Das Startup UXA sagt der Verschwendung den Kampf an

Münchner Startup: Lebensmittel retten geht jetzt per App

Verschenken, was man selbst nicht mehr mag: Lisa Zvonetskaya hat eine kostenlose App fürs Smartphone entworfen, über die man Lebensmittel weiterreichen kann. foto: klaus haag

In Deutschland wird tonnenweise Essen weggeworfen. Eine Münchnerin hat sich zum Ziel gesetzt, so viele Lebensmittel wie möglich zu retten - über eine App.

München – „Schatz, was essen wir heute Abend?“ Die Reste vom Vortag aufwärmen? Oder in den Supermarkt um die Ecke, den Einkaufwagen füllen und kochen, wonach einem gerade der Sinn steht? Lisa Zvonetskaya und ihr Freund wurden sich bei dieser Frage so gut wie nie einig. „Er wollte die Reste verwerten, ich hatte Lust, etwas Neues einzukaufen“, erzählt die Münchnerin. „Am Ende wurde immer viel zu viel weggeworfen.“

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Lebensmittel in Deutschland regelmäßig im Müll landen. Jedes Jahr werden 6,7 Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen, pro Person sind das im Schnitt über 80 Kilogramm.

Essen im Müll - ein Unding

Das Essen, das nicht nur bei ihr zuhause im Müll landete, ließ Lisa Zvonetskaya keine Ruhe. „Bessere Planung, Einkaufslisten – und nicht immer blind dem Mindesthaltbarkeitsdatum vertrauen, sondern dem gesunden Menschenverstand. All das hilft beim Müllvermeiden“, zählt die 31-Jährige auf. „Doch am Ende blieb immer noch zu viel übrig.“ Warum nicht anderen schenken, was man selbst nicht mehr braucht?, fragte sie sich. Und so entstand die Idee, eine App zu entwickeln, über die jeder, der möchte, kostenlos Lebensmittel zum Verschenken anbieten kann.

„Ich leite beruflich IT-Projekte und dachte mir – warum sollte ich mein Wissen nicht für etwas Gutes einsetzen?“, erzählt Zvonetskaya. „Apps gibt es mittlerweile für jeden Quatsch, aber so etwas, wie es mir vorschwebte, gab es bisher nicht.“ Einfach sollte es sein, Lebensmittel zu teilen – maximal drei Schritte, keine komplizierte Anmeldung mit persönlichen Daten. Um den Code für die App zu schreiben, engagierte Zvonetskaya Entwickler. „Idee, Konzept und Design sind von mir“, sagt die 31-Jährige, die ihre App „Uxa – Die Foodsharing App“ getauft hat.

Das Programm fürs Smartphone kann sich jeder kostenlos im App-Store (iOS und Android) herunterladen. Das Lebensmittel-Teilen funktioniert dann so: Zunächst muss sich ein Nutzer anmelden – über Facebook, Google oder die E-Mail-Adresse. Im zweiten Schritt lädt man ein Bild von dem betreffenden Lebensmittel hoch und fügt eine Beschreibung hinzu. Mit einem weiteren Klick ist das Angebot online. Jeder im Umkreis von 50 Kilometern, der Uxa auf seinem Smartphone hat, kann nun bei Interesse Kontakt aufnehmen. Über eine Chatfunktion vereinbart man einen Treffpunkt, um das Lebensmittel abzuholen. „Die meisten lassen die Sachen bei sich zuhause abholen, man kann sich aber auch zum Beispiel an der Bushaltestelle treffen – oder dort eine Tüte hinterlegen“, sagt Zvonetskaya.

Lesen Sie auch: Neue Foodsaver-Gruppe: So sollen Lebensmittel gerettet werden

7000 Nutzer sind schon dabei

Seit einem Jahr ist die App online. Rund 7000 Nutzer hat sie mittlerweile – die meisten in München und anderen Großstädten. Verschenkt wird vor allem Obst und Gemüse sowie Lebensmittel, die noch verpackt sind. Aber auch Tierfutter oder der Rest vom Abendessen wird über Uxa weitergereicht. „Viele Lebensmittel werden verschenkt, bevor Leute in den Urlaub fahren, wenn die Speisekammer aufgeräumt wird – oder einfach, weil jemand etwas ausprobiert hat und es ihm nicht schmeckt“, erzählt Zvonetskaya.

Einen fünfstelligen Euro-Betrag hat die Münchnerin mittlerweile in das Projekt investiert – und einen großen Teil ihrer Freizeit. Denn neben dem Ein-Frau-Unternehmen, das sie gegründet hat, um Uxa voranzutreiben, ist sie immer noch in Vollzeit angestellt. „Noch finanziert mein Vollzeitjob die App“, sagt die Unternehmerin, die sich zum Ziel gesetzt hat, im kommenden Jahr 100 000 Nutzer auf der App zu haben. Das funktioniere aber nur über Kooperationen und intensives Marketing.

So sollen auch die Werbeeinnahmen steigen. Geplant ist zudem neben der Basisversion, die kostenlos bleiben soll, irgendwann eine Premium-Version der App anzubieten. Das Programm soll dann zum Beispiel (auf Basis einer Liste mit dem Kühlschrankinhalt) den Nutzer frühzeitig warnen, wenn das Haltbarkeitsdatum eines Produkts abläuft – und dann Rezeptvorschläge machen oder die Lebensmittel automatisch in Uxa zur Abgabe hochladen.

„Wenn ich in zwei bis drei Jahren mit der App Geld verdienen kann, wäre das toll. Aber ich habe das nicht gemacht, um reich zu werden“, sagt Zvonetskaya. Ihr Antrieb sei vor allem, etwas für die Umwelt zu tun und so viele Lebensmittel wie möglich zu retten. Wenn sich damit am Ende auch noch Geld verdienen lässt – umso besser.

Manuela Dollinger

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