RTL-Punkt 12-Reporterin deckt auf

RTL erhebt schwere Vorwürfe gegen BRK: Angeblich schockierende Methoden aufgedeckt

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Von Tür zu Tür wandern die Spendensammler, um unter anderem für das BRK Gelder zu generieren. RTL wirft ihnen dabei ein schlimmes Vorgehen vor. 

RTL-Reporterin Corinna Sticksel schleuste sich in ein Fundraising-Unternehmen ein, das Spenden für das BRK sammelt. Und deckte dort schockierende Methoden auf. 

München - Von Tür zu Tür marschiert Corinna Sticksel in einem Münchner Wohngebiet. Ausgestattet mit Kleidung, auf der sich das Logo des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) befindet. Ihre Aufgabe: neue Mitglieder für die Organisation werben. Beschäftigt wird sie allerdings nicht von dieser, sondern von einem Fundraising-Unternehmen, dessen Aufgabe es ist, Spenden für das BRK zu generieren. 

Sticksel ist Reporterin des RTL Mittagsjournals „Punkt 12“ und befindet sich im Undercover-Einsatz in München. Ausgerüstet ist sie mit einer versteckten Kamera. Ihr Ziel ist es, angebliche unseriöse Methoden des Unternehmens beim Geld eintreiben aufzudecken. Darauf aufmerksam geworden ist die „Punkt 12“- Reporterin durch einen Insider. Er erzählte ihr vom Vorgehen der Mitarbeiter, wie potenzielle Kunden mit bestimmten Tricks unter Druck gesetzt werden, dann eine Art Abo abzuschließen. Eine ältere Frau soll demnach an ihrer Haustür sogar so lange in die Irre geführt worden sein, bis sie am Ende sogar das Doppelte von dem gezahlt hat, was sie eigentlich wollte. 

RTL-Reporterin schleust sich bei Fundraising-Firma ein

Um sich selbst davon zu überzeugen, wie die Mitarbeiter mögliche Spender überrumpeln, in ihnen ein schlechtes Gewissen wecken und möglicherweise sogar täuschen, bewirbt sich Corinna Sticksel bei dem Fundraising-Unternehmen Kober, das unter anderem für das BRK als externer Dienstleister Spenden sammelt. Bereits im Vorstellungsgespräch via Skype wird der Undercover-Reporterin klar gemacht, dass es kein leichter Job ist, sie jedoch die Möglichkeit hat, viel Geld zu verdienen. „Die meisten von uns arbeiten fünf bis sieben Wochen“, sagt die Frau des Unternehmens, deren Gesicht und Stimme in der „Punkt 12“-Sendung verzerrt sind. „Und können das ganze Jahr mit dem verdienten Geld sehr sehr gut leben.“

Sie wird Zeugin von fragwürdigen Praktiken

Um wirklich herauszufinden, ob das die Methoden sind, mit denen für das BRK Spenden gesammelt werden, fährt Corinna Stickels nach München. Klare Anweisungen, wie sie zu arbeiten hat, erhält sie in einer Wohnung. Alles aufgenommen mit versteckter Kamera. Und dann beginnt ihre Tour, zusammen mit dem Teamleiter des fragwürdigen Unternehmens. Und dort wird die Reporterin gleich mehrfach Zeugin von fragwürdigen Praktiken. 

Zuerst verschaffen sich die Mitarbeiter, bestimmt in ihrem Tonfall, Einlass in ein Mehrfamilienhaus. Gekleidet in einem Dress mit dem Logo des BRK. Als eine Frau an der Haustür davon erzählt, dass erst vor Kurzem ihr Mann gestorben ist und es ihr finanziell schlecht geht, lässt sich der Spendensammler nicht abwimmeln sondern baut Druck auf. Sein Argument: Das Geld sei schließlich „für die Leute, die im Notfall zu Ihnen kommen.“ Und es führt zum Erfolg: die Frau unterschreibt eine Art Abo für regelmäßige Spenden. Und auch bei einer anderen Frau ignoriert der Mitarbeiter, dass sie mehrfach sagt, dass sie nichts unterschreiben möchte. Sein Argument in diesem Fall: jeder mache mit und das Abo sei so selbstverständlich wie der Bankeinzug von Strom- und Mietgebühren.  

