Helfen hält Friedl (94) jung!

Seniorin (94) arbeitet seit 14 Jahren bei Münchner Tafel

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Freundlich, herzlich, fröhlich: Friedl Wittmann (94) bei der Tafel in Oberföhring, wo sie mithilft.

Friedl Wittmann strahlt und lacht, ihre Energie überträgt sich unmittelbar. Sie verteilt Äpfel an Bedürftige. Was man ihr nicht ansieht: Die fröhliche Frau ist vor wenigen Wochen 94 Jahre alt geworden!

München - Sie sehen Friedl Wittmann – sie strahlt und lacht, die Wangen sind gerötet, ihre Energie überträgt sich unmittelbar. Sie verteilt Äpfel an Bedürftige. Was man ihr nicht ansieht: Die fröhliche Frau ist vor wenigen Wochen 94 Jahre alt geworden!

Die Rentnerin hat Zeitungen ausgetragen, bis sie 74 Jahre alt war. Seit ihrem 80. Lebensjahr arbeitet sie für die Tafel in Oberföhring. „Es liegt in meiner Natur, immer in Bewegung zu bleiben“, sagt sie. Von 120 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Münchner Tafel ist sie die Älteste. Vor 14 Jahren wurde die Münchner Tafel Oberföhring gegründet – Fridl war von Anfang an dabei. „Damals hat mich meine Schwester mitgenommen, damit ich mir die Arbeit mal anschaue. Dann kam eins zum anderen – und siehe da: Die Alte ist immer noch dabei“, sagt die 94-Jährige und lacht.

„Die Leute sind meine Bezahlung“

Jeden Donnerstag bereitet sie ab 12 Uhr die Essensausgabe für 230 Familien vor, nach der Ausgabe wird noch bis 17.30 Uhr aufgeräumt und gefegt – ohne jegliche Bezahlung. „Ich habe das einfach gebraucht“, erklärt sie. „Die Leute sind meine Bezahlung.“ Trotz langer Lebenserfahrung lernt man nicht aus. „Gerade im sozialen Bereich lernt man immer neue Leute kennen, und von jedem nimmt man etwas mit.“

Friedl mit Lieselotte (78), ihrer Schwester.

Die soziale Arbeit zieht Wittmann aus persönlichen Gründen an: „Ich bin ein Kriegskind. Der Krieg hat uns die schönste Zeit genommen, und nach dem Krieg kam die Nachkriegszeit – wir hätten gerne das ein oder andere gehabt, aber nicht bekommen.“ Umso mehr möchte sie nun anderen helfen.

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Die Dankbarkeit spürt die Seniorin jeden Tag: „Einmal hat eine sehr kranke Frau zu mir gesagt: ‚Die Tafel hat mich gesund gemacht.‘ Das von jemandem zu hören, ist unbeschreiblich.“ Wenn mal ein Mitarbeiter fehlt, wird er sofort von den Bedürftigen vermisst. Und nicht nur der Kontakt mit den Bedürftigen macht Friedl glücklich: Das familiäre Verhältnis zu ihren Mitarbeitern bedeutet Wittmann sehr viel. „Wir sind alle per Du und kennen sogar unsere gegenseitigen Familien. Wenn einer Geburtstag hat, feiern wir jedes Mal alle zusammen. Dann gibt es Brotzeit und Kaffee.“

Ihr Geheimnis zum Jungbleiben? „Ich habe keins: Ich mache keinen Sport und achte nicht besonders auf meine Ernährung.“ Was sie jung hält: ihre offene und positive Art. Ob in der Tram oder auf der Straße – sie grüßt jeden freundlich und ist immer fröhlich. „Ich kriege jedes Mal etwas Positives zurück“, lächelt sie.

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Seit 24 Jahren ist die Tafel für arme Münchner da

Eine Viertelmillion Menschen lebt in München am Rande oder unterhalb der Armutsgrenze. Die Münchner Tafel versorgt sie mit Lebensmitteln. ­Angefangen hat alles mit sieben engagierten Helfern im Jahr 1994: Eine der ersten Tafeln in Deutschland wurde gegründet.

Heute setzen sich mehr als 650 Ehrenamtliche täglich dafür ein, dass die rund 20.000 Bedürftigen an 27 Verteilstellen und 107 Einrichtungen quer durch die Stadt satt werden. Über 120.000 Kilo einwandfreie Lebensmittel werden wöchentlich verteilt. Finanziert wird die Tafel aus Mitglieds-­Beiträgen, Spenden und Sponsoren. Wer Hilfe benötigt, kann sich an die Tafel unter der Telefonnummer 089 / 29 22 50 (nur Mittwochs zwischen 14 und 15.30 Uhr) wenden.

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kab

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