Frustpotenzial soll sinken

Kampf um Kita-Plätze in München: Neuerung verspricht große Erleichterung für Eltern

Viele Eltern haben einen langen Weg zu bewältigen, um den Nachwuchs in die Kita zu bringen. Das könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören: Für Münchner gibt es eine wichtige Neuerung.

  • Ein Kita-Platz in der Nähe des Wohnortes? Bislang ein schwieriges Unterfangen.
  • Zum September 2020 wird die Suche nach einem Betreuungsplatz einfacher.
  • Die Stadt vermeldet die Weiterentwicklung ihrer kritisierten Online-Plattform.

Update vom 23. Dezember: München - Die Landeshauptstadt zeigt ein Herz für Kinder - und ihre Eltern: Ab sofort können diese nämlich bei der Anmeldung eines Krippen- oder Kindergartenkindes eine Kita als „bevorzugt“ kennzeichnen - damit erfüllt die Stadt einen wichtigen Wunsch der Münchner Eltern. Möglich macht dies der „kita finder +“, eine viel kritisierte Online-Plattform, die die Stadt jetzt weiterenwickelt hat. 

Wer für September 2020 einen Platz sucht, sollte sich bis 25. März 2020 mit Priorisierung anmelden. Das bedeutet: Wer eine Kita als bevorzugte Einrichtung im Bereich Krippe oder Kindergarten kennzeichnen will, kann das ab sofort tun. Auch bei einer neuen, erstmaligen Anmeldung ist die Priorisierung möglich. 

Künftig stehen die Chancen gut, den Platz in einer Kindertagesstätte in der Nähe des Wohnortes zu bekommen.

Lange Zeit hat München die Probleme mit fehlenden Plätzen in den Kindertagesstätten trotz Kita-Finder nicht in den Griff bekommen. Manche Eltern wie Paul T., über den wir kürzlich berichteten, haben eine lange Zeit für die Fahrt zu bewerkstelligen. Diese Fälle sollen mit dem neuen „kita finder +“ der Vergangenheit angehören.

Verzweifelter Kampf um die Kita-Plätze - so wehren sich die Eltern in Not

Ursprungsmeldung: Nun geht er wieder los, der Horror bei der Kitaplatz-Suche! Und in diesen Tagen bekommen hunderte Münchner Eltern Post mit schlechten Nachrichten von der Stadt. So wie Benjamin David (42), Chef der Urbanauten und des Vereins Isarlust, und seine Frau Angelika. „Wir sind ratlos“, sagt David. Seine drei Söhne im Alter von acht, sieben und einem Jahr sind bei der Platzvergabe über das Online-Portal Kita-Finder leer ausgegangen.

Die beiden Großen, Grundschulkinder, haben keinen Hortplatz, der Kleine keinen Krippenplatz. Weil die Briefe mit den Zahlen 2973, 2975 und 2976 versehen sind, vermutet David, dass mindestens 3000 solcher Schreiben in den vergangenen Tagen in Münchner Briefkästen gelandet sind!

Wegen zu teurer Wohnung in München Umzug nach Pasing

„Wir können uns das Wohnen in der Innenstadt nicht mehr leisten und ziehen im September ins Haus meiner Eltern nach Pasing“, so David. Daher habe die Familie sich dort für die Betreuung ihrer Kinder bei mehreren Einrichtungen beworben.

Fakt ist: Nur für 64 Prozent der Ein- bis Dreijährigen gibt es stadtweit einen Krippenplatz. Und: In manchen Stadtbezirken ist der Versorgungsgrad weit schlechter. Die große Kluft verdeutlichen die Zahlen, die das Referat für Bildung und Sport (RBS) herausgibt: Aktuell gibt es 22.600 Plätze für unter Dreijährige. Im Januar 2019 lebten aber 48.696 Kinder unter Drei in der Stadt.

