Im Umbau

Das Ende der Schwammerlsaison - Das legendäre Vordach des Münchner Hauptbahnhofs wird abgerissen

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Der Bagger frisst sich in den Schwammerl.

Am Montag ist damit begonnen worden, das legendäre Vordach des Münchner Hauptbahnhofs abzureißen. In zwei Wochen wird von ihm nichts mehr zu sehen sein.

München - Jetzt ist er angeknabbert – und bald schon komplett verschwunden. Punkt 10 Uhr bewegte der wuchtige Caterpillar-Bagger am Hauptbahnhof seinen Arm nach oben in Richtung Schwammerl, die Abbruchzange biss sich am Dach des markanten Vordachs fest und zwickte ein großes Stück Stahlbeton ab. Es staubte nur ein bisschen, denn ein Arbeiter spritzte mit einem Schlauch beständig Wasser aufs Dach. „In zwei Wochen ist der Schwammerl Geschichte“, schätzt Martin Wieser, Arbeitsgebietsleiter für den Bau der 2. Stammstrecke an der Baugrube Hauptbahnhof. Es dauert also ein bisschen. Vor allem an den massiven Stützen und dem Stahl im Innenteil des Schwammerls wird der Bagger einige Zeit nagen müssen. Der Schwammerl ist übrigens nicht denkmalgeschützt, auch wenn das viele denken!

Projektleiter Martin Wieser steht vor dem markanten Vordach.

Der Bau der zweiten S-Bahn-Röhre ist der Grund für den Abriss des Bauwerks, das seit der Neugestaltung des Bahnhofs in den 1960er Jahren den Vorplatz prägte. Nun wird dort eine Baugrube ausgehoben. Sie wird sich Richtung Westen über die gesamte Länge der seit Mai geschlossenen Schalterhalle erstrecken. Auch die Schalterhalle wird abgerissen, und zwar „von innen nach außen“, wie Wieser erklärt. Wer an der Arnulfstraße durch den Bauzaun lugt, der sieht, dass die Arbeiten hier gut vorankommen – eine Seitenwand der Schalterhalle ist schon abgerissen. Ab der zweiten Septemberhälfte wird auch die Außenfassade am Bahnhofsvorplatz beseitigt. Dann klafft in der Mitte der Fassade eine Lücke.

Neben der 2. Röhre wird an dieser Stelle auch noch ein Bahnhof für die künftige U-Bahn-Innenstadtlinie U9 gebaut – und schließlich dann der neue Bahnhof. Die 2. Stammstrecke wird nach offizieller DB-Version Ende 2028 fertig, die U9 erst 2037. 

Hauptbahnhof München: Schlangestehen am Info-Schalter

Vor dem Informationsschalter der Deutschen Bahn bildete sich am Montag eine lange Schlange. Im Gegensatz zur Bahnhofshalle herrschte an den Bahnsteigen der Gleise 5 bis 10 gähnende Leere – denn der sogenannte Holzkirchner Bahnhof, der südliche Teil des Hauptbahnhofs, war an diesem Montag gesperrt. Normalerweise fahren hier unter anderem Regionalzüge nach Salzburg und Mühldorf ab. Nun wollten die Reisenden wissen, wo ihre Züge stattdessen abfahren. Achtung: Noch bis zum 17. September ist die Verbindung nach Salzburg über Rosenheim von Ersatzverkehr betroffen. Wer in dieser Zeit mit dem Zug in die Mozartstadt reisen möchte, muss meistens am Ostbahnhof umsteigen. 

Vor dem Informationsschalter bildete sich am Montag eine lange Schlange.

Hauptbahnhof München: Der Bahnhof von morgen

Sie die ferne Zukunft, ohne Schwammerl und mit komplett neuem Gebäude. So stellen sich die Architekten von Auer + Weber das Empfangsgebäude des neuen Hauptbahnhofs vor. Bis diese Vision Wirklichkeit ist, fließt aber noch viel ­Wasser die Isar runter. Die Schätzung: Baubeginn rund drei Jahre vor Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke – und dann dauert’s rund fünf Jahre bis zur Fertigstellung.

So stellen sich die Architekten das Empfangsgebäude des neuen Hauptbahnhofs vor, gesehen von der Schützenstraße.

Eine Bürgerinitiative hatte gegen den Abriss der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs geklagt.

Dirk Walter

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