Zwei Riesen machen gemeinsame Sache

Angst nach großem Kaufhaus-Beben: Stellenabbau und Filialschließungen in München?

+
Karstadt und Kaufhof

Sie sind Deutschlands letzte große Warenhausketten– jetzt fusionieren Karstadt und Kaufhof. Ein neuer Handelsriese entsteht! Was sind die Folgen für München?

München - Der österreichische Milliardär René Benko (41) will die Häuser zurück in die Gewinnzone bringen, 5000 Arbeitsplätze bundesweit streichen. Welche Pläne hat er dabei für München? Die Experten geben Entwarnung. „Um die Münchner Standorte muss man sich keine Sorgen machen“, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. Denn: „Die Münchner Häuser sind starke Häuser.“ 

Allerdings kann sich Stumpf etwa eine Umstrukturierung des Karstadt am Hauptbahnhof vorstellen. „Ich gehe davon aus, dass die Synergien zu Veränderungen führen.“ Denkbar sei, dass Benko einen Teil der 40.000 Quadratmeter großen Fläche von Karstadt abknapst und an Handelspartner vermietet. Stumpf vermutet, dass sich Benko dann die dem Bahnhof zugewandte, denkmalgeschützte Schokoladenseite für Karstadt sichert – und den weniger schmucken Teil Richtung Stachus abgibt. 

Filialschließungen nötig?

Und die Häuser, die nicht in der Innenstadt liegen? Karstadt am Nordbad etwa? Im Internet steht die Filiale in der Kritik. „Das Kaufhaus hat den Anschluss an die Neuzeit verloren. Das Sortiment erreicht nur eine ältere Zielgruppe und es ist unübersichtlich“, schreibt Fabian B. „Absoluter Katastrophenladen! Willkommen in der Servicewüste! Sollten sich mal ein Vorbild nehmen an den Onlinehändlern“, lästert ein anderer. 

Karstadt am Nordbad


Walter Zöller (CSU) von der Stadtgestaltungskommission jedoch hält diese Häuser unverzichtbar für die Nahversorgung. „Ich gehe davon aus, dass sie erhalten bleiben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass sie eine Aufwertung erfahren und Benko investiert.“ Zöller erinnert an die ehemaligen Hertie-Filialen in Giesing und Laim. „Beide wurden nach dem Verkauf als Woolworth neu eröffnet und funktionieren gut.“ 

Aber es gibt auch Skeptiker. „Je nach Standort wird man prüfen, ob Filialschließungen nötig sind, um Kannibalisierungseffekte zu vermeiden“, sagt Gerhard Berger vom Verband der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandes Süd. Verdi-Chef Heinrich Birner warnt: „Wenn zwei Marken zusammengelegt werden, wird auch München vom Stellenabbau nicht verschont bleiben.“

Das sind die Münchner Warenhäuser der Kette

Vier Kaufhof-Filialen und vier Karstadt-Häuser gibt es derzeit noch in München. Neben dem exzellent ausgestatteten Karstadt am Hauptbahnhof gibt es noch die etwas verstaubt und einfallslos wirkenden Filialen am Nordbad, an der Münchner Freiheit und im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). 

Hinzu kommt Karstadt Sport, das im Besitz der Outfittery GmbH ist – und die wiederum gehört auch René Benko. Karstadt Sport soll nun auch unter dem Dach des neuen Handelsriesen vereint werden. 

Das traditionsreiche Münchner Nobel-Kaufhaus Oberpollinger wurde 2006 Teil der Karstadt Premium GmbH und gehörte ab 2014 zu René Benkos KaDeWeGroup. Die allerdings hat Benko 2015 zur Hälfte an eine italienische Warenhauskette verkauft. Die Kaufhof-Filialen befinden sich am Marienplatz, Stachus, Rotkreuzplatz und – wie Karstadt – im OEZ.

Oberpollinger in München

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Das Drama vom Feringasee: Der Milchbubi wurde zum Killer
Das Drama vom Feringasee: Der Milchbubi wurde zum Killer

Kommentare