„Rechtsanspruch auf Krippenplatz nichts anderes als PR der SPD“

Für David ein unhaltbarer Zustand. „Diese Politik ist lachhaft“, sagt er. „Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist nichts anderes als PR der SPD.“ Eine Bekannte aus der Au habe für ihr Kind einen Krippenplatz bekommen - im Hasen­bergl. David: „Das kann es doch nicht sein.“

Dass es bei der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern nicht besser aussieht, weiß das Ehepaar Tina Nakonz (48) und Carel Boer (48) aus Feldmoching. Für Sohn Ties (6), der im September eingeschult wird, braucht die Familie einen Hortplatz. Bekommen hat sie eine Mittagsbetreuung. „Da gibt es aber keine Ferienbetreuung, und die Öffnungszeiten reichen nicht“, so die Managerin.

Tina Nakonz (48) und Gatte Carel (48) bräuchten dringend einen Hortplatz für ihren Sohn Ties.

RBS-Sprecherin berichtet von „einigen Meldungen offener Bedarfe“

Bei der Elternberatungsstelle lägen für den Grundschulbereich „einige Meldungen offener Bedarfe vor“, sagt RBS-Sprecherin Katharina Rieger. Gemessen an der Gesamtzahl von 35.000 Plätzen für die Ganztagsbetreuung seien es aber weniger als ein Prozent.

Wie viele Kinder in München derzeit noch auf einen Platz in Krippe, Kindergarten und Hort warten, lässt sich laut Bildungsreferat nicht beziffern. Da Eltern sich über den Kita-Finder in mehreren Einrichtungen anmelden können und womöglich trotz Platzzusagen noch auf Wartelisten stehen, werden diese derzeit bereinigt. Zudem gibt es auch Träger, die ihre Plätze nicht über den Kita-Finder vergeben. Klar ist nur: „Bis jetzt wurden für Herbst 2019 über den Kita-Finder 15.000 Plätze angenommen“, so Rieger.

Kinder zwischen einem und drei Jahren haben Anspruch auf Krippenplatz

Seit sechs Jahren haben Kinder zwischen einem und drei Jahren Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Bisher konnte die Stadt diesen weitestgehend gewährleisten. „Die steigenden Bedarfe sind eine Herausforderung“, gesteht Rieger ein. Doch die Stadt werde auch heuer den Rechtsanspruch erfüllen. „Die Versorgung aller suchenden Kinder wird sichergestellt.“

Seit Einführung des Rechtsanspruchs 2013 gab es 160 Gerichtsverfahren gegen die Stadt. 151 davon seien abgeschlossen, sagt Rieger. Und: Die Stadt habe noch keinen Prozess verloren. Das liegt jedoch mit daran, dass das Verwaltungsgericht 2013 entschied, dass eine Fahrzeit von einer Stunde über die Kita zum Arbeitsplatz „angemessen“ ist.

So viele Plätze gibt es - so viele Betreuer fehlen

In München gibt es derzeit 22.600 Plätze für Krippenkinder, 46.100 Plätze in Kindergärten und 35.000 Plätze für die Ganztagsbetreuung in der Grundschulstufe. Der Versorgungsgrad liegt im Krippenbereich für Ein- bis Dreijährige bei 64 Prozent, im Kindergartenbereich bei 93 Prozent und bei der ganztägigen Betreuung von Grundschulkindern bei 79 Prozent.

Trotz aller Maßnahmen zur Personalgewinnung sind bei den städtischen Kitas neun Prozent aller Erzieherstellen und 8,1 Prozent der Kinderpflegerstellen nicht besetzt. Das führe dazu, dass 3,5 Prozent der städtischen Kitaplätze nicht besetzt werden können.

Wie hoch ist eigentlich das Gehalt von Erzieherin? In diesem Artikel gibt es die ausführliche Antwort. Wie merkur.de* berichtet, gibt es in Schongau zwei Kita-Notgruppen, weil es trotz genügend Plätzen an Personal mangelt. Auch ein Thema bei merkur.de* ist die Situation in Weilheim, wo die Johanniter die Ganztagsbetreuung in der Mittelschule übernehmen. Außerdem berichtet merkur.de*, dass die späte Einschulung die Kita-Engpässe verschärft.

Zwei Kitas in Leipzig müssen von der Polizei geschützt werden, weil sie Schweinefleisch aus Rücksicht vor Muslimen vom Speiseplan gestrichen hatten.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

tz/mm

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Pleul

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