Der nächste Terror-Prozess in München

Gotteskrieger vor Gericht - Flüchtlinge als mutmaßliche Terroristen?

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Kamel T. (24) kam mit Schleusern in die Bundesrepublik.

Es ist der nächste Terror-Prozess in München – und der erste gegen zwei Flüchtlinge. Seit Donnerstag müssen sich Kamel T. (24) und Azar R. (22) vor dem Oberlandesgericht verantworten.

München - Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, in Syrien für eine radikal-islamische Gruppierung gekämpft zu haben. Sie gelten als mutmaßliche Terroristen.

Wer den Prozess vor dem Staatsschutz-Senat verfolgt, muss sich aber wundern: Azar R. sieht aus wie ein Jugendlicher und sitzt im Rollstuhl. Nicht das typische Bild eines Kriegers. Laut Anklage war er aber im Gefecht schwer verletzt worden, als er für die Terror-Gruppe „Ahar al-Sham“ gekämpft haben soll. Wie auch Kamel T. hatte Azar R. mutmaßlich Zugang zu Maschinengewehren und Panzerfäusten und war vom 23. August 2013 bis Ende April 2014 im syrischen Krieg an Kämpfen beteiligt. Für die Terrorgruppe soll Kamel T. auch Wachdienste geleistet und Verwundete versorgt haben.

Über die Balkanroute waren die beiden Angeklagten Anfang 2015 nach Deutschland gekommen und lebten in Bamberg in einer Asylbewerber-Unterkunft. Im April 2016 hat die Polizei sie verhaftet.

Azar R. (22) sitzt nach einem Kriegsgefecht im Rollstuhl.

Noch vor seinem 18. Geburtstag, sagte Azad R. Donnerstag aus, sei er aus Syrien in die Türkei geflohen. „Ich hatte Angst, dass ich zum Militär eingezogen wurde.“ Die harte Arbeit und großes Heimweh hätten ihn nach vielen Monaten aber bewogen, zurückzukehren – nach Damaskus. Im April 2013 hätte er sich mit Kollegen auf den Weg gemacht, möglich sei das nur mithilfe von Schleusern gewesen. Ihnen mussten die Männer viel Geld zahlen – und auch den syrischen Kriegern beitreten, wie Azad R. behauptet. Nur dadurch sei er in die Nähe des Terrors gekommen. Nachdem er verletzt worden war, sei er dann in einem türkischen Krankenhaus aufgewacht. Dort habe er Kamel T. getroffen. Gemeinsam ließen sie sich nach Deutschland schleusen. Und stehen hier jetzt vor Gericht!

A. Thieme

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