Woran Sie unseriöse Organisationen erkennen und wie Sie sich im Spendendschungel zurecht finden, lesen sie hier.

BRK kritisiert RTL-Berichterstattung

Das Bayerische Rote Kreuz kritisierte auf Nachfrage unserer Redaktion den Beitrag im Magazin „Punkt 12“ scharf. „Wir bestreiten ganz massiv, dass das, was in den nachgestellten und nachgesprochenen Szenen bei RTL gezeigt worden ist, wirklich so passiert ist“, sagte der BRK-Pressesprecher Jens Forstmann. In einer Pressemitteilung heißt es, dass es sich um eine völlig einseitige und tendenziöse Berichterstattung handle, die nur darauf abziele, die Arbeit des Roten Kreuzes in schlechtes Licht zu rücken. 

„Selbstverständlich würden wir weder die kritisierte Praxis der Mitgliedergewinnung noch die im Beitrag gezeigte Wortwahl tolerieren“, so Forstmann. Die Arbeit der beauftragten Dienstleister werde auf alle Fälle noch genauer als bisher beobachtet und kontrolliert. Das BRK möchte nicht, dass das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen der Bevölkerung in die Hilfsorganisation in Zweifel gezogen wird. 

Ohne Spende keine Hilfe im Notfall 

Dass diese Methoden „vollkommen unseriös und illegitim“ sind, bestätigt auch Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen. „Einem einzelnen Bürger an der Haustür zu suggerieren, ihm werde nicht mehr geholfen in einem Notfall, wenn er oder sie nicht beitritt“, sagte Wilke bei „Punkt 12“ am Mittwoch, „das ist ein unseriöses Werberargument, so auf die Spitze getrieben stimmt das auch nicht und ist deshalb nicht legitim aus unserer Sicht.“ Außerdem müssten Werber deutlich machen, dass sie kein Mitarbeiter des BRK sind. In ihrer Stellungnahme zu den unseriösen Methoden verweist die Firma Kober dagegen gegenüber „Punkt 12“ darauf, dass die Anordnung von Negativfolgen strengstens untersagt sei. "Insbesondere darf nicht behauptet werden, dass kein Rettungsdienst mehr stattfindet, wenn nicht gespendet wird", wird im RTL-Mittagsjournal zitiert.

Ohnehin wäre dies eine falsche Angabe. Die Kosten für einen Rettungseinsatz werden von der Krankenversicherung übernommen. Wenn überhaupt wird hier nur ein ganz geringer Teil über Spendengelder finanziert, wie Corinna Sticksel während der Aufzeichnung von „Punkt 12“ erklärt.

Provisionsmodell: Nur wer abschließt, kassiert

Die Werber werden mit dem Provisionsmodell unter Druck gesetzt. Nur wer Verträge abschließt , der kassiert. Für viele erfolgreiche Abschlüsse gibt es zusätzlich Boni. Dass ihre Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden, wird von der Firma Kober in ihrer Stellungnahme verneint. Wie viel der gesammelten Spendengelder tatsächlich der wohltätigen Organisation zugutekommen, konnte die RTL-Reporterin nicht herausfinden. Sticksel: „Natürlich sind Hilfsorganisationen auf Spenden angewiesen. Aber meine Undercover-Recherche hat gezeigt hier landen eben längst nicht alle Gelder beim Bayerischen Roten Kreuz.“ 

Die ganze Folge von RTL „Punkt 12“ mit den Vorwürfen gegen die Spendensammler für das BRK sehen Sie hier. 

tas 

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