tz-Serie von Nina Bautz

Der lebende Stadtplan: Alfred Kammermeier

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Er arbeitet zwischen Sehenswürdigkeiten und Obstständen: Alfred Kammermeier (46) ist Kontaktbeamter in der Fußgängerzone.

So liebe Freunde, runter vom Radl! Das ist hier verboten!“ Alfred Kammermeier rückt seine weiße Mütze zurecht und stellt sich drei Radlern mit ausgebreiteten Armen in den Weg.

Alltagsarbeit. Der 46-Jährige ist einer von acht Kontaktbeamten in der Innenstadt. „Mein Job ist es, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und als Ansprechpartner da zu sein.“ Ohne Handschellen und Pistole zieht er trotzdem nie los.

Kammermeiers Revier geht vom Marienplatz bis zum Stachus. Von 8 bis 17 Uhr ist er zu Fuß unterwegs. Er startet von der Polizeiinspektion in der Hochbrückenstraße aus. Der erste Einsatz wartet heute am Alten Rathaus: Zwei asiatische Geschäftsmänner möchten zum Hofbräuhaus. „Diese Frage wird mir von Touristen am häufigsten gestellt – manchmal komme ich mir vor wie ein lebender Stadtplan,“ sagt der 46-Jährige. Auch das Dallmayr-Haus suchen viele, „das aus der Werbung“.

Mit weit geöffneten Augen schlendert er über den Marienplatz. Er winkt einem Obsthändler zu, immer wieder hält er und ratscht mit Stadtangestellten. „Ich bin schon seit zehn Jahren Kontaktbeamter, manche Menschen treffe ich fast täglich. Es stimmt: München ist ein Dorf.“

Mittlerweile ist es 8.30 Uhr, in der Kaufinger Straße herrscht dichter Verkehr. Im Schritttempo schlängeln sich zwei Lieferwagen durch die Gasse, vorsichtig winkt Alfred Kammermeier einen weißen Sprinter durch das Treiben: „Bis 10.15 Uhr ist die Fußgängerzone für den Lieferverkehr frei – ich kontrolliere, ob alle Fahrer Genehmigungen haben.“ Prompt geht ihm auch wieder ein Radler in die Falle. Der Student kommt ungestraft davon, schiebend zieht er weiter. Nur etwa zwei von durchschnittlich zehn angehaltenen Radlern pro Tag müssen 10 Euro löhnen, die anderen verwarnt er. „Wir erwischen eh nur die braven, die militanten sind zu schnell weg.“

Bis zur Mittagspause gibt es viel zu tun: Baustellen überwachen, Strafzettel ausstellen, den Verkehr im Auge behalten. Kammermeiers bislang ausgefallenster Einsatz: „Es gab mal Ärger mit einem Straßenkünstler, der am ganzen Körper silbern angemalt war. Ich habe ihm gesagt, dass es in der Fußgängerzone verboten ist, elektronische Musik zu spielen. Irgendwie hat sich ein Streit entwickelt und der Mann musste festgenommen werden. Meine Kollegen und ich waren danach von Kopf bis Fuß mit silberner Farbe beschmiert – die ganze Wache hat uns ausgelacht!“

14.30 Uhr. Am Stachus rennen zwei junge Männer auf den Beamten zu – ihr Handy wurde im Café gestohlen. Alfred Kammermeier rät ihnen, den Diebstahl zur Anzeige zu bringen und erklärt den Weg zum Polizeipräsidium in der Ettstraße.

„Manche Kollegen belächeln meinen Job, weil er relativ unspektakulär ist: Ich gehe normalerweise nicht auf Verbrecherjagd.“ Bei einem Überfall auf Juwelier Huber vor zwei Jahren aber doch: „Das war mittags, ich war zufällig da. Die Räuber sind mit allen Schmuckstücken aus der Auslage geflohen. Aber sie sind – wie so viele – in der Menschenmenge abgetaucht.“ Als Kontaktbeamter hat Kammermeier Handschellen und Pistole noch nie benutzen müssen.

