„Liserl“ berichtet von der Tat-Nacht

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Angeklagt: Peter M., Robert F. Ingatz Ö. (von links)

München -  Ihre Peiniger stehen längst vor Gericht – jetzt hat sich auch das Opfer einer Vergewaltigung im Jahr 2007 gemeldet. Mitten im Prozess ist das eine kleine Sensation.

Lisa S. (22) hat sich beim Kommissariat 15 als „Liserl“ geoutet – dieser Kosename stand auf einer Wäscheklammer an der Kleidung des Missbrauch-Opfers auf einem unscharfen Foto. Fast zwei Jahre hat die junge Frau aus Scham geschwiegen. Dass die Polizei sie verzweifelt suchte, hat die damalige Abiturientin im Prüfungsstress nicht mitbekommen. Erst als eine Freundin vom sexuellen Missbrauch einer Bekannten erzählte, ist es aus Lisa herausgebrochen. Unter Tränen hat sie geschildert – und am vorigen Freitag bei der Polizei wiederholt –, was sie von jener Nacht im Oktober 2007 noch in Erinnerung hat. Am 12. August soll sie den drei Angeklagten Robert F. (29), Ignaz Ö. (29) und Peter M. (27) vor dem Landgericht gegenüberstehen.

Die Drogenfahnder hatten bei einer Hausdurchsuchung bei dem BWL-Studenten und Dealer Robert F. eher zufällig ein Video sichergestellt. Peter M. hatte gefilmt, wie seine Spezln zu zweit das völlig willenlose Mädchen mehrfach vergewaltigten. So war das Verbrechen zu Tage gekommen, doch das Opfer meldete sich trotz Aufrufen in den Medien nicht.

Beim Kaffee über die Vergewaltigung gesprochen

Auf Grund einer Zeugenaussage wurde „Liserl“ in Bogenhausen vermutet, sie wohnt aber in Haidhausen. Dort wurde sie kürzlich von ihrer Freundin besucht, die bei einer Tasse Kaffee die Vergewaltigung einer Bekannten erwähnte. Ihr sei dasselbe passiert, gestand Lisa mit Tränen in den Augen. Die Freundin begleitete sie zur Polizei.

Robert F. hat Lisa nach ihren Angaben zum ersten Mal 2006 auf dem Oktoberfest getroffen und ihn ein Jahr später am letzten Wiesn-Samstag zufällig wiedergesehen. Diesmal war Ignaz Ö. dabei, den dritten Mann hat die junge Frau zunächst gar nicht wahrgenommen. Nachts begleitete Lisa die Männer in Roberts Wohnung in Sendling. Dort hat sie ein Stamperl Jägermeister getrunken, wollte irgendwann auf die Toilette – und fiel um. Sie wachte auf, als einer sich an ihr verging, das sei der Ignaz gewesen. Er habe aber gleich aufgehört, als sie ihn dazu aufforderte.

Sie hat mit den Männern am Vormittag noch Kaffee getrunken, dabei ist ihr erstmals auch Peter M. aufgefallen. Dann haben alle vier die Wohnung verlassen, Lisa fuhr mit dem Bus nach Hause. Erst hier sei ihr allmählich klar geworden, was in der Nacht passiert war. Sie hatte überall blaue Flecke, ihr ganzer Körper schmerzte.

Aus Angst vor HIV-Infektion nicht zum Arzt

Warum ist sie nicht sofort zum Arzt gegangen? Sie habe Angst gehabt, dass bei der Untersuchung womöglich eine HIV-Infektion festgestellt werden könnte, die Männer hätten keine Kondome benützt. Schon deshalb sei sie sicher, dass sie nicht freiwillig Sex gehabt habe. Auch müsse sie betäubt worden sein, ist Lisa überzeugt. Sie vertrage viel Alkohol, einen solchen Filmriss wie in jener Nacht habe sie noch nie gehabt.

Die Gymnasiastin blieb eine Woche lang der Schule fern. Sie habe sich nicht rühren und nicht schlafen können, nur vor sich hin gedämmert, erklärte sie. Am ersten Tag war ihr übel, sie musste sich immer wieder übergeben, wie auch schon in Roberts Wohnung. Von dem Film, den Peter M. mit seinem Handy aufnahm, hat sie nichts bemerkt. Auf den Aufnahmen wirkt sie „wie eine Puppe“, hat der Vorsitzende nach der nichtöffentlichen Vorführung während der Verhandlung gesagt.

Von Sarah List

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