US-Car-Händler Karl Geiger im Interview

"Ein Porsche ist für uns kein Maßstab mehr"

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Karl Geiger - Inhaber von Geiger-Cars kaufte seine erste Corvette in Einzelteilen.

München - Gelernt hat er - wie es sich als Schwabe gehört - bei Mercedes. Nach dem Umzug nach München dauerte es nicht lange und Karl Geiger kam zu seinem ersten Ami: Einer Corvette. In Einzelteilen, verpackt in unzählige Kisten ...

Zamdorfer Straße, München. Direkte Autobahnnähe, der Lärm der A94 ist allgegenwärtig. Gleich zu Beginn der Straße ein Harley-Davidson-Händler, eine Vermietung für Baulifte, daneben ein Recycling-Unternehmen, das im Minutentakt Altglas schreddert. Hier hat er sein Autohaus: „Geigercars“. Inhaber: Karl Geiger, 56, geboren in Hasel im Schwarzwald. Ein 9000-Seelen-Dorf, wie er selber sagt. Ein Schwabe in München, Ausbildung bei Daimler-Benz, verkauft große, schnelle und schwere, große amerikanische Fahrzeuge. Ausschließlich. 500 bis 700 Fahrzeuge verlassen nach seinen Angaben pro Jahr das Autohaus.

Leistung ist angesagt

In einem Zeitalter, in dem Elektroautos staatlich gefördert werden sollen, macht Geiger gute Geschäfte mit großen Achtzylindern. Grund genug für den Sender DMAX, dem Mann im Alltag mal auf die Finger zu schauen, wie heute so ein Geschäft läuft, bei dem die Frage nach dem CO2-Ausstoß nicht im Vordergrund steht, sondern Größe und Leistung. Und tatsächlich ist der Laden bei ihm voll mit mannshohen Boliden, die PKWs sein sollen, aber LKW-Dimensionen haben und Sportwagen à la Chevrolet Corvette, die gern mal mit über 700 PS bestellt werden. Tuning ist nämlich eine weitere Spezialität des Wahl-Münchners. Karl Geiger ist locker, trägt keinen Anzug und besteht auf das "Du", als Anrede:

Karl, womit hast du eigentlich als Kind gespielt?

Karl Geiger: (lacht). Tja, jetzt würdest du gerne hören 'mit Puppen'. Tut mir leid, mit Autos. 'Matchbox' war damals meine Marke. Aber im ernst. Mein Vater war Fuhrunternehmer, hatte von daher natürlich schon viel mit Fahrzeugen zu tun und einen kleinen Autospleen hatte auch er schon. Natürlich nicht so extrem, wie ich.

Also eher bodenständige Marken?

Karl Geiger: Ja, was man halt so hatte. Auf dem Land und in Schwaben fuhren die Leute natürlich in der Regel einen Mercedes. Aber mein erstes eigenes Auto war ein VW Käfer und den habe ich mit zehn bekommen.

Mit zehn Jahren? Du hast als Knirps von zehn Jahren dein erstes Auto geschenkt bekommen? 

Karl Geiger: Aber ja. Das war natürlich kein Neuwagen, sondern ein Schrottauto, aber das fuhr noch. Wir hatten hinter dem Haus einen riesigen Acker und das war meine Piste. Nach der Schule heim, dann entweder mit einer alten NSU-Maschine so eine Art Motocross fahren oder eben mit dem Käfer. Und dann bin ich jeden Nachmittag Auto gefahren. 

Das hätte wohl jedem in dem Alter Spaß gemacht. Aber du bist bestimmt nicht nur gefahren?

Karl Geiger: Am Anfang schon, aber später habe ich die Autos auseinander genommen, mit dem Trennschleifer bearbeitet und den Schweißapparat vom Vater benutzt, so lange bis ich schweißen konnte. So fing das alles an, bis ich mit 15 dann bei Mercedes in die Lehre ging.

Münchner verkauft amerikanische Superschlitten

Du hast also ganz klassisch dein Hobby zum Beruf gemacht?

Karl Geiger: Ja, wirklich. Das war genau mein Ding. An Autos und LKWs schrauben, das wollte ich machen. Und ich hatte damals echt einen Mercedes-Stern ins Hirn gebrannt gehabt. Das war definitiv so.

Und wie kam der Schwabe dann zum Ami?

Karl Geiger: Das ist ganz einfach: Ich bin mit 18 Jahren vom Schwarzwald nach München ausgewandert. Hier hab ich mich dann das erste Mal selbstständig gemacht. Ich mietete eine kleine Reparaturwerkstatt in der Buttermelcherstraße und hab dort alle möglichen Fabrikate wie Renault, Citroën, Volkswagen und so weiter repariert. Bis mir dann eines schönen Tages mein erster Ami unter die Finger kam. Das war eine Chevrolet Corvette Baujahr 1971, komplett in Kisten verpackt.

Wie bitte? Das Auto war in Einzelteile zerlegt?

