Pflegeheim-Leiterin entschuldigt sich

„Es tut so weh“ - Münchnerin wütend: Mama musste ohne mich sterben

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Gabriele F. hält ein Bild ihrer Mutter in Händen. Immer wieder hatte die Tochter der Mama versprochen, im Augenblick des Todes bei ihr zu sein, ihr beizustehen.

Gabriele F. hatte einen letzten Wunsch für ihre im Seniorenheim lebende Mutter. Sie wollte bei deren Tod dabei sein. Doch der Hinweis der Pfleger kam zu spät - für Gabriele F. nur schwer zu verdauen.

München - Es gibt Momente in jedem Leben, die große Bedeutung haben: freudige und traurige. Gabriele F. weiß das nur zu gut. Viele Monate besuchte die Münchnerin jeden Tag ihre 87-jährige Mutter in einem Pflegeheim in Sendling. „Mir war bewusst, dass sie bald für immer die Augen schließt“, sagt die Münchnerin. „So habe ich dem Personal mehrfach klar gemacht, dass ich Mamas Hand halten will, wenn sie stirbt.“ Ein Wunsch der nicht in Erfüllung gehen sollte. Warum nicht? „Weil ich nicht gerufen wurde, als sie starb - man hat uns einfach vergessen.“

Gabriele F. ist wütend. Sie liebte ihr Mutter Frieda über alles. Um der Mama jeden Tag beistehen zu können, bringt sie sie extra in einem Heim nur ein paar hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt unter. „So konnte ich Mama auch täglich mit Essen und Pflegeutensilien versorgen.“ Frieda leidet unter Demenz, zudem hat sie mehrere offene Wundstellen, die immer schlimmer werden. „Und sie hatte auch Verletzungen vom Umbetten“, so die Tochter. Ihr Zustand verschlechtert sich tagtäglich. Gerade 30 Kilo wiegt sie am Ende noch.

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Anruf am 2. Dezember gegen 10 Uhr

Am 2. Dezember geschieht es dann: Vormittags gegen 10 Uhr bekommt Gabriele S. einen Anruf: „Ihre Mutter ist verstorben“, so die Information einer Heimangestellten. „Ich bin sofort hin“, erzählt die Tochter. Ihre Mama liegt tot im Bett. Und dann sagt eine Pflegerin etwas, was Gabriele keine Ruhe lässt: „Ihre Mutter starb erst vor Kurzem. Sie atmete schon seit Stunden schwach.“ Es sei absehbar gewesen, dass es in der Nacht oder am Morgen zu Ende gehe. „Aber warum haben Sie mich denn nicht gerufen“, schimpft die Tochter daraufhin. Die knappe Antwort: Das Personal sei ja bei Frieda gewesen. „Denen war ich völlig egal“, klagt die Sendlingerin.

Das sieht die Geschäftsführung des Heims ganz anders: „Generell legen wir großen Wert darauf, solche Wünsche der Angehörigen zu erfüllen“, so ein Leiter zur tz. Aber manchmal sei es einfach schwierig für das Personal, zu erkennen, wann jemand im Sterben liege. „Wenn der Eindruck entsteht, dass wir hier zu spät reagiert haben, dann tut uns das leid.“

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Pflegeexperte beklagt verlorengegangene Menschlichkeit

Auch den Pflegeexperten Claus Fussek schockiert der Fall: „Es ist traurig, wenn den Pflegern nicht einmal mehr für so einen wichtigen Anruf die Zeit bleibt.“ Durch den Pflegenotstand gehe vielerorts die Menschlichkeit verloren. „Der Moment, Abschied zu nehmen, ist vielen Angehörigen heilig.“

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Er war es auch für Gabriele F.: „Dass ich nicht da war, tut so weh. Das kann ich wohl nie verzeihen.“

Armin Geier

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