Jetzt sitzt sie selbst in Haft

Die verbotene Liebe der Knast-Psychologin

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Die Gefängnispsychologin Kerstin S. steht seit Dienstag wegen schwerer Bestechlichkeit und sexuellem Missbrauch von Häftlingen vor Gericht.

München - Wegen sexuellem Missbrauchs von zwei Häftlingen und schwerer Bestechlichkeit muss sich seit Dienstag eine Gefängnispsychologin vor Gericht verantworten.

Ihr Job in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim war es, den Häftlingen mit psychologischem Rat beizustehen. Jetzt sitzt Diplompsychologin Kerstin S. (50) selbst im Knast! Seit gestern wird ihr der Prozess gemacht – unter anderem, weil sie verbotenen Sex mit Häftlingen hatte. Staatsanwalt Andreas Franck wirft ihr Bestechlichkeit im besonders schweren Fall sowie 30 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Gefangenen vor.

Kurz nachdem sie im Mai 2005 ihren Job in der JVA angetreten hatte, begann sie ein Techtelmechtel mit dem Drogenhändler Süleyman M. (40), der insgesamt zehn Jahren absitzen muss.

In ihrem Dienstzimmer, in dem sie die Häftlinge zu Beratungsgesprächen empfing, hatte sie laut Anklage mindestens 20 Mal Geschlechtsverkehr mit dem verurteilten Verbrecher. Als es 2011 vor dem Verwaltungsgerichtshof um die Abschiebung von Süleyman M. ging, schrieb die Psychologin ein Gutachten, in dem sie die Abschiebung „nicht befürwortete“.

Seit Dezember 2012 kam auch der damals 24-jährige Aykut N. (dreieinhalb Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung) regelmäßig zu Beratungsgesprächen. In mindestens zehn Fällen soll sie auch mit ihm Sex gehabt haben. Staatsanwalt Franck: „Dabei machte sich die Angeklagte sowohl für die Anbahnung als auch für die Durchführung des Geschlechtsverkehrs ihre institutionelle Überordnung gegenüber dem Häftling zunutze.“

Kerstin S. wird zudem vorgeworfen, mindestens vier Handys für Aykut N. und andere Häftlinge in den Knast geschmuggelt zu haben. Dafür habe sie 2000 Euro kassiert. Noch viel schlimmer: Gegen Bezahlung von 800 Euro habe sie zugelassen, dass Aykut N. Abdrücke wichtiger Knast-Schlüssel in zerkautem Brotteig fertigen konnte. Dies bestreitet sie allerdings. Ein anderer Häftling stellte die Schlüsselkopien mit erhitztem Plastik her. „Diese waren voll tauglich“, betonte der ermittelnde Kriminalbeamte. Die Sache flog bei einer Zellen-Kontrolle auf.

Vom April bis zu ihrer Verhaftung im August 2013 wurden die Telefonate der Psychologin überwacht. „Sie war in einem emotionalen Ausnahmezustand“, berichtete der Polizist im Zeugenstand. Weil Aykut N. eine neue Freundin hatte, brodelte die Angeklagte vor Eifersucht. Sie soll sogar gedroht haben, ihre Nebenbuhlerin umzubringen! Der Prozess geht weiter.

Die Schmuggler-Bande von Stadelheim

Mehmet D. (31) glaubte, die Regeln im Knast selbst bestimmen zu können: Als Boss einer fünfköpfigen Bande saß er im September 2013 auf der Anklagebank des Landgerichts. Der Vorwurf: Bestechung in 16 Fällen! Der Häftling pflegte gute Kontakte zu dem JVA-Beamten Thomas L., der für ihn Handys, SIM-Karten, USB-Sticks und vermutlich auch Drogen in den Knast schmuggelte. Die Übergabe erfolgte jeweils beim Hofgang. L. sitzt inzwischen selbst in Haft und kann sich schon mal einen neuen Job suchen. Mehmet D. wurde zu acht Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Sie hatten Sex in der Wäscherei

Auch Ulrike V. (24) stand wegen einer verbotenen Liebe vor Gericht: Die JVA-Beamtin verliebte sich in den Häftling Andreas R., sie soll für ihn sogar Handys und Drogen in den Knast geschmuggelt haben. Die beiden lernten sich im Schmutzraum kennen. Sie passte auf, während er die dreckige Wäsche der Häftlinge sortieren musste. Dort soll es auch zum Sex gekommen sein. Nach R.’s Freilassung haben sich beide sogar verlobt. Ulrike V. wurde vom Dienst suspendiert. Das Gericht brummte ihr eine Bewährungsstrafe von einem Jahr auf.

Eberhard Unfried

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