Karl Geiger: (lacht) Ja, echt jetzt. Ich habe den in Kartons und Kisten verpackt aus einer Tiefgarage herausgeholt. Der war halt günstig. Ich wusste auch gar nicht, wie das alles zusammen gehört, aber irgendwie hab ich den Wagen dann mit der Zeit zusammen gebaut.

Konnte dir da niemand helfen?

Karl Geiger: Eher weniger. Was ich damals nicht gleich erkannte, dass es ein ganz besonders Modell war, das ich da in Einzelteilen aus der Garage geschleppt hatte: Ein LT1, der damals schon über 400 PS hatte. Der war richtig geil. Aber es dauerte nicht lang, dann war das schon nicht mehr genug (lacht).

400 PS reichten nicht?

Karl Geiger: Ja, das ist richtig. Da hab ich mit dem Tuning angefangen. Andere Nockenwelle, anderer Vergaser, Karosserieveränderungen und so weiter. Und schon war ich drin, im Geschäft mit amerikanischen Autos. Ich bin dann auch zu Viertelmeilenrennen gegangen, zuerst habe ich nur zugeschaut und bald war ich dann selber am Start. Ich habe dann schnell viel gewonnen und das war für mich und mein Unternehmen natürlich eine gute Werbung.

Und wie bist du dann zum Neuwagengeschäft gekommen?

Karl Geiger: Die Kunden wollten das. Ich hatte viele Gebrauchtwagen verkauft, aber dann wurde die Nachfrage nach Neuwagen immer stärker und natürlich habe ich mich darum gekümmert. Das war allerdings nicht ganz einfach, denn der Markt dort funktioniert ganz anders als bei uns. Man muss da drüben alles im Voraus bezahlen keine Bank finanziert das. Das war für mich damals gar nicht möglich. Doch dann hatte ich Glück und fand einen Sponsor, der mir für ein Jahr 500.000 $ lieh. So bin ich dann rüber und hab jede Menge Autos gekauft. Dabei darf man nicht vergessen, dass damals eine Corvette nur etwa 25.000 $ gekostet hat.

Das ist günstig. Wann war das?

Karl Geiger: So etwa 1983/1984 muss das gewesen sein. Und du wirst es nicht glauben, kaum war ich wieder in München, waren die Autos ruck zuck verkauft. Ich hatte nicht nur Corvettes, auch Jeeps und Vans eingekauft, alles was mir eben auch gefallen hat. Davon ist nicht ein Fahrzeug übrig geblieben. Außer den Katalysatoren.

Wieso, was war denn mit denen? Funktionierten die nicht?

Karl Geiger:Doch, das wohl schon. Nur wussten wir nicht, was das ist. Das waren so große, schwere Dinger, die irgendwie keinen Sinn machten, also haben wir die rausgeschweißt und weggeschmissen.

Ihr habt die Katalysatoren weggeworfen?

Karl Geiger: Ja, die waren schwer und bleifreies Benzin gab’s hier sowieso nicht. Die wären eh kaputt gegangen. So haben wir immerhin Gewicht gespart und das spart ja auch Benzin (grinst). Mit den dritten Bremsleuchten war das genauso. Hier waren sie verboten, also mussten wir sie funktionsunfähig machen. Später, als sie Vorschrift wurden, kamen die Kunden zurück und wir mussten die Dinger wieder anklemmen. Verrückte Welt.

Zurück in die Kat-freie Zeit: Wie ist das bei so einer Auktion mit Oldtimern, wie der Corvette, die du heute in der Früh getestet hast? Darf man die vorher Probe fahren?

Karl Geiger: Nein, das geht nicht. Du machst dich schlau, dazu brauchst du drüben vertrauenswürdige Leute, die Ahnung haben. Dann fliegst du rüber, dann musst du blanko bezahlen – ich hab das Auto, das du heute gesehen hast, nicht mal angeschaut. Wenn das blöd gelaufen wäre, dann hätten wir heute eine richtige Mülltonne auf dem Hof gehabt, die nicht mal gelaufen wäre. Wenn du dir das dann nicht leisten kannst, da noch mal 20 Mille reinzustecken, dann hast du ein Problem. Auch das Wegstellen von so einem Fahrzeug musst dir ja erst mal leisten können, denn das Geld ist ja in jedem Fall erst mal weg.

Die Stadt München überlegt gerade ihre Dienstfahrzeuge auf Elektroautos umzustellen, alle Welt spricht vom Elektroauto und vom CO2-Ausstoß. Du verkaufst jedes Jahr mindestens 500 Autos, die als Spritsäufer verschrien sind. Was stimmt mit dir nicht?

Karl Geiger: Also zunächst einmal, das mit den Elektroautos finde ich toll. Wir haben auch den Chevrolet Volt verkauft, ein ganz wunderbares Auto. Oder auch der Tesla, das ist auch ein tolles Auto. Aber wenn ich jetzt nach Mannheim muss und muss dann in Stuttgart erst mal vier Stunden stehen, damit die Batterien aufgeladen sind und wenn ich zurück komme, dann muss ich wieder vier Stunden aufladen. Das wird ja eine Reise wie vor 100 Jahren. Tut mir leid, aber für so was habe ich wirklich keine Zeit.

