Drei weitere Asylbewerber in Klinik

Streikende Flüchtlinge trinken auch nichts mehr

+
Den Flüchtlingen im Hungerstreik in München geht es immer schlechter.

München - Die Lage bei den Flüchtlingen im Hungerstreik am Sendlinger Tor spitzt sich zu: Den Asylbewerbern geht es immer schlechter. Trotzdem verweigern sie jetzt auch noch das Trinken.

Langsam schwinden die Kräfte: Seit Samstag sind Asylbewerber am Sendlinger Tor im Hungerstreik. Sie demonstrieren für mehr Rechte, ein Bleiberecht und eine bessere Unterbringung. „Wir wollen einfach ein Teil dieser Gesellschaft sein“, sagte der junge Flüchtling. „Wir bringen viele Talente mit, aber wir haben keine Möglichkeit, das zu beweisen," sagte einer der Streikenden.

Jetzt spitzt sich die Lage zu. Die ersten Streikenden sind körperlich am Ende. „Einige von uns fühlen sich kontinuierlich schlechter“, hieß es in einer Mitteilung der Flüchtlinge.

Trotzdem haben die Flüchtlinge in der Münchner Innenstadt den Protest nochmals verschärft. „Seit 12.00 Uhr mittags befinden wir uns im trockenen Hungerstreik und verzichten auch aufs Trinken“, erklärte ein Asylbewerber am Mittwoch.

Erste Flüchtlinge im Krankenhaus

In der Nacht zum Mittwoch sind drei weitere Flüchtlinge, die sich in München an dem Hungerstreik beteiligt haben, in ein Krankenhaus gebracht worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats. Bereits am Dienstag hatten zwei Flüchtlinge über Taubheitsgefühle in Armen und Beinen geklagt und mussten in einer Klinik behandelt werden.

Eine Räumung der Protestversammlung sei derzeit nicht geplant, sagte Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle. „Wenn aber Gefahr für Leib und Leben der Flüchtlinge besteht, müssen wir tätig werden und die Versammlung auflösen.“

Gemischte Reaktionen auf den Streik

Vermittlungsversuche waren bisher nicht erfolgreich. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte am Montag mit den Flüchtlingen gesprochen und Hilfe angeboten, wenn sie ihren Protest beenden. Die Flüchtlinge aber trauen dem Angebot nicht. „Uns wurden viele Versprechungen gemacht - darauf können wir uns nicht verlassen,“ sagte ein Streikender.

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Martin Neumeyer (CSU), kritisierte den Hungerstreik. „Die Bereitschaft unserer Bürgerinnen und Bürger, den bei uns ankommenden Flüchtlingen zu helfen, war selten so groß wie in diesen Tagen“, erklärte Neumeyer. Der Hungerstreik verzerre das Bild der Flüchtlinge und mindere die hohe Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung.

Unterstützung für den Protest kam vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Die Staatsregierung treibt mit ihrer sturen Asylpolitik Flüchtlinge in die Verzweiflung“, erklärte Sprecher Ben Rau. Die Bedingungen in den Flüchtlingsunterkünften seien teils miserabel. Der Zugang zu Arbeit und Bildung sei vielfach erschwert bis unmöglich. „Die Staatsregierung hat es in der Hand, den Protest zu deeskalieren.“

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion