Irrer Täter: 20.000 Euro für ein zerstörtes Leben

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Brigitte S. im Oberlandesgericht. Sie leidet noch unter der Tat, will ihr Gesicht nicht zeigen

Müchen - Brigitte S. war dienstlich ins Bezirkskrankenhauses Haar gerufen worden. Sie glaubte, dass ihr dort nichts passieren werde, die gefährlichen Kranken seien schließlich eingesperrt. Ein tragischer Irrtum:

Hendrik S. (44), der wegen einer Messer-Attacke auf einen Lehrer eingesperrt war, stürzte sich vor dem öffentlich zugänglichen Café auf die Justiz-Protokollantin, verletzte sie schwer! Der Täter, der freien Ausgang hatte, nahm seine Medikamente nicht. Am 28. August 2005 tickte er aus - der an Schizophrenie erkrankte Mann hatte plötzlich einen Schub bekommen. Er schlug die zierliche Frau brutal nieder. Er packte ihren Kopf und schlug diesen gegen die Rinnsteinkante - immer wieder! Ihr Leben ist seit diesem Vorfall zerstört, sie verlor ihren Job. Vor dem Oberlandesgericht klagte sie gegen den Bezirk Oberbayern als Träger der Klinik auf 120 000 Euro Schmerzensgeld.

Es sah erst schlecht für sie aus, denn ein Psychiatrie-Professor sagte als Gutachter aus, die Ärzte hätten keine Fehler gemacht - obwohl diesen bekannt war, dass der Täter eigenmächtig seine Medikamente nicht genommen hatte. Gestern korrigierte er sich ein bisschen, allerdings mit widersprüchlichen Aussagen. Man habe Hendrik S. nicht gleich wieder einsperren brauchen, sagte der Gutachter. „Es war vertretbar, dass man wartet.“ Andererseits sagte der Professor: „Man hätte auf den sinkenden Wirkstoff-Spiegel reagieren müssen.“ Richterin Maria Vavra regte schließlich einen Vergleich an, den beide Parteien widerruflich akzeptierten: 20 000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer. Im Prozess wurde bekannt: Hendrik S. ist mittlerweile wieder frei.

E. Unfried

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