Darum wird‘s in der Stadt immer heißer

Schock-Studie: Klima-Kollaps in München

Klima-Studie 2040 für München: Eine Stadt am Siedepunkt.

Die Landeshauptstadt wächst rasant. Das hat nicht nur Folgen für Mietmarkt und Nahverkehr –sondern auch für das Klima. Und zwar fatale.

München - Eine Stadt am Siedepunkt! Die wichtigsten Fakten und Gründe und was Experten prognostizieren:

Heiß, heißer, Innenstadt: Schon jetzt beträgt der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Umland an manchen Sommertagen bis zu zehn Grad. Vor allem im nördlichen Bahnhofsviertel heizt es auf: „Hier entstehen im Sommer zusätzliche Wärmeinseln. Keine Grünflächen, kaum Bäume, Beton und Straße speichern die Hitze“, sagt Sebastian Gardt von Green City.

Bäume sterben für Wohnraum: Bis 2035 erwartet die Stadt 300 000 Neu-Münchner. Sie alle brauchen ein Zuhause. So will die Stadt pro Jahr 4500 Baugenehmigungen für Wohnungen ausstellen und 8500 Wohnungsschlüssel übergeben. Laut Bund Naturschutz (BN) verliert München jährlich zwischen 2000 und 3000 Bäume – die meisten müssen für Wohnraum weichen. 

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Manfred Siering, Vize-Vorsitzender der BN in München kritisiert das heftig: „Uns fehlt in naher Zukunft schlicht der Platz, um mit Bepflanzungen klimatisch noch gegensteuern zu können.“ Jeder gefällte Baum schwäche die natürliche Klimaanlage der Stadt. – je weniger Grün, desto mehr heizt sich eine Stadt auf. Zwar schreibt die Baumschutzverordnung für jeden Baum mit 80 Zentimetern Umfang in einem Metern Höhe, der einem Bauprojekt weichen muss, eine Ersatzpflanzung vor. Allerdings dauert es etwa 80 bis 100 Jahre, bis ein neuer Baum groß genug ist, um den ursprünglichen Kühlungseffekt zu entfalten. Viele Bauherren setzen sich auch schlichtweg über die Baumordnung hinweg.

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Globale Erwärmung: Hinzu kommt die globale Klimaerwärmung – derzeit etwa 0,16 Grad pro Jahrzehnt. Klima-Expertin Gudrun Mühlbauer vom Deutschen Wetterdienst (DWD): „Wir erwarten mehr Hitzetage und Tropennächte für München – das ist problematisch.“ Von Hitzetagen sprechen Experten bei einer Tagestemperatur über 30 Grad, in Tropennächten sinkt die Temperatur nicht unter 25 Grad. In München steigt der Anteil dieser Tage seit Jahrzehnten: So gab es 1961 bis 1991 im Schnitt nur 4,8 Hitzetage im Jahr, von 1981 bis 2010 waren es schon 8,4 – fast doppelt so viele. Spitzenreiter war der Sommer 2015: Hier zählten die Meteorologen sogar 33 Hitzetage. 

Schock-Prognose: So glühend heiß könnte es im Stadtgebiet werden

Die Grafiken des Deutschen Wetterdienstes zeigen die Zahl der Sommertage mit mehr als 25 Grad. Links die Durchschnittswerte von 1971 bis 2000, rechts die üngünstigste Prognose für den Zeitraum 2041 bis 2070. Je roter die Farbe, desto höher die Anzahl der Sommertage pro Jahr. 

Immer mehr Sonnentage in München

Man sieht deutlich: Die Zahl der Sommertage könnte in Zukunft deutlich zunehmen! Im Zeitraum 1971 bis 2000 gab es auf der Karte nur blaue und grüne Bereiche, also höchstens 48 Sommertage im Jahr. 2041 bis 2070 dagegen prognostizieren Experten bis zu 76 Sommertage pro Jahr! Die Werte basieren auf verschiedensten Daten und vermuteten Entwicklungen etwa bei Klimawandel und Wohnungsbau.

Abhilfe durch Hängegärten

Begrünung kühlt das Klima ab. Die Umwelt-Organisation Green City setzt sich dafür ein, alle Gebäude in Zukunft zu begrünen. Das Bauprojekt Arabella 26 in Bogenhausen gilt hier als Vorzeigeprojekt: Mit hängenden Gärten und Sträuchern und Dachgarten beträgt der äußere Grünanteil mehr als 50 Prozent – das hält das Gebäude kühl und sorgt für Abkühlung durch Verdunstung. Wann es fertiggestellt wird, ist allerdings noch unklar.

Abhilfe soll auch von außerhalb Münchens kommen. Entscheidend sind hier so genannte Kaltluftschneisen wie das Isartal: Es drückt frische kalte Luft aus den Bergen Richtung München und säubert die Atmosphäre. „Egal wie in Zukunft gebaut wird: Die Kaltluftleitbahnen dürfen nicht abgeschnitten werden“, sagt Susanne Hutter von Knorring, Leiterin der städtischen Grünplanung. Dazu dürfe man vor allem nicht quer zur Windrichtung bauen.

Hüseyin Ince

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