Irres Ver-Boot: Stadt untersagt "Schwimmkörper"

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Auf frischer Tat ertappt: Gummiboote sind in München nämlich verboten – und Paddel erst recht …

München - Er hat ein knallrotes Gummiboot, mit diesem Gummiboot fahr’n wir hinaus – aber ganz bestimmt nicht auf Münchens Badeseen. Denn dort gilt allen Ernstes: Paddeln verboten! Und dabei wirbt die Stadt selbst mit dem Spaß …

André Ginsel (30) hat das vergangene Woche auf dem Birkensee im Münchner Norden erlebt: Der tz-Leser hat ein grünes Gummiboot – zum Aufblasen, vielleicht 1,90 Meter lang, reicht gerade so für zwei Personen, im Prinzip eine Luftmatratze mit Wänden. Damit stach er in See, als plötzlich Wachmänner auftauchten und ihn zurückbeorderten – mit der Grünanlagensatzung der Landeshauptstadt München winkend.

Darin steht Paragraph 2, Absatz 3, Satz 7 wirklich wortwörtlich: Verboten sei „das Einbringen und Benutzen von Booten und Schwimmkörpern“. André Ginsel konnte das kaum glauben. „Das ist doch ein Lacher“, sagt der Hobby-Kapitän. Die Wachmänner hätten aber versichert, dass sie gerade erst mehrere Seebären samt Bötchen aus dem benachbarten Langwieder See gefischt hätten.

Tatsächlich hatte auch der SPD-Fraktionschef Alexander Reissl vor fast genau einem Jahr beantragt, dieses Ver-Boot aufzuheben: „An nahezu allen bayerischen Seen gibt es Freibadegelände, an denen auch Boote benutzt werden dürfen. Natürlich können beim Einsatz von Paddeln Badegäste gefährdet werden, aber mit ein wenig gegenseitiger Rücksichtnahme müsste das doch zu machen sein.“ Das zuständige Baureferat der Stadt hat sich bisher nicht zu einer Antwort durchringen können.

Mehr noch bringt den Badefreund André Ginsel zum Schäumen: Nach der Grünanlagensatzung sind ja auch „Schwimmkörper“ untersagt – dazu müssten zumindest nach Meinung Ginsels auch Schwimmflügel, Reifen und Luftmatratzen gehören. „Die würden aber geduldet, sagten mir die Wachmänner“, erklärt Ginsel. Das sei aber keine tragfähige Lösung: „Man muss sich das vorstellen: Damit ist jedes Kind mit Schwimmflügeln illegal, damit würde jede 25-Jährige auf der Luftmatratze nur toleriert. Es kann doch nicht sein, dass man als Bürger auf Gnade angewiesen ist.“ Am Ende habe ein Wachmann einen schlechten Tag und zerren die Kinder trotzdem raus.

Schließlich bewirbt ausgerechnet das Baureferat der Stadt auf seiner Internetseite den Feldmochinger See mit einem Gummiboot-Foto. Und vor genau einem Jahr schaltete die Stadt Werbeanzeigen in Münchens Tageszeitungen – mit dem gleich Paddel-Foto.

David Costanzo

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