Preisgekrönten Theater- und Filmschauspieler über ihre neune Komödie

Film-Duo Eidinger und Mädel im Interview: „Das Langsame kann einem ganz schön auf die Nerven gehen“

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Vor Münchner Stadtkulisse (v. li.): Lars Eidinger und Bjarne Mädel mit Ulli Schmidt (tz)

tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt hat die Lars Eidinger und ­Bjarne Mädel auf einen Espresso im Hotel Bayerischer Hof getroffen und sie ein bisschen ausgefragt.

Man könnte meinen, die vielfach preisgekrönten Theater- und Filmschauspieler Lars Eidinger (am Sonntag 42) und ­Bjarne Mädel (49) wären immer schon beste Kumpels – beliebt und unterhaltsam wie sie sind, anspruchsvoll in ihren Berufen, Bestseller in Film und Fernsehen und auf der Bühne. Dabei haben sie zum ersten Mal zusammengespielt: in der Komödie 25 km/h, die Sony Pictures Deutschland im Herbst ins Kino bringt, und die richtig Spaß verspricht, wenn sich die beiden Brüder nach 20 Jahren auf der Beerdigung ihres Vaters mit einer Prügelei begegnen. Schließlich machen sie einen Jugendtraum wahr: mit dem Mofa quer durch Deutschland, 25 Kilometer pro Stunde

Und ich dachte immer, Ihr wärt Buddies seit jeher... 

Bjarne Mädel: Nein, wir haben uns immer nur aus der Ferne ­beobachtet. Meine Freundin dachte das auch schon mal, als wir Lars mit seiner schwangeren Frau im Kino getroffen haben. Sie meinte, wir wirkten bei der Begrüßung so vertraut als würden wir uns lange kennen. 

Mit den Dreharbeiten im Sommer seid Ihr Euch dann näher gekommen.... 

Bjarne: Ja, und wir haben festgestellt, dass wir uns sehr schätzen und mögen. Wir haben auch sehr viele Ähnlichkeiten in der Arbeit entdeckt: Wir sind beide sehr gern sehr genau, können uns aufeinander verlassen und haben uns in unserem Ehrgeiz gegenseitig angespornt. Und: Wir können uns füreinander freuen. 

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Lars Eidinger: So ein Film ist ja immer wie eine Behauptung – hier eben, dass wir Brüder sind. Und so eine Behauptung ist ja immer schwer zu beglaubigen. Doch dann war es mit Bjarne tatsächlich so eine Verbindung, die was mit Brüdern zu tun hat. Wir schreiben uns jetzt auch immer: Wie geht’s dir, Bruder? Eine engere Verbindung als Familie gibt’s ja eigentlich nicht. Vor allem, wenn man das mit jemandem erleben kann, den man erst kennengelernt hat. 

Im Film ist das Mofa auf dem Land das Tor zur Welt – hattet Ihr so was auch? 

Bjarne: Ich kenn’ das ein bisschen, weil ich mit 16 so ein 80er Moped gefahren bin. Bei meiner Mutter auf dem Land war ich abhängig davon, weil der Bus einmal morgens und einmal abends fuhr. Das war meine Freiheit! 

Lars: Als ich 18 war, hatte ich einen Heinkel-Roller – so ein Riesen-Ding, Baujahr 1960, Viertakter, 200 Kubik. Mit dem bin ich immer zur Schauspielschule gefahren. So ein Ding löst schon auch so eine Art Euphorie aus, wenn man Gas gibt, die Geschwindigkeit, der Wind... Diese Glücksgefühle hatten wir auch bei den Dreharbeiten. Auf gesperrten Straßen, ohne Helm – das war schon so ein Freiheitsgefühl, und wir haben dafür auch noch Geld gekriegt... (lacht) 

Bei 25 Stundenkilometern bläst der Wind der Freiheit etwas schwach... 

Bjarne: Ja, das Langsame kann einem ganz schön auf die Nerven gehen. Wir wollten immer schneller und, dass das Mofa wenigstens den Berg hochkommt. Unser Mofa-Schrauber hat’s immer nachgebessert; die Dinger wurden dann schon schneller... 

Lars: An sich bedeutet mir ein Motorrad oder ein Auto gar nichts. Wenn ich da immer die Leute seh, die sich in der Stadt vor einem Ferrari fotografieren lassen... 

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Was fahren Sie denn? 

Lars: Daran sieht man, dass es mir nichts bedeutet: einen italienischen Kleinwagen, wir sagen immer Joghurtbecher dazu, das ist in der Stadt auch das Vernünftigste. 

Bjarne: Ich hab’ gar kein Auto. Ich nutze in Berlin Carsharing, Drive Now, Fahrrad und Taxi. 

Habt Ihr auch schon mal so einen heißen Trip des Lebens gemacht? 

Bjarne: Ich tatsächlich mit meinem Cousin und seinen drei Freunden – von Hamburg bis Ghana – mit vier Peugeots quer durch die Sahara und Nordwestafrika, um die dort zu verkaufen. So sollte sich die Abenteuerreise selbst finanzieren. Wir waren zweieinhalb Monate unterwegs – eine extreme Reise, die ich unbedingt wollte, weil ich mit 14 bei meinem Vater in Nigeria gelebt habe, der dort Bauleiter war – ich wollte noch einmal dorthin zurück. 

Lars: Ich bin mit meinem großen Bruder im Renault Twingo meiner Mutter von Berlin zur Zugspitze zum Snowboarden gefahren – das war ungefähr so wie im Film mit 25 km/h... Ab einer gewissen Steigung kam man nur noch mit dem ersten Gang weiter.

us

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