Was sind das eigentlich für Kunden, die sich für deine Fahrzeuge interessieren? Sind noch Zuhälter dabei, so wie früher?

Karl Geiger: In der Anfangszeit stimmte das ganz bestimmt. „Vokuhila“ und „Uncle Sam-Jacken“, Jogginghosen und Turnschuhe waren bei vielen Kunden damals normal. Es waren schon viele Zuhälter dabei, aber jetzt, über die Jahre ... Nein, das hat sich komplett geändert. Das liegt sicherlich auch daran, dass so ein Auto heute keine 20.000 € mehr kostet, sondern 100.000 € und mehr. Und man darf auch nicht vergessen, dass auch gebraucht ein Mercedes SL billiger ist, als eine gebrauchte Corvette. Im Ernst: Wir haben keinen einzigen Zuhälter mehr in der Kundschaft. Da bin ich mir recht sicher. Die Zuhälter von heute fahren das gleiche, was viele Kaufleute fahren: Bentley.

Und welche Kunde kaufen dann?

Karl Geiger: Auf der einen Seite haben wir Handwerker. Die kaufen sich einen Dodge Ram, der kostet 50.000 €, da sparen sie sich einen Mercedes Transporter und ein Auto, das sie tagsüber bewegen. Aber wir haben auch Prominente, die sich ein edles Stück wie einen Ford GT leisten. Jeder zweite, der Geld hat, hat so ein Teil in der Garage stehen, das kannst du mir glauben. Das weiß halt nur keiner. Dann gibt es die Sportwagenfahrer, die schon einen Aston Martin oder eine Ferrari haben und noch eine Corvette dazu haben wollen, weil die halt derzeit alles reißt.

Drehen sich die Menschen nach einem amerikanischen Fahrzeug um oder schauen die weg?

Karl Geiger: Das kommt darauf an. Beim „Hummer“ habe ich es damals erlebt, dass ich beschimpft wurde, als ich damit gefahren bin. Das war grenzwertig, da haben sie mir an der Ampel den Stinkefinger gezeigt. Aber wenn ich mit einer Corvette Z06 oder einer Dodge Viper an die Tankstelle fahre dann dauert es nicht lange und dann fragt einer ob er ein Foto machen kann oder sich reinsetzten darf.

Ist denn ein Ami auch Autobahn tauglich?

Karl Geiger: Unbedingt! Die werden alle auf dem Nürburgring getestet und müssen an mehreren Tagen die Nordschleife durchfahren. Damit werden die sogar ausgezeichnet. Die Amis selber stehen da total drauf. Die lassen sogar bei der Viper in den rechten Türgriff den Nürburgring als Symbol einstanzen. Für die Amis ist die Nordschleife das Ding überhaupt. Jeder amerikanische Autofreak kennt die Nordschleife. Alle lassen sie auf dem Nürburgring testen.

Kannst du einen Porschefahrer von den Vorteilen einer Corvette überzeugen?

Karl Geiger: (setzt sich in Pose) Einen Porschefahrer muss ich nicht überzeugen, der braucht sich nur die Testberichte in der Fachpresse durchzulesen. Der kommt her und kauft. Die neue Corvette Z06 mit 659 PS ist so gut, da kann kein Porsche mehr mitriechen. Bei den Rennen, die wir fahren, sind die Porsches eine Verkehrsbehinderung. Die Dinger gehen nicht. Ein Porsche ist für uns kein Maßstab mehr.

Was fährst du eigentlich derzeit?

Karl Geiger: Ich fahre nur einen Jeep.

Wie viel PS?

Karl Geiger:720.

Ab Werk?

Karl Geiger: (lächelt) Nein, den bauen wir selber. Wenn dann ein Porsche Cayenne-Fahrer auf der Autobahn aufblendet, weil er überholen möchte, schere ich brav rechts ein und wenig später überhole ich ihn dann wieder. Na ja, ein bisschen Spaß muss sein, nicht wahr?

Interview: Andrew Weber

"Der Geiger - Boss of Big Blocks" 24. August jeweils Montags 22:15 Uhr auf DMAX

Gewinnen Sie ein Ford Mustang Coupé für ein Wochenende! 750 Kilometer haben Sie frei, um mit dem Fünf-Liter-Achtzylinder auf Spritztour zu gehen.  Satte 435 PS sorgen für den passenden Vortrieb. Hinweis: Nur soweit verfügbar (Alternativ stehen andere Ami-Schlitten zur Verfügung). Terminabsprache mit Geiger-Cars. Mindestalter 25 Jahre, in Deutschland gültiger Führerschein notwendig, ebenso Kreditkarte als Sicherheit. Siehe auch unten.

Das Gewinnspiel ist leider bereits beendet. Die Gewinner werden benachrichtigt.

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