Trauerfeier für Kultregisseur

Großes Kino mit Tränenfaktor: Über 800 Menschen nehmen Abschied von Joseph Vilsmaier

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Über 800 Freunde, Bekannte und Wegbegleiter nahmen am Montagmittag Abschied von Regisseur und Kameramann Joseph Vilsmaier in der katholischen Jesuitenkirche St. Michael Kirche in der Fußgängerzone.

Die zahlreichen Weggefährten des verstorbenen Joseph Vilsmaier sind sich einig: Ein wunderbarer Mensch und Bayer ist von uns gegangen. Bei der Trauerfeier im Herzen Münchens nahmen sie Abschied.

  • Kultregisseur Joseph Vilsmaier ist im Alter von 81 Jahren an Krebs gestorben.
  • Seine drei Töchter organisierten eine emotionale Trauerfeier im Herzen Münchens.
  • Zahlreiche Weggefährten erwiesen dem beliebten Künstler die letzte Ehre.

Joseph Vilsmaier ließ dem Krebs nicht lange Platz in seinem Leben. Deshalb wussten auch nur die engsten Freunde und die Familie, wie krank der Regisseur, Kameramann und Filmproduzent wirklich war. Am 11. Februar hat der Sepp, wie ihn alle nannten, den Kampf verloren, er schlief friedlich zu Hause ein, seine drei Töchter Janina (33), Theresa (30) und Josefina (27) an der Hand. Sie waren es auch, die die große Trauerfeier am Montag in St. Michael organisierten - und es wurde eine letzte große Inszenierung für ihren Papa. Großes Kino eben, wie es der mit 81 Jahren gestorbene Sepp geliebt hat - mit Tränen-Faktor. Die Beisetzung seiner Urne wird später im engsten Familienkreis stattfinden.

Was den Regisseur Joseph Vilsmaier auszeichnete? Weggefährten erzählen

Die Nachricht von Joseph Vilsmaiers Tod hat Günther Maria Halmer nicht nur überrascht, sondern schwer erschüttert. Von dessen Krebserkrankung ahnte er nichts. „Der Sepp und der Tod, das passt nicht zusammen“, sagt der Schauspieler, der mit Vilsmaier das berühmte Familiendrama Der Meineidbauer gedreht hat. „Der Sepp war humorvoll, witzig, tolerant, großzügig, ein wunderbarer Bayer, ein wunderbarer Münchner.“

Der Mensch Vilsmaier mit dem großen Herzen ist es auch, an den sich die prominenten Trauergäste an diesem Montagmittag vor St. Michael erinnern. Sie stehen frierend in kleinen Gruppen zusammen, kaum einer ist unter ihnen, der nicht mit Vilsmaier gearbeitet hat. Regisseur Otto Retzer kennt bis heute keinen Zweiten in der Filmbranche, der so ruhig und besonnen gearbeitet hat wie Vilsmaier. „Er ist nicht mal nervös geworden, geschweige denn, dass er die Leute angeschrieen hätte. Und, das rechne ich ihm hoch an, er hat nie schlecht über andere Menschen geredet.“

Video: Viel Prominenz auf der Trauerfeier für Kult-Regisseur Joseph Vilsmaier

Der Sepp war einer, mit dem man Klartext reden konnte – wie Ex-Unions-Fraktionschef ­Volker Kauder, der bei dem Regisseur quasi einen Film bestellt hat, damals 2006 als sie sich bei beim Franziskaner trafen. „Ich wollte einen Film haben, der Flucht und Vertreibung zum Thema hat. So sind wir auf die Gustloff gekommen“, erinnert sich Kauder, der später den gesamten Bundestag zur Sondervorführung des TV-Dramas eingeladen hatte. „Er war ein großartiger Regisseur, der die Heimat in neuen Dimensionen gezeigt hat.“ Auch Markus Söder hat sich vor der Trauerfeier für Vilsmaier mit bewegenden Worten über ihn geäußert

Eine, die noch liebend gern mit Vilsmaier gedreht hätte, ist Britgitte Hobmeier. Die Münchner Star-Schauspielerin (spielte dreimal die Buhlschaft in Salzburg) und der bayerische Regisseur hatten bereits Filmpläne. „Daraus ist jetzt nix mehr geworden, sehr schade“, sagt’s und verschwindet auf einem der letzten freien Bankplätze.

Trauerfeier für Joseph Vilsmaier: Zahlreiche Münchner Prominenz anwesend

Ebenfalls unter den Trauergästen: Schauspielerin Uschi Glas. „Wir haben erstaunlicherweise nie zusammen gearbeitet, aber der Josef hat mich immer begleitet, schon von meinen ersten Schritten an in München. Ich habe ihn bewundert, er war ein Kämpfer.“

Unternehmerin Traudi ­Kustermann erinnert sich noch genau, wie der Sepp jeden Sonntag nach seinem Ausflug von Starnberg bei ihr im Alten Wirt in Forstenried vorbeischaute, auf eine Brotzeit im Biergarten. Auch dabei: Berlins BMW-Statthalter Hans-Reiner Schröder, der für seinen Freund und die Trauerfeier seinen Dubai-Urlaub unterbrochen hat. Seine schönste Erinnerung an den Kultregisseur hat er noch zu Hause auf DVD. „Sepp drehte für mich einen Film mit seiner Dana, Katja Riemann und Sonja Kirchberger. Er hieß Drei Engel für den 7er“. Den Film verschickte Schröder einst an 1200 Gäste als Einladung zur Auto-Präsentation.

Münchens OB Dieter Reiter und Schauspieler Elmar Wepper (l.) bei der Trauerfeier für Joseph Vilsmaier.

Vilsmaier kannte und konnte mit vielen: Mit Unternehmern und Politikern, mit Künstlern und mit Kollegen. Und alle kamen sie, um ihm die letzte Ehre zu erweisen: Regisseur Peter Zenk, die Kinobetreiber Franz und Evi Pressmar, Ex-FFF-Chef Klaus Schaefer, Leonine-Chef Fred Kogel, Filmproduzent ­Stefan Arndt, Wiesn-Wirte wie Edi Reinbold mit seinen Söhnen Ludwig und ­Mathias – bei ihnen im Franziskaner fand der anschließende Leichenschmaus statt.

Vor einigen Jahren sprachen Joseph Vilsmaier und seine Tochter Josefina im tz-Interview ihre Zusammenarbeit am Set - und den familiären Zusammenhalt nach dem Tod der Ehefrau und Mutter.

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