Serie: Die Zukunft in den Vierteln

Großmarkthalle, zweite Röhre und Zankapfel Busbahnhof - in diesen Stadtteilen tut sich was

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Blick von Laim Richtung Donnersbergerbrücke: Die Arbeiten für die zweite Stammstrecke gehen voran.

München boomt und wächst. Was tut sich in Neuhausen-Nymphenburg, Sendling oder Milbertshofen am Hart? Wir haben einen Blick riskiert.

München - Das Jahr 2019 bringt Herausforderungen für unsere blühende Metropole. Vor allem, weil München so rasant wächst. Im Jahr 2035 werden wohl 1,85 Millionen Menschen in der Stadt leben – rund 300 000 mehr als heute. Damit die alle wohnen, schnaufen und sich bewegen können, muss die Stadt handeln. In den Vierteln wird kräftig gebaut. Wir zeigen in unserer ­Serie, wie die Zukunft konkret ­aussieht. Heute: Neuhausen-­Nymphenburg, Milbertshofen-Am Hart und Sendling.

Neuhausen-Nymphenburg

Hier kommt die 2. Röhre: Der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke ist wohl das größte Bauprojekt. Bereits in diesem Jahr begannen die Vorbereitungen rund um den Bahnhof Laim. 2019 startet die heiße Phase, dann wird gegraben und der Bau der neuen Zugbrücke vor der Friedenheimer Brücke im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg begonnen. Gebuddelt und gegraben wird auch an der Landshuter Allee. Der Mittlere Ring soll entlastet werden, mit der Verlängerung des Tunnels unter der Arnulfstraße. Doch das sorgt für Widerstand. 

Bisher ist das Projekt noch in der Planungsphase: Zwar wurde der Bau bereits 2015 beschlossen, die genaue Ausgestaltung ist aber noch unsicher. Da die Neuhauser bei der Bürgerversammlung geschlossen für die Einstellung des Projekts stimmten, ist unklar, wann und ob der Tunnel kommt. Es wird eng in München. Zahlreiche neue Wohnungen entstehen. So an der Wotanstraße 88. Lange stand das Bürogebäude leer. Im Herbst 2019 sollen dort Familien einziehen. 

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Das achtstöckige Bürogebäude bietet Platz für insgesamt 250 Wohnungslose und anerkannte Flüchtlinge. Außerdem werden Gemeinschaftsräume, Büros und ein Anwohnercafé eingerichtet. Die Betreuung verfolgt den Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Einen atemberaubenden Blick auf die Alpen und modernes Design verspricht das neue „Kap West“. 2019 soll der Bürokomplex mit 41 000 Quadrat­metern Fläche am Hirschgarten fertiggestellt werden. Er besteht aus zwei Gebäuden, die jeweils um einen 60 und einen 53 Meter hohen Turm erweitert werden. Das lässt den Bau verschachtelt wirken. 

Auffällig ist auch der Südturm, der versetzt auf dem Gebäude steht und 18 Meter frei darüber hinausragt. Innenhöfe und Dachterrassen bieten Platz zur Erholung. Der Streit um „Kunst am Bau“ am Neuhauser Trafo wurde endlich beigelegt, eröffnet wird dieser aber nicht so bald. Während man zunächst von einer Eröffnung im Mai sprach, wurde der Termin nun auf Ende 2019 verschoben. Damit müssen die Bürger noch länger auf ihr Kulturbürgerzentrum warten. Er soll ein Begegnungsort für die Neuhauser werden. 

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Dazu stehen rund 700 Quadratmeter zur Verfügung, mit einem Veranstaltungsraum, Bistro und Foyer, sowie Räumen im Obergeschoss, die für Schulungen und Besprechungen genutzt werden können. Viele Veränderungen wird es im Kreativquartier am Leonrodplatz geben. So entsteht auf der großen Freifläche, auf der früher die Lamentohalle war, eine Anlage aus Containern, die von Künstlern genutzt werden kann. Außerdem müssen einige Gebäude saniert werden, so das Schwere Reiter. Weil das Theater das Gebäude nicht weiter nutzen kann, soll es in die temporäre Spielstätte umziehen. 

2019 wird auf dem Gelände (20 Hektar) auch das geplante „Munich Urban Colab“, das neue TU-Gründerzentrum, entstehen sowie Wohnraum und eine neue Schule. Erst im September wurde das Gelände um die Paketposthalle an die Büschl-Unternehmensgruppe verkauft. Dort soll nun ein neues Quartier entstehen – mit Wohnungen, Geschäften und Kultureinrichtungen. Ein konkretes Konzept soll noch in diesem Jahr vorliegen. Ob schon heuer gebaut wird, ist noch unklar. Gegen Ende 2019 wird es politisch in Neuhausen. Dann werden die Listen für den Bezirksausschuss aufgestellt und damit wird wohl auch die AfD in den BA 9 einziehen. 

