Lösungen für das Platzproblem

In Münchens Zukunft sollen Hochhäuser nicht mehr tabu sein

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Einer der studentischen Entwürfe, die in der Ausstellung gezeigt werden. 

Kein Platz. Immer mehr Menschen. Zu wenig Wohnraum. Die bayerische Landeshaupstadt platzt bald aus allen Nähten. Jetzt gibt es erste Ideen. München soll an den Wolken kratzen. 

München - In was für einem München werden wir künftig leben? Diese Frage stellt sich die Jahresausstellung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung in der Rathausgalerie (bis 8. März, täglich 11-19 Uhr, Eintritt frei). Das Motto: „München weiterdenken – 125 Jahre Stadtentwicklung“. Vor 125 Jahren nämlich übernahm der junge Architekt Theodor Fischer die Leitung des ersten Stadterweiterungsbüros in München. Stadtplanung ist aktueller denn je: München wächst und wächst, 2035 wird es voraussichtlich 1,85 Millionen Einwohner haben. 

Die Ausstellung schaut sich die Themen Wohnungsbau, Architektur, Freiräume und Mobilität genauer an. München muss in Zukunft auch in die Höhe denken, so Stadtbaurätin Elisabeth Merk (54, parteilos) und OB Dieter Reiter (59, SPD). Stichwort: Hochhäuser.

Hochhäuser sollen nicht mehr tabu sein

Es ist ein Thema mit Zündstoff, an das sich Stadtbaurätin Elisabeth Merk wagt: München und Hochhäuser. Die Stadt müsse fit für die Zukunft gemacht werden – und dabei müsse auch wieder über das Thema Hochhäuser nachgedacht werden, sagte sie ­am Donnerstag bei der Ausstellungs-Eröffnung. „Wir müssen die Hochhausfrage modernisieren.“ Merk will dem Stadtrat noch im ersten Halbjahr vorschlagen, eine Hochhausstudie in Auftrag zu geben! 

Das Thema ist heikel: 2004 ­wurde in einem Bürgerentscheid mit knapper Mehrheit beschlossen, dass keine Häuser gebaut werden sollen, die höher als 100 Meter sind. Der Bürgerentscheid war zwar rechtlich nur ein Jahr bindend, die politische Bindungswirkung solcher Entscheidungen ist in der ­Regel aber durchaus länger. 

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Auch wenn es immer wieder Diskussionen gab: Hochhäuser galten als Wohnhäuser lange als zu teuer, Luxuswohnungen gibt es schon genug. Merks Idee: Wohnungsbaugenossenschaften Hochhäuser bauen lassen — und so bezahlbaren Wohnraum schaffen. So könnten auf relativ kleiner Fläche viele Wohnungen entstehen. 

Vorstellbar sei es dabei auch, dass über 100 Meter hohe Häuser gebaut würden. „Wichtiger als die Frage der Höhe ist die, wie die Hoch­häuser von der Infrastruktur angeschlossen werden und wie die Erdgeschosse genutzt werden.“ 

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OB Dieter Reiter steht dem Hochhaus-Plan positiv gegenüber. „Mehr Hochhäuser für München kann ich mir gut vorstellen, jedenfalls dort, wo sie hinpassen.“ Auch ausgefallene Ideen seien gefragt: „Ich möchte das Signal an Architekten aussenden, uns außergewöhnliche Entwürfe für Hochhäuser zu schicken.“ Ziel sei es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Spiel, Sport, Natur – der OB will die Dächer beleben

Ein Zukunfts-Projekt, das OB Dieter Reiter 2018 angehen möchte: die Neu-Nutzung von Münchens Hausdächern. „Ich würde heuer gerne sehen, dass wir auf einem Dach einen Sportplatz eröffnen“, sagte Reiter bei der Ausstellungs-Eröffnung in der Rathausgalerie zur tz. Auch Spiel­plätze, Gemeinschaftsflächen mit Brunnen und Plätzen zum Garteln („Urban Gardening“) könnten hier eingerichtet werden. „Natürlich sicher abgezäunt, damit nichts passieren kann.“ 

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Ein erstes derartiges Projekt, das Dachflächen nutzt, gibt es seit Oktober vergangenen Jahres. Damals zog eine Schafherde auf ein Dach im neu entstehenden Werksviertel Mitte. Eine stärkere Nutzung von Dächern ist aus Metropolen wie New York bekannt. Dort gibt es Sportplätze, Gärten und Pool-Anlagen in luftigen Höhen. München war bei dem Thema bislang recht zurückhaltend. 

Schon vergangenes Jahr hatte der OB ein Vorzeige-Objekt realisiert: die Überbauung des öffentlichen Parkplatzes am Dantebad. Dort errichtete die Stadt auf Stelzen 100 Wohnungen, der Großteil der Parkplätze blieb erhalten.

Modell zeigt, wie eng es wird

Abgesehen von Freiham und dem Münchner Norden, gibt es nicht mehr viele freie Flächen im Stadtgebiet. Deswegen ist Nachverdichtung in bestehenden Vierteln ein wichtiges Thema bei der Stadtplanung. Die Stadt lässt in Innenhöfen neue Gebäude bauen, an bestehende Häuser anstocken oder Baulücken schließen. 

Dina Straße von der Stadtplanung mit einem Modell, das die Bebauungsdichte in München zeigt. Je höher die Stäbe, desto dichter.

„Das Thema Nachverdichtung birgt viel Sprengkraft“, sagt Dina Straße (47) vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. „Kein Münchner möchte, dass bei ihm verdichtet wird. Aber jeder weiß, dass etwas passieren muss.“ Wichtig sei es, den Bürgern zu vermitteln, dass eine Nachverdichtung auch positive Folgen habe: etwa neue Stadtteilzentren oder mehr Schulen. In der Ausstellung zeigt ein Modell, wie viel alleine von 2012 bis 2016 in bestehenden Vierteln gebaut wurde. Die höchsten Holzstäben symbolisieren die größte Bebauungsdichte in München – ganz vorne liegt dabei das südliche Bahnhofsviertel. 

Die blauen Balken zeigen an, wo die Stadt in welchem Maße nachverdichten ließ. So hat etwa die Dichte in Ober­sendling durch die Bebauung der ehemaligen Siemenswerke stark zugenommen. Ein Viertel, in dem die Stadt über eine Nachverdichtung nachdenkt, ist Neuperlach. Im Mai legte OB Dieter Reiter den Grundstein für den Umbau des Hanns-Seidel-­Platzes zum modernen Quartierszentrum. 

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