In einem eigenen Buch

“Zusätzliche Nummer genügt nicht“: Kult-Kabarettist rechnet gnadenlos mit Söders Kreuzerlass ab

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Kabarettist Christian Springer rechnet mit dem Missbrauch der Religion durch die Politik ab.

Der Kreuzerlass von Ministerpräsident Söder sorgt für Unverständnis bei Christian Springer. Nun hat der Kabarettist der umstrittenen Entscheidung ein eigenes Buch gewidmet.

Ein Kreuz in allen bayerischen Behörden – mit seinem Kreuzerlass hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Frühjahr den Wahlkampf für die Landtagswahl eröffnet. Dem Münchner Kabarettisten Christian Springer stehen dabei die Haare zu Berge. „Ich empfinde es als schamlos, wie die CSU die Religion für ihre Zwecke missbraucht“, sagt er.

Sein Ärger war so groß, dass er dem Thema ein ganzes Buch gewidmet hat, das er am Montag am Nockherberg vorgestellt hat. Springer konnte nicht anders, als zum Stift zu greifen, sagt er. „Als Kabarettist genügt mir da eine zusätzliche Nummer im Programm nicht mehr.“

Besonders ärgert ihn die Widersprüchlichkeit, mit der die CSU zu Werke gehe. „Mein Buch startet mit zwei Söder-Zitaten“, so der Kabarettist. „Das eine aus dem Jahr 2012, da sagte Söder noch, dass auch der Islam mittlerweile zu Bayern gehöre. Heute sagt er, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Es ist schon interessant: Wenn im Nahen Osten nur ein Fünkchen Islam eine Rolle in der Politik spielt, schreit die CSU gleich Zeter und Mordio, und daheim stellt sich der Ministerpräsident mit dem Kreuz hin wie der Kreuzritterpapst höchstpersönlich.“

Münchner Aufklärer inspirierte

Die Wähler registrierten diese Widersprüche ebenfalls, schätzt Springer. „Die schauen genau hin. Und es wundert mich sehr, wie wenig man sich um den Wähler kümmert.“ Der Nichtwähleranteil sei deutlich höher als der der AfD-Wähler – doch anstatt sich an dem großen Anteil zu orientieren, marschiere man schnurstracks nach rechts.

Bei allem Ärger empfiehlt Springer eine gewisse Gelassenheit, schließlich sei die Antwort auf den Wahlkampf-Wahnsinn schon vor knapp 240 Jahren verfasst worden. „Ich habe ein Büchlein des Münchner Aufklärers Andreas Zaupser entdeckt, der schon 1780 einen Aufsatz geschrieben hat mit dem Titel ,Über den falschen Religionseifer’“, sagt Springer. Diese Schrift hat ihrem Verfasser ein Schreibverbot zu politischen und religiösen Themen eingebracht. 

Springer reicht Antrag auf Straßenbenennung ein

Zaupsers Ideen seien immer noch brandaktuell: „Die Religion ist nie die wahre Triebfeder des Fanatismus, sie ist nur der Mantel, worunter der Verfolger seine Absichten, seinen Stolz und seinen Eigennutz versteckt“, heißt es da etwa. „Die perfekte Antwort auf Söder – auch wenn sie schon vor 240 Jahren verfasst wurde“, findet der Kabarettist.

Mit viel Ironie und Hintergrundwissen kommentiert Springer, der nicht nur Arabisch, sondern auch bayerische Literaturgeschichte studiert hat, in seinem neuen Buch Zaupsers Klassiker der Aufklärung. Zaupser selbst ist in seiner Münchner Heimat in Vergessenheit geraten – nicht mal eine Straße ist nach ihm benannt. Das würde Springer gern ändern und reichte am Montag den Antrag einer Straßenbenennung ein. 

Lesen Sie auch: Ist die Wiesn-Mass zu teuer? Ein Münchner Kabarettist klärt auf

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