Kein Platz für Manchester-Gedenkvitrine?

Politiker schimpft über emotionales Bauprojekt: „Öffentlicher Raum wird verschandelt“

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Der Gedenkstein soll um eine Vitrine ergänzt werden – einige Viertelpolitiker sorgen sich wegen deren Größe.

Die Erinnerung an die Opfer der Flugzeugkatastrophe treibt die Anhänger von Manchester United jedes Jahr in Scharen nach Trudering. Die neue Gedenkvitrine gefällt aber nicht jedem.

München - „Erwachsene Männer brechen hier in Tränen aus“, berichtet Mark Salzmann. Der Vorsitzende des FC-Bayern-Fanclubs Red Docs Munich kümmert sich seit Jahren um den geschichtsträchtigen Ort am Münchner Stadtrand. Seit 2004 steht hier ein kleines Denkmal. Es erinnert an das Flugzeugunglück, bei dem 1958 unter anderem acht Spieler des britischen Traditionsvereins Manchester United starben.

Die Sportler waren damals auf dem Rückweg von einem Europapokalspiel in Belgrad. Die Propellermaschine musste am Flughafen München-Riem zum Auftanken zwischenlanden. Auf der zugeschneiten Piste kam es dann beim Start zur Katastrophe. Die Maschine bekam nicht genug Tempo, raste durch einen Zaun und blieb völlig zerstört liegen. Salzmann will nun mit seinem Fanclub zusätzlich eine Gedenkvitrine errichten.

Der Gedenkstein soll um eine Vitrine ergänzt werden – einige Viertelpolitiker sorgen sich wegen deren Größe.

Denn: Alljährlich versammeln sich hunderte von Fußballfans in Trudering. Der Standort wurde 2008 sogar extra zum „Manchesterplatz“, damit ihn die auswärtigen Fans leichter finden können. Sie legen dort Blumen, Briefe, Trikots, Schals, Fahnen, Banner und andere Erinnerungsstücke ab. Oft sehr emotionale Dinge, erzählt Salzmann, der alles immer wieder einsammelt. Nun will er den Stücken einen angemessenen Aufbewahrungsort verschaffen. „Eine Art Museum vor Ort, um die Geschichte darzustellen und dem einzigartigen Gedenken Ausdruck zu verleihen.“

In Manchester und beim FC Bayern ist er auf positive Resonanz gestoßen. Doch in der Stadt lehnte man die Vitrine zunächst ab. Bis sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) persönlich dafür starkmachte. Eine Ansage, die einigen Stadtteilpolitikern vor Ort nicht schmeckt. Ein „Mordstrumm“ sei die geplante Vitrine mit 2,20 Meter Höhe und 2,80 Metern Breite, schimpfte Georg Kronawitter (CSU) beim Ortstermin. Das vorhandene Denkmal werde „buchstäblich kannibalisiert und entwertet, der öffentliche Raum verschandelt“. Die Devotionalien seien beim FC Bayern-Fancenter in der Innenstadt allemal besser aufgehoben als in Trudering. „Durch das Denkmal ist hier doch schon alles abgearbeitet.“ Mit so einem „Kraut-und-Rüben-Zeugs“ drin, stelle die Vitrine nun wirklich keinen Denkmalwert dar, unterstützt ihn CSU-Sprecherin Magdalena Miehle.

Manchester-Gedenkvitrine: Politiker wollen es lieber in der Innenstadt

Salzmann widerspricht. Die Vitrine sei sehr hochwertig, von einem Vollprofi entworfen, das Material soll zweisprachig dokumentiert hineingehängt werden. „Hier geht es um Völkerverbindung und Respekt gegenüber den trauernden Fans.“

Die Vertreter der Stadtverwaltung stecken in der Klemme. Schließlich ist die Vitrine auch Wunsch ihres obersten Chefs im Rathaus. Also wird das Teil auf dem Plan hin und her gedreht. Doch an einer Ecke liegen Telekom-Kabel im Untergrund, an der anderen könnten Baumwurzeln beschädigt werden. Vielleicht parallel zum Rappenweg. Aber nur, wenn der große Schaukasten dort keine Sichtbehinderung für die ohnehin kritische Kreuzung darstellt, gibt BA-Chef Otto Steinberger (CSU) als Prüfauftrag mit. Der BA will nächste Woche darüber abstimmen lassen.

Derweil gibt es in Haar auch einen heftigen Streit wegen dem LKW-Verkehr. Dort hat sich inzwischen auch die Politik eingeschaltet. 

In Riem hat man ganz andere Probleme: Dort gibt es trotz viele Familien keinen Kinderarzt. Das soll sich nun ändern.

Derweil stellt in ebenfalls in München eine 40 Kilo schwere Holzfigur die Polizei vor ein Rätsel.

Carmen Ick-Dietl

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