Krise in der Pflege

Krankenpfleger zum Notstand: „Steuern auf die Katastrophe zu“

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Sieht pessimistisch in die Zukunft: Krankenpfleger Werner S. (51) nach seinem Dienst.

Die Münchner Kliniken haben akuten Pflegenotstand. Ein Krankenpfleger gibt Einblicke.

München - Seit über 30 Jahren arbeitet Werner S. (51, Name geändert) als Krankenpfleger. Gegen den Pflegenotstand kämpft er tagtäglich. Doch wenn der 51-Jährige in die Zukunft blickt, wird ihm angst: „Wir laufen in die Katastrophe! Und der Patient bleibt auf der Strecke!“

Lange Jahre war Werner S. auf der Intensivstation einer Münchner Klinik. „Wir hatten dort sieben Betten sowie vier im Aufwachraum. Für diese elf Menschen sind zwei Kräfte pro Schicht da“, sagt der 51-Jährige. Was das heißt: „Wenn sich bei einem der sieben der Zustand so verschlechtert, dass er zu sterben droht, kümmern sich sofort beide um diese Person. Schrillt gleichzeitig in der Nachbarbox der Alarm vom Beatmungsgerät – dann kommt man einfach nicht mehr schnell genug hin“, erzählt der Krankenpfleger. „Und später geht man völlig ausgebrannt nach Hause.“

Überstunden gegen das totale Chaos

Oft müssten die Pfleger und Schwestern davor noch eine Überstunde schieben, um der nächsten Schicht nicht das totale Chaos zu überlassen. 120 Überstunden pro Jahr seien keine Seltenheit. Werner S.: „Ich wollte schon öfters hinschmeißen. Man will helfen, aber es geht nicht.“ Der Münchner rechnete aus: „Wir bräuchten im Schnitt 1,3 Kräfte mehr pro Schicht, um alles zu schaffen“. 

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Denn mittlerweile sei der Notstand riesig: „Normal müsste ein Patient zum Beispiel alle 90 Minuten richtig gebettet werden, um sich nicht wund zu liegen. Heutzutage wird das oft erst nach vier Stunden getan, weil die Pflegekräfte einfach keine Zeit haben.“

Damit wieder mehr Personal zur Verfügung steht, müsste der Beruf generell aufgewertet werden – vor allem finanziell, ist Werner S. überzeugt. „Verdient eine Krankenschwester im Schnitt 2600 Euro, bleiben 1700 netto übrig. Damit in München Miete zu bezahlen und zu überleben ist äußerst schwierig.“ Ändert sich nicht bald etwas in der Branche, sieht Werner S. schwarz. „Dann wird es immer weniger Pflegekräfte geben. Backen können wir sie nicht.“

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Martina Williams

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