Wertvollste Entdeckung ihres Lebens

Schatzsucher entdecken „Hitlermühle“ in Wald bei Aying

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Gehört jetzt zur Sammlung des Deutschen Museums: das Schlüsselgerät 41

München/Aying - Hobby-Schatzsucher haben eine äußerst seltene Verschlüsselungsmaschine im Wald entdeckt, die mehr als 70 Jahre dort versteckt war - jetzt kommt sie ins Deutsche Museum!

Nicht in New York und auch nicht in London sollte das „Schlüsselgerät 41“ stehen, sondern in München. Es habe zahlreiche Angebote für das 70 Jahre alte wertvolle Chiffriergerät gegeben, berichten die beiden „Sondler“, wie in Bayern Sondengänger genannt werden. „Wir wollten unbedingt, dass dieses Zeitdokument im Lande bleibt und im Deutschen Museum steht – und nicht in einer Privatsammlung, wo es kein Mensch sehen kann“, sagt Max Schöps.

Der 23-jährige Zimmerer und der 36 Jahre alte Lagerist Volker Schranner sind mit ihren Metallsuchgeräten schon seit Jahren unterwegs. Am 5. Mai stießen die Hobby-Sucher mal wieder auf etwas Metallisches: „Als wir es zu Gesicht bekamen, dachte ich zunächst, es sei eine alte Feldschreibmaschine, wie sie die Soldaten genutzt haben“, erzählt Schranner. „Ich hab’ sie dem Max geschenkt.“

Die beiden Finder, Volker Schranner und Max Schöps, übergeben das Chiffriergerät an Kuratorin Carola Dahlke.

Der recherchiert im Internet und erkennt, dass es sich bei dem Kodiergerät um eine „Hitlermühle“ handelt, wie das Gerät wegen der Kurbel an der Seite auch genannt wurde. Der Verschlüsselungsalgorithmus war deutlich sicherer als jener der heute so berühmten „Enigma“, die mit bis zu 100.000 Euro gehandelt wird. Das Schlüsselgerät 41 sollte kurz vor Kriegsende die Enigma ablösen, denn das Oberkommando der Wehrmacht hegte den Verdacht, dass die deutschen Verschlüsselungsmaschinen wie die Enigma und die Lorenz nicht mehr sicher genug seien und von den Engländern geknackt worden waren.

Daher entwickelte der Kryptologe Fritz Menzer zwischen 1939 und 1944 neue Geräte. Hergestellt wurden sie von den Wanderer-Werken in Chemnitz, die neben Autos und Fahrrädern auch Büromaschinen produzierten. Vor allem die Abwehr, also der deutsche Geheimdienst, nutzte die Chiffriergeräte, um Funksprüche zu verschlüsseln. Nur rund 500 Stück des Schlüsselgeräts 41 kamen gegen Ende des Krieges zum Einsatz. Aussagen von Zeitzeugen zufolge sollen sich zum Kriegsende hin Spezialeinheiten der SS bei Aying aufgehalten haben. Möglich, dass sie das Gerät im Wald entsorgt haben.

„Ein solcher Bodenfund ist sehr selten“, freut sich die Kryptografie-Expertin Carola Dahlke. Die Kuratorin möchte die Maschine genauso ausstellen, wie sie gefunden worden ist, weil sie dadurch eine Geschichte erzählt. Sie weiß auch schon den Platz für den Goldschatz: Im Deutschen Museum eröffnet Ende 2019 die neue Dauerausstellung „Bild, Schrift, Codes“. Spätestens da können alle Münchner das Schüsselgerät 41 bewundern – mit der Enigma in einer gemeinsamen Vitrine.

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