Keine Lust auf Watschnbaum: Seehofer spricht über möglichen Rücktritt

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Europaweiter Befall

Großes Baumsterben: Killerpilz bedroht die Eschen am Isarufer 

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Landschaftsgärtner Dominik Preisser stößt im Englischen Garten täglich auf Eschen mit Pilzbefall.

Förster und Waldschützer schlagen Alarm: Die Eschen am Münchner Isarufer und im englischen Garten sind von einem Pilz bedroht. 

München - Eschen prägen das Isarufer und den Englischen Garten. Doch ihr Bestand ist stark bedroht: Ein Pilz setzt ihnen zu. Mehr als 90 Prozent der Baumart sind vom „Falschen Weißen Stengelbecherchen“ befallen. Die meisten betroffenen Eschen sterben innerhalb weniger Jahre – aber nicht nur wegen des Pilzes.

Eine Esche wird bis zu 300 Jahre alt, wächst in nur 60 Jahren 35 Meter hoch und gilt eigentlich als hitzebeständig und robust. In der Vergangenheit bekam der Baum daher auch den Beinamen „Klimaretter“. Doch nun ist die Esche, die auch in München verbreitet ist, europaweit gefährdet. Ein Pilz macht sie krank.

In München prägen Eschen an einigen Stellen die Natur deutlich. „Traditionell stehen an der Isar entlang besonders viele Eschen“, sagt Alfred Strauch, stellvertretender Leiter des Forstbetriebe München. Stellenweise betrage ihr Anteil hier bis zu 50 Prozent des Baumbestands. „Deshalb ist der Pilzbefall, der die Bäume schwächt, im Isartal besonders auffällig“, sagt Strauch. Auch für Laien sind die kranken Bäume oft erkennbar: Die Blätter sind welk, die Kronen lichten sich, Zweigenden bilden keine Blätter mehr und stehen wie Antennen hervor – und größere Äste drohen immer häufiger abzufallen.

Pilz aus Asien bedroht Baumexistenz in ganz Europa

Denn der ursprünglich ostasiatische, wahrscheinlich japanische Pilz bedroht die Existenz der Esche in ganz Europa, auch wenn das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ namentlich nicht allzu gefährlich klingt. „In Wörnbrunn sind besonders viele Bäume betroffen“, sagt Strauch, zuständig für den Forst im Münchner Süden. Die Wirkung des importierten Pilzes, der vom Baltikum über Polen herübergeweht wird, ist ziemlich heimtückisch. Denn für den tatsächlichen „Baum-Mord“ ist er gar nicht verantwortlich, sondern schwächt den Baum zunächst.

Ludwig Straßer aus der Abteilung Waldschutz in der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), kennt den wütenden Pilz genau. Anfangs sei der Befall oft verwechselt worden, sagt Straßer. „Förster und Waldschützer glaubten an Frostschäden oder an die Verbreitung der Zwieselmotte, die in den Trieben der Bäume Larven ablegt.“ Im Raum Töging und in Marktl am Inn beobachtete man damals den Befall bayernweit als Erstes: „Zunächst bilden sich Fruchtkörper des Pilzes auf gefallenen Blattstielen, dann infizieren die Sporen Blätter am Baum, verbreiten sich im Trieb, und am Ende sterben die Triebe ab.“ Daher spreche man eben nicht vom Eschensterben, sondern vom Eschentriebsterben.

Infizierte Bäume werden anfälliger für andere Pilze

Für den Tod des ganzen Baumes jedoch sorgen andere Lebewesen. „Sobald die Eschentriebe sterben, ist der Baum geschwächt“, sagt Straßer. „Dann können sich entweder weitere Pilze wie der Hallimasch festsetzen oder auch Bastkäfer. Beide hätten bei einer gesunden Esche keine Chance.“ Fast alle Eschen in München seien betroffen. „Man kann davon ausgehen, dass wir einen Großteil des Bestands verlieren werden“, sagt Straßer und bringt Polen als Beispiel: Dort habe sich über 20 Jahre hinweg der Eschenbestand bereits auf unter 30 Prozent reduziert. Doch dann macht der Experte Hoffnung: „Die Esche wird nicht aussterben.“ Manchmal sei eben der Erreger stärker, manchmal der Baum. „Das ist Evolution“, so Straßer.

So viele Bäume haben trotz Pilz eine Überlebenschance

Denn Baum-Experten haben auch festgestellt, dass derzeit je nach Region ein bis fünf Prozent der Eschen den Pilz überleben. „Und diese produzieren weiterhin Samen und verbreiten sich“, sagt Straßer. Also liegt die Hoffnung einzig auf der Macht Natur, der Mensch kann nichts gegen den Stengelbecher unternehmen. „Wir müssen die Verbreitung von Bäumen fördern, die den Stengelbecher überstehen, also eine Toleranz gegen den Pilz haben“, sagt Straßer. Dann werde die Zahl der Eschen irgendwann von selbst wieder steigen. Das könne jedoch dauern.

Bis dahin gilt es, den Münchner Eschenbestand aufmerksam zu kontrollieren und Bäume aus dem Verkehr zu ziehen, die umsturzgefährdet sind, wie es die Stadt bereits tut. Eschen stehen häufig in der Nähe von Rad- oder Fußwegen entlang der Isar. Seit 2016 fällte die Stadt 560 Bäume rund um die Auen. 360 davon waren erkrankte Eschen.

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Von Hüseyin Ince

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