Herr Bahnchef, was wird aus München?

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Bahnchef Rüdiger Grube in München.

München - Bahnchef Rüdiger Grube weilte am Donnerstag in München und gab Auskunft über einen neuen Hauptbahnhof, die zweite Stammstrecke und die Flughafen-Anbindung.

Fast 50 Milliarden Euro will die Bahn bis 2016 bundesweit investieren. Allein heuer fließen nach Bayern 1,2 Milliarden Euro nur in die Infrastruktur, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Rüdiger Grube (60). So viel Geld! Springen da auch ein paar Euro für die Münchner S-Bahn heraus, Herr Bahnchef? Baustellen gibt es genug. Am Donnerstag stellte Grube im Presseclub sein Programm vor, das in weiten Teilen noch eine Vision ist.

Hauptbahnhof: Kommt endlich ein Neubau? „München wird einen wunderschönen Bahnhof bekommen“, verspricht der Bahnchef persönlich. Es wird auch Zeit: Seit 2006 sollte es erst ein Glaspalast der Architekten Auer+Weber für bis zu 650 Millionen Euro werden, dann wurde ein Bahnboss vor einem Jahr für einen beliebigen Billig-Bau für 300 Millionen im Stadtrat ausgebuht. Mit dem Olympia-Aus starb die Hoffnung auf einen schnellen Ersatz. Jetzt aber habe man sich mit Auer+Weber deren – ohnehin schon ermäßigten – Entwurf angeschaut und Stück für Stück überarbeitet. „Wir sind nur noch wenig auseinander“, sagt Grube. Vor wenigen Wochen habe es ein Gespräch mit OB Christian Ude gegeben. Spätestens im Sommer werde die Bahn einen Entwurf präsentieren. Aber: Der könne erst kommen, wenn die Finanzierung der zweiten Stammstrecken-Röhre stehe.

Hauptbahnhof München: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Stammstrecke: Bahnchef Grube ist ein Mann der Zuversicht. Denn so selbstverständlich er an den neuen Hauptbahnhof glaubt, so sicher wirkt er bei der Stammstrecke – obwohl mindestens 350 Millionen Euro fehlen: „München ist so eine tolle Stadt, eine der schönsten Europas, da werden wir ja noch einen Bahnhof und eine anständige S-Bahn hinbekommen!“

Die Stammstrecke sei ein großer Erfolg: Ausgelegt für 230 000 Passagiere, fahren heute 800 000 am Tag zwischen Pasing und Ostbahnhof – das sei die meistfrequentierte Strecke in ganz Europa. In Zukunft könnten noch mehr Menschen vom Auto auf die Schiene umsteigen. Aber: „Irgendwann stößt das System an seine Grenze. Wir dürfen diesen Punkt nicht überschreiten.“ Jetzt seien die Verkehrsminister in Bund und Freistaat am Zug, weil nur die für die Schienen zuständig seien. Grube fordert: „Diese Strecke muss gebaut werden!“ Die Bahn selbst werde ihren Anteil von 133 Millionen Euro am Zwei-Milliarden-Projekt jedoch nicht erhöhen, weil nicht sicher sei, dass die Bahn immer die Münchner S-Bahn bedient.

Hintergrund: Der aktuelle Vertrag läuft nur bis 2017, danach kann das System ganz oder teilweise neu vergeben werden, im Prinzip auch an die private Konkurrenz. Selbst ein Kredit komme nicht in Frage: „Wir sind doch keine Bank.“ F

lughafen-Anbindung: An vier Airports in Deutschland halte der ICE bereits. „Das muss auch in München irgendwann kommen“, wünscht der Bahnchef. Zunächst werden aber nur bessere Anbindungen für den Regionalverkehr aus Nord- und Südostbayern geplant.

David Costanzo

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