Rührende Geschichten aus Münchner Messehallen

Flüchtling Amdschad: "Ich möchte endlich eine Nationalität haben"

+
Flüchtling Amdschad Schama.

München - In den Münchner Messehallen finden Flüchtlinge eine vorübergehende Bleibe, ehe sie in andere Orte Bayerns oder Deutschlands weiterreisen. Einer von ihnen ist Amdschad Schama.

Der 37-jährige Palästinenser Amdschad Schama ist aus Damaskus geflohen und hat seine Frau und drei Kinder im Alter zwischen vier und elf Jahren mitgebracht. Die Familie lebte vor ihrer Flucht in dem umkämpften Palästinenserviertel Jarmuk im Süden von Damaskus. Von dort floh sie schon vor zweieinhalb Jahren. Sie mieteten eine Wohnung im türkischen Gaziantep, wo Schama als Schuhverkäufer arbeiten konnte.

Flüchtling: „Die Araber wollten uns nicht“

Nachdem er sich vergeblich um ein Visum für die Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien bemüht hatte, machte sich die Familie auf den Weg nach Europa. „Die Araber wollten uns nicht“, sagt Schama. Als syrischer Palästinenser hat er zwar ein Reisedokument, aber keine Staatsbürgerschaft. „Ich möchte endlich eine Nationalität haben“. Eigentlich war Schweden das Ziel, jetzt aber will er mit seiner Familie erst einmal in Deutschland bleiben. „Ich habe einen Freund in Bonn, der mir helfen kann. Deutschland ist ein gutes Land."

Wadie zahlte 3500 Euro an die Schlepper

Flüchtling Wadie.

Wadie kommt ebenfalls aus Damaskus. Möglichst vor dem 15. September müsse man die riskante Überfahrt von der Türkei nach Griechenland wagen, sagt der 35-Jährige. Danach werde die Gefahr, Schiffbruch zu erleiden, immer größer. „Denn die See wird kalt und stürmisch.“ Deshalb - und weil die Situation in der syrischen Hauptstadt Damaskus immer schwieriger werde - kämen derzeit so viele Flüchtlinge, meint er.

Auch das Zentrum von Damaskus sei nicht mehr vor Beschuss mit Mörsergranaten sicher. 3500 Euro hat der Mann an die Schlepper bezahlt. Beim ersten Versuch, die Ägäis zu überqueren, fiel der Motor des kleinen Rettungsbootes aus. Wadie trieb mit Dutzenden anderen Flüchtlingen hilflos im Meer vor der türkischen Stadt Bodrum umher. Nachdem ihn die Küstenwache gerettet hatte, versuchte er es wieder - diesmal mit mehr Erfolg.

Flüchtling Wadie: Merkel tat mehr für Syrer als andere Politiker

In Ungarn erfuhr er, dass Deutschland die Dublin-Verfahren für Syrer faktisch ausgesetzt hatte. Dafür ist er insbesondere Angela Merkel dankbar. „Kein Politiker auf der Welt hat soviel für die Syrer getan wie sie.“ Von München möchte Wadie nach Frankfurt weiterreisen, dort hat er Freunde. Er hofft, so schnell wie möglich registriert zu werden, einen Aufenthaltstitel zu bekommen und wieder studieren zu können.

dpa

Alle Entwicklungen zur Situation der Flüchtlinge in München und Bayern lesen Sie in unserem Nachrichtenticker.

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Frau will Wespennest abfackeln - Balkon brennt völlig aus
Frau will Wespennest abfackeln - Balkon brennt völlig aus
Attacke am Effnerplatz: Chaoten werfen Flasche auf Busfahrer
Attacke am Effnerplatz: Chaoten werfen Flasche auf Busfahrer
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare