Der ganze Körper ist betroffen 

Münchner Ärzte warnen vor hohem Handy-Konsum: So krank werden unsere Kinder 

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Neun von zehn Kindern und Teenagern haben bereits ein Handy. 

Neun von zehn Kindern und Teenagern haben bereits ein Handy. Vor den drastischen Folgen warnen nun Münchner Ärzte. 

München - Im Kinderzimmer, im Schulbus, in der U-Bahn, auf Parkbänken - sie sind überall: Kinder, die gebannt auf ihr Handy starren. Studien zeigen, dass mittlerweile knapp 90 Prozent aller Zwölf- bis 18-Jährigen ein Handy besitzen. Bei den Zehnjährigen sind es knapp 70 Prozent. Auch deshalb schlagen Mediziner des Städtischen Klinikums München jetzt Alarm - denn die Smartphones können nicht nur psychisch, sondern auch physisch krank machen! 

Die „Generation Kopf unten“ nennen die Ärzte die jungen Dauer-Tipper. Die Vernetzung bringt zwar auch Vorteile mit sich, doch gerade exzessiver Medienkonsum kann unter anderem zum „Smartphone-Buckel“ und „Handydaumen“ führen. „Immer mehr Kinder und Jugendliche entwickeln eine Fehlhaltung, manchmal ist die Nacken- und Rückenmuskulatur sogar so sehr verändert, dass eine Operation nötig wird“, erklärt Kinderorthopädin Dr. Cora Behnisch-Gärtner vom Klinikum Schwabing. 

Die Medizinerin veranstaltet daher mit Kollegen  - unter anderem  der Chefärztin für Kinder- und Jugendpsychosomatik Sigrid Aberl - einen Info-Abend zur Handy-Gefahr am 20. September im Hörsaal der Kinderklinik Schwabing. Beginn: 17.30 Uhr. Alle Infos gibt es unter www.klinikum-muenchen.de. In der tz erklären die zwei Expertinnen vorab schon einmal genau, wie und wo Handys unsere Kinder krank machen können. 

In Hamburg demonstrierten Kinder gegen den hohen Handy-Konsum vieler Eltern.

So leidet der Rücken unter hohem Smartphone-Konsum

Auch der Rücken leidet durch das Dauer-Tippen. „Die Halswirbelsäule trägt das Gewicht des Kopfes, im aufrechten Gang ist das aber viel geringer als in gebeugter Haltung“, so Dr. Behnisch-Gärtner. Beim mobilen Medienkonsum wirke stundenlang die bis zu fünffache Gewichtskraft auf Wirbelsäule, Muskeln, Sehnen und Bänder! „Auf Dauer macht das die Nacken- und Rückenmuskulatur der Jugendlichen nicht mit - es kommt zu Haltungsschäden wie einem Buckel, zu Muskelzerrungen und eingeklemmten Nerven.“

Ärzte warnen: Besonders der Kopf durch hohen Smartphone-Konsum gefährdet

Wer viel aufs Handy starrt, schadet besonders auch seinem Kopf und seinem Nacken. „Beim Surfen recken Jugendliche den Hals nach vorne, der Blick neigt sich nach unten“, erklärt Dr. Cora Behnisch-Gärtner. „Die Hals- und Nackenmuskulatur passt sich mit der Zeit dieser Haltung an, es entsteht der sogenannte Smartphone-Nacken.“ Und der hat Folgen - wie beispielsweise Kopfschmerzen, Sehstörungen und Schwindelgefühle. Was dagegen hilft? Am besten weniger das Handy nutzen. Zudem sollte der Nacken regelmäßig trainiert werden, wie etwa durch Kopfkreisen.

Dauerkrankheit Handy-Konsum: Auch der Daumen ist betroffen

Das Smart-phone bedeutet auch Dauerstress für die Daumen. „Viele Jugendliche texten einhändig, dadurch wird der Daumen übermäßig beansprucht“, erläutert Dr. Cora Behnisch-Gärtner. „Die Folge sind Verschleiß und Sehnenscheiden-Entzündungen, wie sie sonst üblicherweise in hohem Alter auftauchen.“ Der Daumen führt nämlich zudem beim Wischen und Tippen viele schnelle Bewegungen aus, die er evolutionstheoretisch gar nicht gewohnt ist. Wer Schmerzen verspürt, sollte schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, warnen die Mediziner.

Handy-Konsum ist schlecht für die Seele

Handy-Glotzen macht einsam! „Auch wenn die sozialen Medien das Gegenteil suggerieren, isolieren sich Jugendliche mit gesenktem Blick immer mehr von der realen Außenwelt“, erklärt Expertin Dr. Sigrid Aberl. „Ihnen fehlen zunehmend wichtige Handlungskompetenzen im zwischenmenschlichen Kontakt, was Ängste verstärken kann.“ Gleiches gilt für Essstörungen. Aberl: „Manche Jugendliche sind so in die digitale Medienwelt vertieft, dass sie das Handy nicht einmal zu den Mahlzeiten weglegen.“ Und somit immer unregelmäßiger und seltener essen.

Hoher Handy-Konsum lässt die Beine vernachlässigen

Der tägliche Handy-Wahnsinn macht unseren Nachwuchs auch träge und dick. „Wer mit dem Handy auf der Couch liegt, bewegt sich nicht. Dadurch bildet sich die Beinmuskulatur nach und nach zurück, der Bewegungsmangel führt zu Übergewicht schon in jungen Jahren“, erklärt Dr. Cora Behnisch-Gärtner. Wichtig ist hier, für die Jugendlichen einen Ausgleich anzubieten: Sport-Aktivitäten mit Freunden in einem Verein beispielsweise. Die Zahlen sind jedenfalls deutlich: Über 3,5 Millionen Jungen und Mädchen in Deutschland leiden schon an Übergewicht. Tendenz steigend.

In Kassel wurde ein 39-Jähriger, durch seinen Handy-Konsum derart abgelenkt, Opfer eines Überfalls.

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