Opfer schreien

Update, 13. September, 13.51 Uhr: Als ihr Freund seine Lebensgefährtin tötete, stand sie vor der Haustür und hörte ihre Schreie: Im Münchner Mordprozess gegen einen 33 Jahre alten Mann, der seine Lebensgefährtin getötet und an einem Badesee verbrannt haben soll, hat am Donnerstag die Geliebte des Angeklagten ausgesagt.

Die junge Frau aus Prag schilderte, dass sie im Haus ihres Freundes erst ein lautes Geräusch und dann einen Schrei hörte. „Ich habe mehrmals geklingelt und an der Tür geklopft“, übersetzte eine Dolmetscherin ihre Aussage. „Dann hörte ich eine Frau schreien und dann bin ich weggerannt.“ Es sei ein „Schmerzensschrei“ gewesen.

Ihr Freund habe ihr später verschiedene Geschichten erzählt, um den Schrei und seine Verletzungen an Händen und Hals zu erklären. Zuletzt blieb er bei der Version, eine Ex-Freundin sei bei ihm gewesen und habe ihn attackiert.

Münchner Manager gesteht Tötung

Update, 10. September, 12.31 Uhr: Ein 33-Jähriger hat vor dem Landgericht München I gestanden, seine Freundin getötet und ihre Leiche an einem Badesee verbrannt zu haben. „Ich kann auch ein Jahr danach nicht fassen, was passiert ist“, las er am Montag aus einer vorbereiteten Erklärung vor. „Ich verabscheue mich selbst.“ Er wünsche sich, die Tat ungeschehen zu machen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor, der Angeklagte bestritt aber, dass er seine Freundin töten wollte. Es sei „keine Absicht“ gewesen, sondern „ein schreckliches Unglück“.

Laut Anklage soll der Mann im Streit um eine Affäre zuerst auf seine Freundin eingestochen und sie schließlich mit einer Plastiktüte erdrosselt haben. Er bestritt vor Gericht, eine Waffe benutzt zu haben. Und die Tüte habe er ihr erst über den Kopf gezogen, als sie schon tot war. Das Paar habe im Streit miteinander gerungen, er habe die 35-Jährige im Schwitzkasten gehabt. Gemeinsam seien sie umgefallen. „Nach dem Sturz lag sie regungslos auf mir.“

Er gab zudem den Versuch zu, die Tat zu vertuschen. Nach der Tat vor einem Jahr war der Mann mit seiner Geliebten ausgegangen, am nächsten Tag fuhren die beiden zum Schloss Neuschwanstein.

Angeklagter kündigt Erklärung an

Update, 10. September, 11.37 Uhr: Rund ein Jahr nach dem Fund einer verkohlten Frauenleiche an einem Badesee bei München hat der Mordprozess gegen den früheren Freund der Toten begonnen. Der 33-Jährige kündigte beim Auftakt am Montag an, eine Erklärung zur Sache abgeben zu wollen. Zuvor machte er umfangreiche Aussagen zu seinem Werdegang und sagte auch, wie er sich ein Leben nach der Haft vorstellen könnte: Er werde dann womöglich nach Berlin gehen, „weil ich hier wahrscheinlich keine Zukunft mehr habe“.

Um seine Tat zu vertuschen, soll der Angeklagte Handy-Nachrichten vom Telefon seiner Freundin an sich selbst, ihre Mutter und Freunde geschickt haben. Als der Staatsanwalt diesen Teil der Anklage verlas, schaute die Mutter der Toten den Angeklagten an und sagte leiste: „Du Schwein“. Sie verfolgt den Prozess als Nebenklägerin.

Artikel vom 7. September

München - Unter dringendem Tatverdacht steht ihr damaliger Lebensgefährte Konstantin V. (33).  Doch der Manager bestreitet den Mord! Sein Verteidiger Alexander Schmidtgall sagt zur tz: „Mein Mandant wird selbstständig eine vorbereitete Erklärung abgeben.“ Diese werde sich „in wesentlichen Punkten gegen die Anklageschrift wenden“.

Dass Konstantin V. den Tod seiner Lebensgefährtin verursacht hat, gilt als sicher. „Doch die genauen Umstände sind nicht geklärt“, sagt Schmidtgall. „Ein Tötungsvorsatz wird abgestritten und die Mordmerkmale zurückgewiesen.“

Laut Staatsanwaltschaft ist Konstantin V. dagegen ein kaltblütiger Killer. Den Ermittlungen zufolge soll er Beatrice F. erdrosselt haben und handelte aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen. War er wütend, weil sie einen Geliebten hatte? Davon gingen die Ermittler aus.

Beatrice F. wurde nur 35 Jahre alt

Landschaftsgärtner fanden verkohlten Körper

Konstantin V. hatte dazu im Verhör geschwiegen. In der JVA Stadelheim war er später zusammengebrochen, so schwer lasteten die Vorwürfe auf ihm. Mehrere Tage lang musste der mutmaßliche Mörder auf der Krankenstation behandelt werden. Nun steht ihm der wochenlange Prozess bevor. Zehn Verhandlungstage sind am Landgericht angesetzt. Ende Oktober könnte das Urteil fallen.

Video: „Schockiert“: Spaziergänger äußert sich zu grausamen Leichenfund

Das letzte Lebenszeichen von Beatrice F., die für einen Autozulieferer arbeitete, stammt vom 8. September 2017. Im Haus des Paares in Bogenhausen soll Konstantin V. sie ermordet haben. Ihre Leiche lag den Ermittlungen zufolge noch einige Tage im Haus, bevor V. sie zum Feringasee gebracht haben soll, um sie mit Brennstoff zu übergießen. Landschaftsgärtner fanden den verkohlten Körper am Abend des 11. September auf einem Parkplatz in der Nähe des Sees im Münchner Norden. Die 35-Jährige konnte nur über ihren Zahnstatus identifiziert werden.

Tiefe Krise hinter schicker Fassade

Die Ermittler vermuten, dass V. durch den Brand die Spuren des Mordes verwischen wollte. Das beabsichtigte er mutmaßlich auch, indem er Beatrice F. als vermisst meldete. Bei der Vernehmung soll er sich dann jedoch in Widersprüche verwickelt haben – und geriet unter Tatverdacht.

Konstantin V. steht unter dringendem Tatverdacht.

Im Jahr 2009 hatte das Paar sich in Franken kennengelernt und kam 2011 gemeinsam nach München. In Denning mieteten sie ein Haus, spielten Golf. Doch hinter der schicken Fassade gab es eine tiefe Krise, die in der Mordnacht eskaliert sein soll!

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