Unwichtig ist seine Arbeit trotzdem nicht: Vor dem Papstbesuch hat er jedes einzelne Fenster, das Blick auf den Marienplatz bietet, katalogisiert – für die Sicherheit des hohen Gastes. „Manche Wohnungs- und Ladenbesitzer haben mir dafür einfach ihren Schlüssel gegeben. Die Leute vertrauen mir. Ich liebe den Kontakt zu Menschen. “

Den hat Kammermeier vor acht Jahren auch in eigener Sache geknüpft: Ehefrau Christiane (37), ebenfalls Polizistin, hat er ausgerechnet auf der Wache kennen gelernt – und gleich in Gewahrsam genommen: Mittlerweile sind die beiden sechs Jahre verheiratet und leben mit zwei Töchtern in Fürstenfeldbruck. Die ganze Familie liebt die Altstadt: „Wir machen sogar oft am Wochenende Ausflüge hierher.“ Nur eines vermisst der gebürtige Regensburger: „Es gibt hier keinen einzigen Bratwurststand.“ C. Schmelzer

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Pro Tag 10 Ladendiebe

Polizist Alfred Kammermeier ist tagsüber in der Fußgängerzone unterwegs – er hat hier einen vergleichsweise angenehmen Job. Doch wie sieht es in den Gassen oder nachts vor dem Hofbräuhaus mit der Kriminalität aus?

Laut Statistik ist die Altstadt der Stadtbezirk mit der höchsten Kriminalitätsbelastung: Im letzten Jahr wurden hier 11 500 Straftaten verübt. Gerhard Kappel, stellvertretender Leiter der zuständigen Polizeiinspektion 11: „Mit einer Größe von zwei Quadratkilometern ist unser Revier zwar das kleinste der Stadt, trotzdem haben wir das meiste Personal.“ Aber: Da jeden Tag in der Münchner Fußgängerzone 200 000 bis 400 000 Menschen unterwegs sind, ist die Belastung im Verhältnis relativ gering.

Im Polizeipräsidium in der Ettstraße gibt es 23 Einzel- und 15 Sammelzellen für je 3 bis 12 Personen sowie eine Beruhigungszelle. In der Polizeiinspektion 11 gibt es zwei Zellen.

Hochburg für Langfinger: In der Altstadt werden pro Jahr rund 3500 Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht. Im ersten Halbjahr 2008 waren es schon knapp über 2000. Die PI 11 registrierte zudem 769 Taschendiebstähle. Die Diebe haben relativ leichtes Spiel, weil sie in der Menge untertauchen und schnell mit der Bahn verschwinden.

Kein Problem dagegen ist – wie man vielleicht annehmen mag – das Hofbräuhaus: „Hier ist spätestens um 0 Uhr Schluss, dann gehen die meisten Touristen auch friedlich nach Hause“, so Inspektionsleiter Kappel.

Laut Polizei soll es in der Altstadt kein Problemviertel geben, die Bewohner und Geschäftsleute des Hackenviertels am Sendlinger Tor sehen das anders: Sie beschweren sich, dass dort eine neue Drogenszene entstanden sei. Im ersten Halbjahr 2008 registrierte die PI 11 insgesamt 270 Drogendelikte.

130 Körperverletzungen im ersten Halbjahr diesen Jahres – das ist nicht viel für ein Großstadtzentrum. Aber: „Seit ein paar Jahren verlagert sich das Nachtleben vom Kunstpark in die Altstadt. Das macht sich auch für uns bemerkbar“, so Kappel von der PI. Am Rande der Altstadt, am Maximiliansplatz (auch „Kunstpark Mitte“ genannt), machen sich die vielen neuen Diskotheken bereits in der Kriminalitätsstatistik bermerkbar.

Die Altstadt feiert

Die Altstadt feiert © 
Großartige Stimmung auf dem Münchner Altstadtfest. Wir zeigen die besten Bilder. © Westermann
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Großartige Stimmung auf dem Münchner Altstadtfest. Wir zeigen die besten Bilder. © Westermann

Quelle: tz

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