S-Bahn-Ticket war eigentlich noch gültig

Ich soll 60 Euro zahlen - wegen ahnungsloser Kontrolleurin

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Falsch als Schwarzfahrerin verdächtigt: Kathrin Garbe und das 60 Euro-Strafticket, das nie hätte ausgestellt werden dürfen.

München - Online-Redakteurin Kathrin Garbe ist in der S3 Richtung München beim Schwarzfahren erwischt worden - dachte sie. Tatsächlich stellte sich heraus: Die 60 Euro wird sie nicht bezahlen müssen.

Es ist Freitag, 5.30 Uhr, unsere Online-Redakteurin Kathrin Garbe hat Frühschicht und fährt mit der S3 von Gröbenzell nach München. Draußen ist es dunkel, sie kuschelt sich in ihren Mantel und träumt vom warmen Bett. Und dann das. Eine Frau und ein Mann mit neongelb leuchtenden Westen und blauen Mützen schieben sich durch den Gang des Zuges. Fahrkartenkontrolle. Oh nein! Die Gröbenzellerin ist plötzlich hellwach und fragt sich: Ist meine Monatskarte eigentlich noch gültig? 

Die Monatskarte war laut Papier am Tag zuvor abgelaufen

Auf der Monatskarte findet sich die Information nicht, dass man sie noch am Tag nach dem Geltungstag bis 12 Uhr benutzen kann - um sich eine neue zu kaufen. 

Die vermeintlich böse Überraschung folgte prompt: Als Kathrin Garbe den Kontrolleuren ihre Fahrkarte zeigt, erschrickt sie beim Blick auf das Datum. Auf dem Papier steht, dass die Karte bis zum 19. November gültig ist, dieser Freitag ist aber bereits der 20. November. Um genau einen Tag hatte sie es versäumt, sich eine neue Monatskarte zu kaufen. Das denkt sie jedenfalls. Genauso wie die Kontrolleurin. Die meint ironisch: "Tja, da haben wir wohl keine Fahrkarte. Ihren Ausweis, bitte." 

Die vermeintliche Schwarzfahrerin leistet keinen Widerstand. Die 31-Jährige schämt sich einfach. "War keine Absicht, habe es einfach vergessen", erklärt sie, während die Kontrolleurin ihre Personalien aufnimmt. Die Leuchtwesten-Frau erwidert: "Schließen sie doch besser ein Isarcard-Abo ab, dann passiert Ihnen das nicht mehr." Günstiger sei das auch. Man müsse nur 7 Euro Strafe zahlen, wenn man ohne erwischt wird, fügt sie noch an. Dann rattert das "Knöllchen" aus der Maschine. Schönen Tag noch, servus!

Es gibt eine Regel bei der Isarcard, die die Strafe ungültig macht

60 Euro sollte Kathrin Garbe der Bahn überweisen. Und fast hätte sie es getan, wäre nicht durch puren Zufall in einem Gespräch mit Kollegen herausgekommen: Ihre Monatskarte war an jenem Morgen sehr wohl noch gültig. Ironischerweise kann man das im Internet genau dort nachprüfen, wo man sich auch über das Isarcard-Abo informieren kann. In einem Absatz steht: "Die Monatskarte gilt einen Monat lang und über den letzten Geltungstag hinaus bis 12 Uhr des nächsten Tages." Im Fall der Gröbenzellerin bedeutet das: Die Monatskarte wurde am 20. Oktober gekauft und ist bis 20. November, 12 Uhr, gültig. 

Kathrin Garbe hat direkt online bei der Fahrpreisnacherhebungsstelle der Bahn reklamiert und ihre Monatskarte eingereicht. Es folgte erst einmal eine E-Mail: Es braucht Geduld, da es offenbar jede Menge Beanstandungen gibt. Das Ergebnis ist also noch offen. (Update vom 2. Dezember: Die Bahn hat mittlerweile per Post eingeräumt, dass es sich um einen Fehler gehandelt hat und sich entschuldigt.)

Die Kontrolleurin hätte diese Regel kennen müssen

Genauso wie die Antwort auf die Frage: War diese Regel der Kontrolleurin etwa nicht bekannt? Eine Nachfrage bei der Bahn ergibt: Sie hätte das sehr wohl wissen müssen. "Die Dame wird nun nachgeschult", sagt Sprecher Bernd Honerkamp. Und um gleich mit Gerüchten aufzuräumen: Es gibt keine Provision für die Kontrolleure. "Eine Fangprämie für Schwarzfahrer haben wir nicht", sagt Honerkamp mit Nachdruck. 

Die Sache mit der Monatskarte ist laut Honerkamp ein Einzelfall. Die meisten Reklamationen gibt es bei zivilen Kontrolleuren, die von externen Firmen beschäftigt werden. Häufig geht es um angeblich falsche Tarifzonen und Ähnliches, so Honerkamp. Sie ist auch ein kleiner Dschungel, diese Fahrkartenwelt. Die 12-Uhr-Regel bei der Isarcard hat übrigens einen bestimmten Zweck: So hat man am Stichtag etwas Luft, eine neue Fahrkarte zu kaufen, auch wenn zum Beispiel in der Früh Stau am Automaten herrscht.  

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