Bisher setzt sich das Gremium aus 41 Mitgliedern aus sieben Fraktionen zusammen. Aufgrund der Landtagswahl-Ergebnisse ist ein Einzug wahrscheinlich. Auch die Linke könnte dies erreichen. Denn: Parteien, die bei der Wahl nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kamen, können sich durch Unterschriftensammeln einen Platz im BA sichern. 

Sendling

Die Sanierung der Großmarkthalle bleibt zentrales Thema. Ein neuer Entwurf des UGM (Umschlagzentrum Großmarkt München GbR) sorgt für Interesse: Danach sollen die Hallen in einem einzigen Neubaukomplex am südlichen Rand des Areals zusammengefasst werden, so bliebe mehr Raum – zwischen Schäftlarnstraße und der Verlängerung der Thalkirchner Straße – für Wohnungen. Heuer soll der Stadtrat entscheiden. Ungewiss bleibt die Lage der Mieter, die ihre Arbeitsstätte im Kreativquartier an der Hans-Preißinger-Straße 8 wegen des Umzugs des Gasteig verlassen müssen. Zum Jahresbeginn will die Gasteig München GmbH einen Bauantrag bei der Stadt einreichen. Sollte dem Plan zugestimmt werden, könnten heuer schon Bauarbeiten für das Übergangsquartier auf dem SWM-Gelände beginnen. Noch nicht in trockenen Tüchern sind die Pläne für den Bau des Alten- und Service-Zentrums (ASZ) mit Anwohnertiefgarage (Meindlstraße 14-16). 

Bild

OB Dieter Reiter (SPD) und der Stadtrat sollen heuer entscheiden, ob die umstrittene Tiefgarage kommt. Unklar ist auch noch, ob sich der Bau der neuen Boulderhalle auf dem Gelände der Bezirkssportanlage (Thalkirchner Straße 207) realisieren lässt. Der Deutsche Alpenverein (DAV) will das Kletter- und Boulderzentrum München-Süd im großen Stil modernisieren. In der Bürgerversammlung gibt es Widerstand seitens vieler Anwohner. Auch die Lokalpolitiker lehnten die Erweiterung fraktionsübergreifend ab. Heuer entscheidet die Lokalbaukommission. Für den Umbau der Sportanlage an der Wackersberger Straße 49 werden Vorplanungen getroffen. Bedingung: Es sollen keine weiteren Grünflächen durch den Neubau versiegelt werden. Wie geht es mit dem Grundstück an der Plinganserstraße hinter dem Postgebäude am Harras weiter? Die Stadt hat es erworben – kommt hier nun städtischer Wohnungsbau?

Milbertshofen / Am Hart

„Vieles befindet sich in der Schwebe“, formuliert’s Fredy Hummel-Haslauer (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA 11). Dazu gehören: Ehemaliger Busbahnhof Olympiazentrum: Der große Streitpunkt 2018. Der BA würde auf dem Gelände gerne ein Pflegeheim bauen lassen, aber der Stadtrat sagt: Vorerst wird nichts gebaut, stattdessen soll lediglich das Entree des Olympiaparks begrünt werden. Hummel-Haslauer bleibt beharrlich: „Es ist der beste Standort, den man haben kann.“ Von den drei Alternativ-Standorten, die das Planungsreferat vorschlägt, hält er nichts. Auch ein Olympia-Museum oder ein Besucher- und Informationszentrum, von dem zuletzt in der Beschlussvorlage für den Stadtrat die Rede gewesen war, werden fürs Erste nicht umgesetzt. Weil die Zeit langsam davonrennt – 2022 feiert der Olympiapark sein 50-jähriges Jubiläum –, kommt nun also eine Minimallösung. Ausbau der GWG-Siedlung Harthof-Nord und des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) von BMW: Beide laufen nach Plan. Bis Ende des Jahres soll der erste Bauabschnitt des „FIZ Future“ (Schleißheimer Straße) fertig sein. Die Folge: noch massivere Verkehrsprobleme. Auf dem Frankfurter Ring geht heute schon zu Stoßzeiten nichts mehr. Hummel-Haslauer fordert eine Entscheidung bei der Anbindung der A99 an die Schleißheimer Straße. S-Bahn-Ring Nord: Hier wünscht sich der BA-Chef ein „positives Bekenntnis“ der Deutschen Bahn. Bislang gebe es nur Forderungen, aber keine Aussagen. Parkplatzproblem: Das wird größer. Die Stadt lehnt Lizenzgebiete bisher ab. Ausbau der Schulen: Der läuft und betrifft u. a. die Grund- und Mittelschule an der Bernaysstraße, die Grundschule an der Hanselmannstraße und das Gymnasium Nord. Die Interims-Container sollen zum nächsten Schuljahr bezugsfertig sein.

Ausbau der Schulen: Der läuft und betrifft u. a. die Grund- und Mittelschule an der Bernaysstraße, die Grundschule an der Hanselmannstraße und das Gymnasium Nord. Die Interims-Container sollen zum nächsten Schuljahr bezugsfertig sein. 

Astrid Probst/Christina Seipel/CvA

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