„Mehrweg statt Einweg“

Kaffee-To-Go-Wahnsinn: KVR-Kantine schafft Wegwerf-Becher ab

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Werben für Mehrweg: Alexander Dietrich und Axel Markwardt an der Kaffeebar des KVR. 

Im Kampf gegen die Flut von Einweg-Getränkebechern geht die Stadt mit gutem Beispiel voran. Die städtischen Kantinen setzen jetzt konsequent auf Mehrweg, um die Umwelt zu entlasten.

München - Kommunalreferent Axel Markwardt bemüht gern eine Zahl, „um die Dimension des Problems deutlich zu machen“, wie er sagt: In München werden jeden Tag 190.000 Kaffee-to-go-Becher weggeworfen. Bundesweit sind es schwindelerregende 3,8 Milliarden im Jahr. Deren Herstellung, so rechnet Markwardt vor, verbrauche 3000 Tonnen Rohöl und 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Müllberg belaste die Atmosphäre mit 111.000 Tonnen Kohlendioxid.

Der To-go-Becher ist ein Monster

Der To-go-Becher – ein Monster, dem der kurz vor der Pensionierung stehende Referent den Kampf angesagt hat. Und weil es, wie er sagt, absurd wäre, den Bürger zur Abkehr von der Wegwerfkultur anzuhalten, selbst aber weiterhin Pappbecher zu verwenden, hat Markwardt den Chef der städtischen Kantinen als Verbündeten gewonnen: Personalreferent Alexander Dietrich.

Jüngster Erfolg: Die Kaffeebar der KVR-Kantine an der Ruppertstraße hat auf Mehrweg umgestellt. Kunden, die sich einen Cappuccino in ihren Wartebereich mitnehmen möchten, und Mitarbeiter auf dem Weg ins Büro greifen jetzt zu Mehrweg-Pfandbechern des Anbieters Recup, der seit 2017 in München präsent ist. Mittlerweile sind 274 Verkaufsstellen in der Stadt angeschlossen. Bis zu 500 Mal werden die Becher gereinigt. Erst dann haben sie als Kaffeebehälter ausgedient. Das Material, so versichert Markwardt, lasse sich dann hervorragend recyceln. Das KVR ist in guter Gesellschaft: In der Rathauskantine werden Heißgetränke in Porzellan oder Mehrwegbechern ausgeschenkt. Das Baureferat nutzt schon lange vornehmlich Porzellangeschirr und Gläser, die vollständige Umstellung auf Mehrweg steht kurz bevor. Im Abfallwirtschaftsbetrieb gibt es Heißgetränke nur aus Porzellantassen und Gläsern oder aus selbst mitgebrachten Mehrweggefäßen. Der städtische Eigenbetrieb IT@M nutzt Mehrwegbecher. Auch die Gastronomiebetriebe im Tierpark Hellabrunn haben im Frühjahr geschlossen auf das Recup-System umgestellt. Im Kommunalreferat wacht Axel Markwardt persönlich: „Wenn ich in der Früh einen Mitarbeiter mit einem Coffee-to-go-Becher erwische, nehm’ ich ihm den sofort weg“, verrät der Chef augenzwinkernd. Große Veränderungen beginnen eben im Kleinen.

Pfandbecher statt Pappbecher

Auch die großen Ketten wie Starbucks seien aufgewacht, sagt Markwardt. „Die arbeiten an eigenen Systemen, aber solange das Mehrweg ist, soll es mir recht sein.“

Was Kaffee angeht, sind sich Markwardt und sein Referentenkollege Dietrich sehr ähnlich. Drei bis vier Tassen, meistens schwarz, sind ihr Tagespensum. Bei Markwardt kommt noch eine Kanne Ingwertee dazu, den er sich selbst frisch zubereitet. Und beiden würde es nicht im Traum einfallen, den Kaffee irgendwo unterwegs hastig hinunterzustürzen. „Die Viertelstunde, bis ich im Büro oder zuhause bin, kann ich warten“, sagt Markwardt. Dietrich ergänzt: „Ich bin ja meistens mit dem Radl unterwegs. Da wäre Coffee to go nicht so praktisch.“ Die Einweg-Kultur, so das Credo der beiden, sei nicht nur für die Natur ein Problem. Sie schmälere auch den Genuss.

Apropos Genuss: Axel Markwardt hat einen Geheimtipp parat. „Eine Messerspitze Ingwerpulver in die Tasse, bevor man den Kaffee eingießt“, rät er. „Dann schmeckt’s besonders gut.“

Von Peter T. Schmidt

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