Programm läuft schleppend

Investoren winken ab: Kein Interesse an „Wohnen für alle“

+
Das Prestigeprojekt: Über dem Parkplatz am Dantebad sind 100 günstige Wohnungen entstanden.

Es sollte ein wohnungspolitischer Paukenschlag sein. Doch das Programm „Wohnen für alle“ verläuft bislang schleppend. Grund: Das Interesse privater Bauträger tendiert gegen Null. 

München - Der Mangel an preiswertem Wohnraum – kein Problem beschäftigt die Stadt mehr. Vor allem Familien mit geringem Einkommen tun sich schwer, eine Bleibe in der Landeshauptstadt zu finden. Kreative Lösungen sind gefragt, um dem Mietpreiswahnsinn zumindest ein wenig entgegensteuern zu können. Im März 2016 hatte der Stadtrat daher das Pilotprojekt „Wohnen für alle“ beschlossen. Außer Familien sollen von der Initiative Auszubildende, junge Berufstätige und anerkannte Flüchtlinge profitieren. Bis 2019 hofft die Stadt auf diesem Wege 3000 neue Wohnungen zur Verfügung stellen zu können. Und zwar jeweils 1500 durch die städtischen Baugesellschaften und durch die private Wohnungswirtschaft. Erstes Etappenziel war es, dass spätestens 2017 etwa 1000 neue Wohnungen bezugsfertig sind.

Erst ein einziger privater Investor hat sich gefunden

Doch der Zeitplan ist in Gefahr geraten. 13 Standorte mit rund 900 Wohneinheiten hat der Stadtrat im Rahmen des Programms bisher beschlossen, fertiggestellt sind bis Jahresende etwa 600 Wohnungen. Während die Stadt ganz gut im Soll liegt, hat sich allerdings erst ein einziger privater Investor gefunden: An der Gärtnerstraße/Ecke Dürrstraße in Moosach baute die RMW Wohnungsgesellschaft auf einem städtischen Grundstück im Erbbaurecht eine Anlage mit 143 Wohneinheiten. „In einer Rekordzeit von zehn Monaten vom Baubeginn bis zur Belegung“, wie Alexander Reissl, der SPD-Fraktionschef im Stadtrat, weiß. Reissl rätselt daher, warum es mit den Privaten bisher nicht so gut läuft. „Das Projekt an der Gärtnerstraße hat ja gezeigt, dass es geht.“ Reissl empfiehlt der Stadt, das Modell, eigene Grundstücke im Erbbaurecht an private Investoren zu vergeben, öfter anzuwenden.

Planungsreferat bestätigt schleppenden Verlauf

Das städtische Planungsreferat bestätigt den schleppenden Verlauf des Wohnungsbauprogramms auf dem privaten Sektor. Die Gespräche mit Investoren, um diesen ein vorgezogenes Baurecht durch ein „Wohnen für Alle“-Projekt im Rahmen von Bebauungsplanverfahren zu ermöglichen, seien bisher nicht erfolgreich verlaufen, sagt der Sprecher der Behörde, Ingo Trömer. Bei der Ursachenforschung ist man offenbar noch nicht weiter gekommen. Dass mit dem Projekt womöglich kein Geld zu verdienen ist, glaubt zum Beispiel Alexander Reissl nicht. „Das Risiko bei einem Mietausfall geht gegen Null, weil die öffentliche Hand bei diesen Fördermodellen einspringt“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Eines räumt Planungsreferatssprecher Trömer ein: Das mangelnde Interesse der privaten Bauträger sei natürlich problematisch für das Programm. Es bleibe abzuwarten, welche Anzahl an Wohnungen bis 2019 erreicht werden könne.

100 günstige Wohnungen für 9,40 Euro Miete

Zu kämpfen hatte die Stadt bei dem ein oder anderen Projekt auch mit dem Protest von Anwohnern. Alles in allem ist die Geschichte aber ein Erfolgsmodell. Zum Beispiel das fünfstöckige Stelzenhaus am Dantebad an der Homerstraße, wo 100 günstige Wohnungen für 9,40 Euro Miete pro Quadratmeter entstanden sind. Das Gebäude wurde von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag über einem bestehenden Parkplatz errichtet. Weitere Gewofag-Bauten im Rahmen dieses Projektes finden sich an der Bodenseestraße 166, an der Schittgablerstraße und an der Franz-Albert-Straße. Die andere städtische Baugesellschaft GWG betreibt Wohnanlagen am Frankfurter Ring/Schmalkaldener Straße, an der Görzer-/ Puechbergerstraße, an der Grohmannstraße, an der Bodensee-/Mainaustraße, am Georg-Brauchle-Ring, an der Fortner-/Schleißheimer Straße sowie an der Lochhausener Straße.

Damit das Projekt „Wohnen für alle“ nicht weiter an Schwung verliert, fordert die SPD nun in einem Antrag, auf dem städtischen Grundstück an der Chiemgau-/Kagerstraße in Ramersdorf „Wohnen für alle“ zu realisieren. Dort plant die Verwaltung zwar einen neuen Bauhof. Doch das Grundstück ist groß genug, um noch andere Nutzungen zu ermöglichen. Reissl jedenfalls findet, das Areal biete sich für das Programm an – zumal die Zielzahlen längst nicht erreicht seien. Gegebenenfalls könne das Projekt auch im Erbbaurecht ausgeschrieben werden.

Es wäre dann der zweite private Investor.

Lesen Sie auch: Wohnraum fehlt bald für 80 000 Menschen

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn München: Probleme bei der S2
S-Bahn München: Probleme bei der S2
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Mann raubt Wiesn-Besucherin Handy - und führt Polizei direkt zu sich
Mann raubt Wiesn-Besucherin Handy - und führt Polizei direkt zu sich

Kommentare